Nach Vergewaltigungsvorwürfen

Kachelmann: Zivilverfahren als Wiedergutmachung

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Jörg Kachelmann bei dem Prozess vor dem Landgericht in Frankfurt. 

Mannheim - Vor fast fünf Jahren wird Moderator Jörg Kachelmann vom Vorwurf der Vergewaltigung freigesprochen. Jetzt soll ihm ein Zivilverfahren eine Art von Wiedergutmachung bringen...

Nach einer dreistündigen Verhandlung zeigen sich die beiden Anwälte von Jörg Kachelmann rundum zufrieden: Fast genau sechs Jahre nach dem strittigen Geschehen in der Wohnung der früheren Geliebten des Moderators steht er vor einem großen juristischen Erfolg. Die Richter des Oberlandesgerichts machen keinen Hehl daraus, dass sie die Schadensersatzklage des Wetterexperten im Zivilverfahren für begründet halten.

Noch ist nichts entschieden – doch für Kachelmann wäre ein Erfolg vor dem Oberlandesgericht sicherlich eine Art späte Genugtuung. Die Hürden in einem Zivilprozess sind nämlich besonders hoch: Der Moderator muss nachweisen, dass seine Ex-Geliebte die Unwahrheit gesagt hat!

Die Ex-Geliebte ist nach eigener Darstellung in der Nacht zum 9. Februar 2010 von dem Moderator bedroht und vergewaltigt worden. Kachelmann soll sie mit einem Küchenmesser am Hals ins Schlafzimmer gezerrt haben. Dabei soll sie auch verletzt worden sein. Kachelmann selbst hat das stets bestritten und von einvernehmlichen Geschlechtsverkehr gesprochen. Das Landgericht Mannheim hat ihn Ende Mai 2011 in einem spektakulären Strafprozess freigesprochen. Bei der Entscheidung wurde jedoch betont, dass das „nicht mit dem Nachweis einer intentionalen Falschaussage“ der Ex-Geliebten verbunden sei. 

Rechtsmediziner Marcel Verhoff nährt die Zweifel an der Aussage von Claudia D. vor dem Oberlandesgericht. In seinem umfangreichen Gutachten kommt der Direktor des Frankfurter Instituts für Rechtsmedizin sogar zu dem Ergebnis, dass „deutlich mehr“ dafür spreche, dass sie sich die Verletzungen selbst beigebracht hat. 

Claudia D. folgt den Ausführungen deutlich angespannt. Immer wieder schüttelt sie den Kopf und fasst sich in die Haare. Die Schlussfolgerungen des Sachverständigen will sie einfach nicht wahrhaben. „Sie waren alle nicht dabei“, erklärt sie.

Insgesamt geht es um sechs Verletzungen: Abschürfungen am Hals, Blutergüsse an den Innenseiten beider Oberschenkel und Kratzer am Bauch. Der Gutachter hält es für unwahrscheinlich, dass diese Spuren auf ein Fremdeinwirken zurückzuführen sind. Die Begründung: Die einzelnen Verletzungen sind zu nah aneinander und zu symmetrisch.

Das Gericht hält die Ausführungen des Gutachtes für plausibel: „Wir halten die Klage für durchaus berechtigt.

Mein Mandant versucht immer noch, wieder auf die Beine zu kommen“, erklärt Kachelmanns Anwältin Ann-Marie Welker. Mit Geld ist das ohnehin nicht gutzumachen. 

Der Moderator selbst ist nicht erschienen. Der Anwalt von Claudia D., Manfred Zipper, will nicht aufgeben und denkt jetzt an ein eigenes Gutachten.

Beigestanden hat Claudia D. und ihrem Anwalt am Mittwoch der Heidelberger Rechtsmediziner Rainer Mattern. Er hatte im Strafprozess noch als Gutachter ausgesagt und die These einer möglichen Selbstverletzung weder bestätigt noch ausgeschlossen. 

>>> „Besser als die Schwetzinger Polizei erlaubt“: Jörg Kachelmann ‚wettert‘ gegen Polizei!

dpa/mk

Quelle: Mannheim24

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