Vor „MannHeim zu Dir“-Clubtour

Söhne Mannheims proben in Benjamin-Franklin-Village

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Die Söhne Mannheims proben für den Clubtour-Start am 1. Mai.

Mannheim - Die Söhne Mannheims gehen auf Clubtour. Im Gepäck: ein neues Album und die andauernden Diskussionen um Sänger Xavier Naidoo. Dabei wollen die Söhne bloß spielen.

Gar nicht so leicht, eine Mandoline sicher zu transportieren.

Für einen Moment muss Gitarrist Michael „Kosho“ Koschorreck die Probe der Söhne Mannheims unterbrechen und die Frage mit einem Techniker klären. 

Dann geht es weiter mit Musik, in Baracke 252 am Rande Mannheims. Bass und Schlagzeug wummern, darüber liegt der markante Männerchorgesang. „Nie mehr Krieg“ übt die Band – ausgerechnet hier, in Benjamin-Franklin-Village. Im einst größten geschlossenen Wohngebiet der US-Streitkräfte in Europa proben die Söhne Mannheims („Geh davon aus“) für ihre anstehende Clubtournee. Das Lagern der Mandoline ist dabei wohl das geringste Problem. 

Wenn man sich länger nicht gesehen hat, muss man sich erstmal beschnuppern“, sagt Produzent Billy Davis. Bis zum Tourstart am Montag (1.Mai) werde sich die Band die Lieder wieder neu erarbeiten, nicht nur die Songs vom neuen Album „MannHeim“, ergänzt Keyboarder Michael Herberger. Sänger Rolf Stahlhofen ist optimistisch. „Wir proben auf hohem Niveau“, sagt er und lacht. „Früher war mehr Chaos.“ 

Band steht zu Erfolgsfaktor Xavier Naidoo

Seit gut 20 Jahren sind die Söhne Mannheims im Geschäft. Zu Beginn gaben Skeptiker der Gruppe wenige Chancen. Eine Band aus fast zwei Dutzend Musikern, dazu eine uneindeutige Mischung aus Pop, Soul, Gospel, Reggae und Rock sowie sperrige Texte – das werde schwer. Doch der Erfolg stellte sich ein und hält bis heute: Bereits zehn der 15 Clubkonzerte sind ausverkauft. 

Ein Grund für den Erfolg ist Xavier Naidoo“, sagt Produzent Davis. Der Sänger sei für die Band „so wichtig wie (Ausnahmefußballer) Lionel Messi für den FC Barcelona“.

Doch Naidoo ist längst nicht mehr nur der Taktgeber der Band. Der 45-Jährige gilt wegen politischer Aussagen als öffentliche Reizfigur. An diesem April-Tag fehlt Naidoo bei den Proben – der Musiker sei krank, heißt es. Die Band übt ohne ihn und weist die Kritik zurück. 

Als Schwarzer kann ich nur lachen, wenn Xavier als Nazi bezeichnet wird“, sagt Davis. „Die Leute hassen ihn für etwas, das er nicht ist“, meint Bandkollege Stahlhofen. Naidoo sei ein „neugieriger Freak“, aber kein „Reichsbürger“. 

Die neue CD mit Zeilen wie „Muslime tragen den neuen Judenstern“ könnte die Diskussion aber erneuern. In Baracke 252 übt die Band unterdessen den Song „Wir leben im Jetzt“. Davis missfällt der Gesang. „Das klingt zu sweet“, meint der Produzent. Beim Lied „Glücklich sein“ wirkt der Chor unharmonisch. „Die Phrasierung stimmt nicht“, kritisiert Bassist Edward Maclean. Kurz liegt Spannung in der Luft. „Wir waren noch nie alle einer Meinung“, sagt Herberger. „Aber so lange wir Toleranz in der Band halten, schaffen wir es.“ 

„Eine völlige Fehleinschätzung“

Im Nebenraum köchelt in einer Warmhaltebox ein Reisgericht. Draußen wirkt die frühere Kaserne mit Häuserblöcken, Kirche und Plätzen wie eine Kleinstadt. Seit dem Abzug der Armee 1994 baut Mannheim das Gelände zum Wohn-, Kultur- und Geschäftsareal um. 

Herberger war lange Kapellmeister der Gruppe. An die Anfänge erinnert er sich mit gemischten Gefühlen. „Wir sind heute weniger impulsiv in Sachen, die nichts einbringen. Bei der ersten Tour sind wir mit 20 Privatautos gefahren, weil wir dachten, wir brauchen keinen Bus. Eine völlige Fehleinschätzung", erzählt er. 

Heute widmet sich der 45-Jährige verstärkt eigenen Projekten – wie fast alle „Söhne“. Sänger Henning Wehland etwa arbeitete zuletzt mit Sarah Connor zusammen, und Stahlhofen unterhält engen Kontakt zu Udo Lindenberg. Naidoo moderiert TV-Musikshows. Es ist auch diese große persönliche Freiheit, so scheint es, die diese Band zusammenhält. 

Abends kurz nach Sieben ist Schluss. Stahlhofen steigt über die schwarzen Kabel, die sich über den grauen Teppichboden ziehen. Zwei Mineralwasserkästen dienen in dem länglichen Raum als Notenhalter, an der Decke hängen Ventilatoren. 

Anfangs waren wir selbst überrascht vom Erfolg“, sagt der 49-Jährige. Die Sympathie der Fans sei immer noch ein „extrem angenehmes Gefühl“ für ihn. „Wenn das so bleibt“, meint er, „stehen wir noch als Großväter Mannheims auf der Bühne.

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>>>Mehr zu Söhne Mannheims auf der Übersichtsseite.

Wolfgang Jung/dpa/rmx

Quelle: Mannheim24

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