„Es ist eine andere Armut, nicht die offensichtliche“

FREEZONE – offene Türen für Mannheims Straßenkinder

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FREEZONE - die Tür steht immer offen.

Mannheim-Innenstadt – Keiner sieht sie, kaum einer kümmert sich um sie – aber dennoch sind sie da: Jugendliche und junge Erwachsene, die auf Mannheims Straßen leben. 

Streetworkerin Andrea Schulz ist die gute Seele des Hauses. Seit 18 Jahren – seit der Entstehung – arbeitet sie an FREEZONE, hat alles mitgestaltet, mitgegründet. 

Für sie ist FREEZONE nicht einfach nur ein Job, sondern das ganze Leben: „Wir feiern hier Weihnachten – alle zusammen. Das ist das Leben hier.“ Und ohne das ganze Herzblut von Andrea Schulz und ihrem Kollegen Markus Unterländer wäre dieses Großprojekt auch nicht zu stemmen. 

FREEZONE - die Tür steht immer offen.

Hier ist jeder willkommen, auch Tiere sind kein Problem. Es gibt lediglich ein paar einfache und klare Regeln, die mit liebevoller Härte durchgesetzt werden: Keine Drogen, kein Alkohol, rauchen erst ab 18 Jahren. Wer gegen diese Regeln verstößt muss gehen. Wer in der „Streetnight“ übernachten will, muss sich an noch strengere Regeln halten: Die Bewohner müssen zwischen 19 und 21 Uhr heim kommen, Sonntag ist großer Putztag – und das gilt ausnahmslos für alle. 

Bis zu drei Monate können die Jugendlichen in der Unterkunft bleiben. Platz ist für sechs Personen – jedoch müssen die Bewohner zwischen 18 und 25 Jahre alt sein. „In dieser Zeit ist es absolut realistisch, dass die Jugendlichen in geregelten Bahnen leben und für sich selbst sorgen können. Wenn sie es denn wollen“, erklärt Schulz

Alle haben riesige Potenziale. Es müssen nur die Barrieren aus dem Weg geschaffen werden.“ Oft zählt bereits die Schulbildung zu den Barrieren. Deshalb bietet FREEZONE montags bis donnerstags von 17 bis 20 Uhr einen schulischen Stützkurs an. Bis zu zehn Schüler können sich hier auf ihren Haupt- oder Realschulabschluss vorbereiten. Die Prüfungen finden dann extern an der Tulla- oder Humboldtschule statt. „Die Abschlüsse sind hervorragend. Oft steht eine eins vor dem Komma!“, berichtet Schulz begeistert.  

Erstmal wollte niemand etwas von den obdachlosen Jugendlichen und jungen Erwachsenen in Mannheim wissen. Es ist eben eine andere Armut, nicht die offensichtliche. Wir haben natürlich trotzdem weitergemacht, Statistiken erstellt und nachweisen können – hier wird Hilfe dringend benötigt.“ Die Pilot-Phase ging ein Jahr lang, finanziert wurde das Projekt damals von der Kirche.

Dann wird die Kinderhilfsaktion „Herzenssache“ auf FREEZONE aufmerksam. Ermöglicht dem Projekt mit einer Spende von 250.000 Euro den Umzug in ein größeres Gebäude und ein umfassenderes Angebot für die Bedürftigen.

Mittlerweile erhält FREEZONE jährlich knapp 78.000 Euro von der Stadt Mannheim, 22.000 Euro stammen aus Landesmitteln für Straßen- und Sozialarbeit. 

Das alles reicht jedoch für drei Projekte (Tagesaufnahme, Wohnplätze und schulisches Angebot), zwei feste Mitarbeiter, eine Teilzeitstelle und die dringend benötigten knapp 240 Quadratmeter nicht aus. „Jedes Jahr fehlen uns 120.000 Euro. Wir sind auf Spenden angewiesen. Bisher hat es zum Glück aber immer irgendwie geklappt!

Was wir hier machen können, ist nur da zu sein, auf die Leute zuzugehen, zu sagen – komm vorbei, wenn du uns brauchst! Wir laden die Menschen zu uns ein. Wenn sie wirklich kommen, brauchen wir keinen Namen, wir gehen nicht mit großen Erwartungen dran, haben keine Vorurteile. Wir nehmen die Menschen so wie sie sind, egal was los ist. Es ist eben ein spezielles Angebot für eine spezielle Zielgruppe. Die Jugendlichen und jungen Erwachsenen gehen nicht zur Notaufnahme, sie gehen nicht zum Jugendamt. Da sind die Barrieren viel zu hoch.

Neustes Ziel: Eine FREEZONE in Ludwigshafen. „Wir haben jetzt schon so viele Anfragen aus Ludwigshafen, dass wir damit das ganze Haus füllen könnten. Der Bedarf ist einfach da – da müssen wir hin.“ Aktuell wird im Bereich Friesenheim nach einer passenden Immobilie gesucht. Dann soll vorerst die Tagesaufnahme und ein Nachtdienst in Betrieb genommen werden. Die Schule soll später erst das Angebot ergänzen. 

Die Ludwigshafener FREEZONE soll auf jeden Fall noch 2015 eröffnet werden – die Zeit drängt. Das wissen die Verantwortlichen und setzen alles daran, auch das Projekt auch über die Brücke weiterzutragen. Herzenssache ist auch dieses Mal wieder mit von der Partie: 250.000 Euro für Gebäude und Mitarbeiter sind bereits zugesagt.

mk

Quelle: Mannheim24

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