Hygieneskandal

Staatsanwaltschaft durchsucht Uniklinikum

+
Dass Klinikum hat sein OP-Programm aktuelle von rund 60 Operationen am Tag auf 20 zurückgefahren.

Mannheim-Wohlgelegen - Das Mannheimer Uniklinikum in der Defensive. Wegen des Hygieneskandals haben mehrere Staatsanwälte am Mittwoch Krankenhausräume durchsucht.

Aufgrund eines anonymen Hinweises zu Hygienemängeln an dem renommierten Mannheimer Uniklinikum ging das Regierungspräsidium der Sache nach. Nach einer Vorortbegehung von Orthopädie und Unfallchirurgie wurden die Reinigungsgeräte der OP-Instrumente bemängelt.

Zivilfahrzeuge parkten am Mittwoch vor dem Uniklinikum in Mannheim. 

„Wenn wir Gerätschaften finden, die nicht den hygienischen Anforderungen entsprechen, werden wir die mitnehmen“, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft. Auch Unterlagen sollten sichergestellt werden. Es seien zudem Polizisten und Bedienstete des Regierungspräsidiums Karlsruhe vor Ort.

Seit bei einer Überprüfung Hygienemängel festgestellt wurden, ist das Klinikum in der Defensive. Das OP-Programm wurde drastisch zurückgefahren. Laut einem Klinikumssprecher gibt es derzeit gut 20 Operationen am Tag - statt der sonst üblichen 60. Zudem fehlten Qualifizierungsnachweise für Mitarbeiter. Auch Vorwürfe, die Probleme seien auch angesichts des Spardrucks verursacht, werden laut.

Falls möglich, würden die Operationen verschoben. “Wenn der Leidensdruck bei Patienten zu hoch ist, wenden sie sich aber anderen Häusern zu.“ Wie hoch der wirtschaftliche Schaden sei, könne er noch nicht abschätzen, sagte der Sprecher. „Der Schaden an unserem guten Ruf ist natürlich enorm.“ Die Mitarbeiter seien sehr verunsichert.

„Bitte, bitte lassen Sie es nicht dazu kommen, dass Patienten zu Tode gespart werden.“

Das Uniklinikum Mannheim muss sich den Vorwürfen stellen.

Laut einem Bericht von „Spiegel Online“ sind die Missstände intern schon länger bekannt. Insbesondere bei der Sterilisation seien in einem Qualitätsmanagement-Programm für anonyme Beschwerden seit mehr als zwei Jahren Defizite vermerkt, heißt es in dem Bericht. Es gebe darin Dutzende Hilferufe von Mitarbeitern. „Wir sind kein Produktionsbetrieb, hier geht es um Menschenleben“, zitiert die Seite aus dem internen Programm.

Der Kliniksprecher sagte mit Blick auf den Bericht: „Wir gehen den Vorwürfen nach. Damit müssen wir uns auseinandersetzen.“ 

Am Mittwochabend wollte der Aufsichtsrat zu einer Sondersitzung zusammenkommen. Ergebnisse wird es einem Sprecher der Stadt zufolge voraussichtlich erst am Donnerstag geben.

dpa/rob

Quelle: Mannheim24

Mehr zum Thema

Kommentare