Müllforce in der Innenstadt

Für ein paar Euro: So soll Mannheim sauberer werden

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In der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag tauchte die Matratze auf dem Gehweg in T 6 auf.

Die Idee ist prima! Umwelt-Bürgermeisterin Felicitas Kubala stellte dem Bezirksbeirat Innenstadt/Jungbusch ein neues Konzept für mehr Sauberkeit auf den Gehwegen in den Quadraten vor.

Gesetzlich ist jeder Bürger verpflichtet, vor seiner Haustür den Bürgersteig zu kehren. Was auf vielen Dörfern recht gut klappt, funktioniert in Großstädten wie Mannheim leider nicht immer einwandfrei.

Nach dem zeitlich begrenzten "Picobello"-Projekt strebt Mannheim jetzt eine nachhaltige Müllforce an. "Picobello" habe gezeigt, dass in den Straßenzügen, in denen öfters und gründlich gereinigt wurde, die Zufriedenheit der Bürger mit der Sauberkeit wuchs, so Bürgermeisterin Kubala.

Dreck und Müll konnten damit allerdings nicht vermieden werden.

Ab April 2015 sollen nun Mitarbeiter der Stadtreinigung die Gehwege in der Mannheimer Innenstadt reinigen, wie sie es bereits seit einiger Zeit in der Fußgängerzone tun.

Die Bürger werden dabei zur Kasse gebeten (wir berichteten).

Edith Werner vom Dezernat V stellte einen ersten groben Plan vor, wie die Gebühren dabei aussehen könnten. Die Richtwerte habe man aus Beispielen in anderen Städten wie Heidelberg, Karlsruhe, Stuttgart oder Freiberg gepaart mit den Erfahrungen der Mitarbeiter der Abfallwirtschaft zusammengestellt.

So könnte es aussehen

Die Abrechnung erfolgt nach verschiedenen Reinigungsklassen, die nach Art und Häufigkeit der Reinigung bestimmt werden. Der Einteilung dieser Klassen liegen die langjährigen Erfahrungen der Stadtreinigung zu Grunde. Spätere Anpassungen sind möglich, falls sich eine höhere oder niedrigere Reinigungsklasse ergibt. Die Reinigungsklassen reichen von zwei Mal (zum Beispiel Nebenstraßen) bis sieben Mal (zum Beispiel Geschäftsstraßen) pro Woche.

Es wird nach Frontmetern (also Hauswandbreite) berechnet. Pro Frontmeter könnten zwischen 9 bis 34 Euro anfallen (vorläufige und nicht endgültige Kalkulation!). Heißt: Wenn nur zwei Mal pro Woche gereinigt wird, sind es zirka 9 Euro, bei sechs Reinigungen pro Woche das dreifache, also rund 27 Euro, bei sieben pro Woche etwa 34 Euro pro Frontmeter.

Hypothetische Beispielrechnungen

Liegt das Haus in einer Straße mit der Reinigungsklasse 2, misst zehn Frontmeter und beheimatet acht Wohneinheiten, würden an Kosten etwa 100 Euro im Jahr anfallen. Auf dem Monat umgelegt wären das 8,22 Euro, macht rund 1 Euro pro Monat pro Einheit.

Liegt das Haus in einer der Hauptgeschäftsstraßen und es muss nach Reinigungsklasse 7 gereinigt werden (also sieben Mal pro Woche), dann erhöht sich die Gebühr auf knapp 3,60 Euro pro Monat pro Einheit.

Zeitlicher Ablauf bis zur Umsetzung

Den Sommer über wolle die Stadtverwaltung nutzen, um die Gebührenkalkulation zu verfeinern. Im Herbst seien Infoveranstaltungen und umfassende Bürgerinformationen geplant, bevor das neue Konzept im Dezember dem Gemeinderat zum Beschluss vorgelegt werden soll. "Die Gehwegreinigung ist dann kein kommunales und temporäres Modell mehr, sondern Pflicht", betonte Kubala.

So vermüllen Menschen ihren Lebensraum

Und damit es funktioniert, will die Stadtreinigung selbst die Aufgabe übernehmen. Rund 40 Kilometer Gehweg müssen laut Bürgermeisterin zusätzlich gesäubert werden. Dafür braucht es mehr Mitarbeiter, mehr Gerätschaften und mehr Geld.

Auf eine Millionen Euro werden die Zusatzkosten beziffert, wovon die Stadt gut ein Drittel tragen wird, allein schon wegen öffentlicher Gebäude, für die sie zuständig ist.

Dr. Stefan Klockow, Leiter der Abfallwirtschaft, schätzt, dass rund zehn Mitarbeiter plus zusätzliche Maschinen notwendig sein werden.

Positive Reaktionen

Die Reaktionen im Beirat und anwesender Bürger fielen positiv aus. Christian Kirchgässner (CDU) freute sich, dass die Gedankengänge der Bürger aufgenommen worden sind und regte – wie einige seiner Beiratskollegen – an, die Reinigung gleich mit auf den Jungbusch auszudehnen. Steven Kunz (Die Linke) nannte es ein "kluges Projekt, das sinnvolle Arbeitsplätze schafft".

Ein Anwohner freute sich auf das Projekt und meinte, er zahle auch gerne ein paar Euro mehr für eine saubere Innenstadt. Er äußerte nur Bedenken in Bezug auf lärmende Reinigungsmaschinen.

Dahingehend beruhigte Dr. Stefan Klockow: "Wir werden keine motorenbetriebenen Laubsauger einsetzen." Maschinen seien dennoch wichtig, um die Arbeit zu erleichtern. Doch auch der gute alte Besen werde zum Einsatz kommen.

Für den Winterdienst müssen allerdings weiter Eigentümer und Mieter beziehungsweise Pächter von Immobilien sorgen!

Bleibt nur eine Frage offen:

Wie bekommt es eine Stadt in den Griff, Müll im öffentlichen Raum grundlegend zu vermeiden?

Der Erste Bürgermeister Christian Specht setzt dabei vor allem auf die soziale Kontrolle (wir berichteten): Dass Mitmenschen Müllsünder direkt ansprechen oder dem Kommunalen Ordnungsdienst (Telefon 0621/293 29 33) melden.

kb

Quelle: Mannheim24

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