Alarm am Oberrhein

Mückenjäger erlegten bereits rund drei Billionen Larven

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Wer am Rhein spaziert oder joggt, bekommt den ein oder anderen Stich ab. Mücken gibt es in diesem Jahr sehr viele.

Schätzungsweise drei Billionen Mückenlarven haben die Schnakenjäger vom Oberrhein bislang erledigt. Für sie ist eine der stärksten Plagen überhaupt. Die Klimaextreme kommen den Blutsaugern zugute.

Hitze, Regen, Hochwasser: Den Mücken am Oberrhein bietet dieser Sommer nahezu traumhafte Bedingungen. Vor allem die Vielzahl der Rhein-Hochwasserwellen sorgt dafür, dass besonders viele Larven schlüpfen. Es könne das zweit- oder drittstärkste Jahr in der Geschichte der 1976 gegründeten Kommunalen Aktionsgemeinschaft zur Bekämpfung der Schnakenplage (Kabs) sein, sagt der wissenschaftliche Kabs-Direktor Norbert Becker im dpa-Interview.

Vor fast 40 Jahren hat die Kabs die Arbeit aufgenommen. Rangiert der diesjährige Einsatz unter den ersten zehn?

Norbert Becker: Auf jeden Fall. Im letzten Jahr hatten wir zwar eine höhere Hochwasser-Spitze, und deshalb war die Überschwemmungsfläche größer. Wir hatten mehr als acht Meter am Pegel Speyer, dieses Jahr haben wir sieben Meter gehabt. Aber dieses Jahr zeichnet sich dadurch aus, dass wir kurz nacheinander vier Hochwasserwellen von je sechs bis sieben Metern hatten. So etwas hatten wir seit 30 Jahren nicht mehr im Juli. Das ist ein Extrem-Jahr. Es würde auf jeden Fall unter die Top Fünf kommen. Wahrscheinlich ist es sogar Top zwei oder Top drei.

Machen Sie das an der Zahl der geschlüpften Larven fest?

Norbert Becker bekämpft mit Kabs die Schnakenplage.

Becker: Deren Zahl war in diesem Jahr besonders hoch. Das hat einen bestimmten Grund: Wir hatten drei kleinere Hochwasserspitzen im Mai, die waren so knapp über vier Meter. Da schlüpften Mücken und legten ihre Eier in den Überflutungsflächen des Rheins ab. Und bevor am 14. Juli die erste von diesen vier größeren Wellen kam, hatten wir eine Trockenphase. Es war sehr warm, und plötzlich wurden die Eier in den Rheinauen überschwemmt. In dieser Situation ist der Schlüpfanreiz für die Larven besonders hoch. Deswegen haben wir dann mehrere hundert Larven pro Liter. Das heißt, pro Hektar hatten wir oftmals zwei-, drei, vierhundert Millionen Mücken. Und wenn man da bei der Bekämpfung ein paar Hektar übersieht, dann heißt es, dass in einem Bereich die Mücken plageerregend stechen.

Welche Bereiche im Kabs-Gebiet waren besonders betroffen?

Becker: Alle. Es sind sogar Gebiete, die mit dem Rhein nicht so korrespondieren, betroffen gewesen, wie die alten Neckarsenken bei Groß-Gerau. Der Neckar ist ja früher nördlich von Mannheim im Bereich Groß-Gerau in den Rhein geflossen. Die Senken sind bei Starkregen immer wieder massiv überschwemmt. Dort, wo wir bekämpft haben, ist die Situation erträglich bis sehr gut, etwa in Biblis, Lampertheim oder Ginsheim-Gustavsburg. Insgesamt kann man sagen: Wir haben vom Kaiserstuhl bis hoch nach Bingen – also in unserem gesamten Gebiet - Hubschraubereinsätze gehabt. Die Haupteinsatzgebiete liegen zwischen Au am Rhein und Bingen. Außerhalb des Bekämpfungsgebietes brummt es gewaltig in diesem Jahr, zum Beispiel an der Kühkopf-Insel in Südhessen oder in Offenburg

Wie viel Fläche haben Sie in diesem Jahr bekämpft?

Becker: Von dem Mittel, mit dem wir die Larven bekämpfen, haben wir bis heute 237 Tonnen ausgebracht. Und das Jahr ist noch nicht zu Ende. Im ganzen letzen Jahr waren es 300 Tonnen. Bislang haben wir das Mittel in diesem Jahr mit dem Hubschrauber auf 12 000 Hektar verteilt. Hinzu kommen zwei- bis dreitausend Hektar, die vom Boden aus bearbeitet wurden.

Kommt der Klimawandel den Mücken entgegen?

Becker: Ja, wobei ich lieber von Klimaextremen als vom Klimawandel spreche. Als ich anfing, hatten wir immer das gleiche Muster: Wir hatten im Frühjahr die Hochwasserspitze wegen der Schneeschmelze und im Sommer eine Hochwasserwelle, die durch aufgelagerte Spitzen entstand. Jetzt ist diese Sommerwelle oft gar nicht so extrem, stattdessen haben wir Zickzackereignisse durch Starkregen. Also monsunartige Regenfälle und Hitzeperioden hinterher. Das zusammen ist ideal für die Stechmückenentwicklung. Und das haben wir in diesem Juli massiv gehabt. Davon profitieren vielleicht auch die exotischen Mücken wie die asiatische Tigermücke oder japanische Buschmoskito. Der letztgenannte hat sich hier festgesetzt und kommt in Baden-Württemberg fast auf jedem zweiten Friedhof, aber auch darüber hinaus vor.

Wie viele Tiere haben Sie in diesem Jahr, salopp gesagt, um die Ecke gebracht?

Becker: Nehmen Sie 15 000 Hektar mal 200 Millionen Larven je Hektar. Ich schätze mal, dass wir drei Billionen Mücken umgebracht haben.

dpa

Quelle: Mannheim24

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