Prozess zur Bluttat vor H4-Wache

H4-Prozess: „Schlechte Beweislage!“

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Die Akten in Saal 2 des Landgerichts Mannheim stapeln sich – weitere Beweisanträge werden gestellt (Symbolbild). 

Mannheim – Tag acht im Prozess gegen Mehmet S. (22). Sein Verteidiger Alexander Klein stellt gleich vier Anträge, die die (Mit-)Täterschaft seines Mandanten ausschließen sollen. 

Gegen kurz nach neun Uhr betritt Mehmet S. (22) am Freitagmorgen den Gerichtssaal 2 im Landgericht. Er steht weiterhin unter Tatverdacht, den 20-jährigen Mustafa A. in den späten Abendstunden des 4. September vor der H4-Wache mit mehreren Messerstichen getötet zu haben. 

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Vermutungen um die Täterschaft des Bruders werden immer lauter

Doch auch am Ende des neunten Verhandlungstages und unzähligen Zeugenaussagen kann noch immer nicht ausgeschlossen werden, ob nicht eventuell doch Nihad S. (30), der Bruder des Angeklagten, für die Tat in Frage kommt.

Für Verteidiger Alexander Klein steht fest: „So eine schlechte Beweislage haben wir nicht oft.“ Daher stellt er am Freitag vier Anträge, die seinen Mandaten als Täter entlasten sollen

So kann noch immer die Kopfbekleidung keinem der zu Beginn vier Tatverdächtigen zugeordnet werden. „Ich fordere daher, die Schiebermütze auf molekular-genetische Spuren untersuchen zu lassen. Eventuell ergeben sich daraus Beweise gegen einen der drei anderen Tatverdächtigen“, so Klein. 

Im Verlauf des Prozesses ist immer wieder davon die Rede gewesen, dass DER Täter eine Mütze getragen haben soll. Jedoch gibt es zur Beschreibung der Kopfbekleidung unterschiedliche Angaben. 

Laut dem Vater des Opfers, Talat A. (44), hat am Tatabend nur einer der „Angreifer“ eine Mütze getragen – Nihad S. Ein anderer Zeuge will gesehen haben, wie es zu einer Schlägerei zwischen Mustafa A. und einem Mann mit beiger Schiebermütze und Lederjacke gekommen sei – dieser soll auch für die tödlichen Messerstiche verantwortlich sein.

Darüber hinaus beantragt der Verteidiger die Vorladung eines weiteren Zeugen sowie die molekular-genetische Untersuchung des Unterhemdes von Mustafa A. 

Die Staatsanwaltschaft schließt jedoch aus, dass sich darauf Blutanhaftungen von Nihad S. finden lassen, da bei dem 30-Jährigen bei seiner Untersuchung am 5. September keine Verletzungen festgestellt werden konnten. 

Klein kündigt zudem an, dass dies nicht die letzten Beweisanträge sein werden. Er schließt weiterhin nicht aus, dass für die Täterschaft durchaus auch Nihad S. in Frage kommt. „Eventuell spricht die Kette an Indizien und Spuren, die man mit den anderen Beteiligten in Verbindung bringt, für meinen Mandanten und legt die Waagschale zugunsten des Angeklagten und gegen einen anderen aus“, so Klein. 

Urteil Ende Juli? 

Am 15. Juni soll der Prozess gegen Mehmet S. fortgesetzt werden. Der SWR teilt am Mittwoch mit, dass laut Gericht  die Plädoyers der Verteidigung Ende Juli gehalten werden könnten. Verteidiger Alexander Klein besitzt darüber jedoch keine Kenntnis. 

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lin 

Quelle: Mannheim24

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