Begegnungen schaffen und Brücken bauen

Mannheimer Polizei gegen Extremismus und Vorurteile

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Im Polizeipräsidium L6 wird am Dienstag das neue Programm vorgestellt.

Mannheim – Die Polizei hat religiösem Extremismus in der Stadt den Kampf angesagt. Am Dienstag stellt sie das eigens entwickelte Programm vor, das vor allem Vorurteilen entgegenwirken soll.

Besorgt blickt Deutschland in diesen Tagen auf die Entwicklung von religiös motiviertem Extremismus. So sind auch Berührungsängste mit dem Islam in der Bevölkerung bis hin zur Islamfeindlichkeit sowie zahlreiche Vorurteile schon lange keine Ausnahmeerscheinungen mehr.

Zudem besteht vermehrt die Gefahr einer falschen Auslegung des Glaubens und einer Zunahme der Anhängerschaft des Salafismus – vor allem junge Leute sind vor den Einflüssen radikaler Organisationen oft nicht sicher.

Auch auf Seiten der muslimischen Bevölkerung besteht eine von Misstrauen geprägte Einstellung, vor allem gegenüber den staatlichen Instanzen.

Mit einem Migrantenanteil von 38 Prozent und knapp 30.000 muslimischen Mitbürgern in der Stadt besteht auch in Mannheim großer Handlungsbedarf.

Polizei im Dialog mit muslimischen Bürgern

Die Polizei Mannheim hat ihre besondere Verantwortung in diesem Thema erkannt und ein Konzept entwickelt, das radikalen Islamisten und religiösem Extremismus präventiv entgegenwirken soll.

Im Fokus dieses Programms steht vor allem die Förderung des Vertrauens von Muslimen in die Polizei, das oft nicht gegeben ist. In erster Linie geht es um das gegenseitige Kennenlernen, um einen offenen und vertrauensvollen Umgang miteinander zu schaffen. 

Zu diesem Zweck besteht bereits seit 2013 das Projekt "Sicherheit gemeinsam gestalten – Polizei und Migranten im offenen Gespräch". Hier werden jeweils zehn muslimische Migranten aus Mannheim und zehn Polizeibeamte eingeladen, den Abend gemeinsam in der Moschee zu verbringen. Nach einem ersten Kennenlernen und einem gemeinsamen Essen wird das Thema Vorurteile angesprochen und diskutiert. Neben Projekten dieser Art sollen aber auch muslimische Frauen und Mütter gezielt angesprochen werden, um die oft herrschende Scheu vor Polizisten abzubauen. 

Auch der regelmäßige Besuch von Schulen und Moscheen steht auf dem Programm. Pädagogen und Schüler der achten und neunten Klasse sollen für das Thema Radikalisierung und dschihadistischer Propaganda im Internet sensibilisiert werden. Für Lehrer, aber auch für Eltern sei es wichtig, die ersten „Symptome“ einer Radikalisierung zu erkennen und zu wissen, wie man in diesem Fall reagieren kann, betont Kriminalrätin Heidrun Hasel, Leiterin des Referats Prävention. Auch Imame, als wichtige Respektspersonen innerhalb der Moscheegemeinden, sollen geschult werden.

„Nicht isolieren, sondern integrieren“

Thomas Köber, Präsident des Polizeipräsidiums Mannheim, betont, dass eine Differenzierung notwendig sei: Die große Masse der gläubigen Mannheimer habe mit Extremismus absolut nichts zu tun. Es sei jedoch wichtig, dass sich muslimische Mannheimer als Teil der Gesellschaft fühlen und ein Vertrauen in das System entwickeln. Zum neuen Programm sagt er: „Wir wissen, dass das viel Energie und Kraft kosten wird, sind aber auch überzeugt, dass es sich lohnt!“

Eine nachhaltige Arbeit funktioniere außerdem nur im Netzwerk. Partner des Projektes sind hier unter anderen das Mannheimer Institut für Integration und interreligiösen Dialog und das Institut für Kriminologie der Uni Heidelberg.

Um zukünftig auch in den Dialog mit den Mannheimer Bürgern zu treten, ist im Juni ein Infostand auf dem Marktplatz zum Thema „Gemeinsam gegen Vorurteile“ geplant. Hier steht die Polizei gemeinsam mit muslimischen Vertretern und dem Institut für Integration für Gespräche zur Verfügung.

kab

Quelle: Mannheim24

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