Während Panik vor Coronavirus

„Grippewelle ist in der Region angekommen“ – Hunderte Infizierte im Rhein-Neckar-Kreis

Mannheim - Während die Angst vor dem Coronavirus absurde Züge annimmt, gibt es eigentlich eine ganz andere beunruhigende Statistik: Die Zahl der Grippefälle steigt deutlich an!

  • Während in Baden-Württemberg kein Fall von Coronavirus vorliegt, steigt die Zahl der Grippe-Erkrankten.
  • Es ist ein starker Zuwachs in den letzten Tagen zu verzeichnen.
  • Es gibt bereits erste Grippe-Tote.

Update vom 14. Februar: Nun veröffentlicht auch das Landratsamt Rhein-Neckar-Kreis die Zahlen der mit Grippe-Infizierten. „Die Influenzawelle 2019/2020 ist auch in der Region angekommen“, so das Gesundheitsamt des Rhein-Neckar-Kreises, für das auch die Stadt Heidelberg zuständig ist. Seit Beginn der Saison sind 682 Grippe-Erkrankte gemeldet worden. „Hierbei handelt es sich lediglich um die durch eine Laboruntersuchung bestätigten Fälle. Wir gehen von einer deutlichen Untererfassung aus. Die Gesamtanzahl der Infektionen mit dem Influenzavirus liegt wahrscheinlich deutlich höher“, erklärt der Leiter des Gesundheitsamtes, Dr. Rainer Schwertz.

Seit der fünften Kalenderwoche steigt die Anzahl der Arztbesuche wegen Atemwegserkrankungen deutlich an, ein typischer Indikator für den Beginn der Grippe-Saison. Dabei handelt es sich bei der „echten Grippe“ nicht um eine einfache Erkältung. 

In der Saison 2017/2018 starben bundesweit geschätzt über 25.000 Menschen. „Das war die höchste Zahl an Todesfällen in den letzten 30 Jahren“, weiß Dr. Schwertz. So viele Todesfälle bei einer Grippewelle sind sehr selten, es gibt auch Saisons mit wenigen hundert Todesfällen. In Rheinland-Pfalz gab es mittlerweile zwei Grippetote.

Die wichtigste Schutzmaßnahme ist trotz der von Saison zu Saison unterschiedlichen Wirksamkeit die Impfung. „Die Grippeimpfung rettet buchstäblich Leben“, unterstreicht Amtsleiter Dr. Rainer Schwertz. Nach der Impfung dauert es 10 bis 14 Tage, bis der Impfschutz vollständig aufgebaut ist. Um rechtzeitig geschützt zu sein, wird deshalb empfohlen, sich vor dem Beginn der Saison impfen zu lassen. Jedoch kann es auch jetzt noch sinnvoll sein, die Impfung nachzuholen. Schließlich ist nie genau vorherzusagen, wie lange eine Influenzawelle andauern wird.

Meldedatum (Woche) (Gruppiert)

Meldedatum (Wochenjahr)

Anzahl

42

2019

1

45

2019

1

46

2019

1

48

2019

1

49

2019

3

50

2019

1

51

2019

6

52

2019

1

1

2020

2

2

2020

23

3

2020

27

4

2020

41

5

2020

173

6

2020

238

7

2020

163

Während Panik um Coronavirus: Zahl der Grippe-Infizierten steigt dramatisch an!

Meldung vom 5. Februar: Spätestens als die Meldung eingeht, dass sich in Deutschland ein Mann mit dem Coronavirus infiziert hat, bricht im gesamten Land die Panik vor der neuartigen Lungenkrankheit aus. Überall werden Atemmasken gekauft, es gibt nur noch das eine Thema zu diskutieren und die Angst vor einem möglichen Ausbruch erhöht sich von Tag zu Tag. Zwar versuchen Experten die Bevölkerung zu beruhigen, doch so ganz klappt das nicht. Auch der Verweis, dass die Grippe deutlich dramatischer ist, scheint viele Menschen gar nicht zu erreichen. Doch genau dazu kommt jetzt eine beunruhigende Nachricht vom Landesgesundheitsamt (LGA). Denn die Zahl der Grippefälle steigt stark an. Das teilt das LGA am Mittwoch (5. Februar) mit.

Mannheim: Fernab vom Coronavirus – Zahl der Grippe-Infizierte steigt deutlich an

Beim LGA sind bereits 6.430 Fälle gemeldet worden. Das seien mehr als doppelt so viele wie 2019. Damals wurden im gleichen Zeitraum 2.529 Fälle gemeldet. Es ist ein starker Anstieg, den das LGA innerhalb der letzten Tage verzeichnen muss. Innerhalb von zwei Wochen haben sich über 4.300 neue Grippe-Erkrankte gemeldet. Vor allem in den Städten Mannheim, Stuttgart und Freiburg sowie den Landkreisen Rhein-Neckar-Kreis, Esslingen, Ludwigsburg und Rems-Murr-Kreis sind Menschen an der Grippe erkrankt. 

Mannheim: Deutlicher Anstieg von Grippe-Erkrankte – bereits erste Tote

Nach Angaben des Regierungspräsidiums Stuttgart sind zwölf Menschen in Baden-Württemberg an der Influenza verstorben, vier weniger als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Das Präsidium geht jedoch davon aus, das die Dunkelziffer der Erkrankten und Sterbefälle deutlich höher liegt. Die Grippefälle müssen dem Landesgesundheitsamt gemeldet werden, wenn das Virus im Labor nachgewiesen wurde.

Mannheim: Grippewelle erreicht jetzt seinen Höhepunkt

Die Zahlen, wie viele Menschen in Mannheim und dem Rhein-Neckar-Kreis an Gruppe erkrankt sind, liegen aktuell noch nicht vor. Die Grippewelle wird allerdings im Februar und März ihren Höhepunkt erreichen. Im letzten Jahr sind in Mannheim bis Ende Februar 58 Menschen an der Grippe erkrankt. 

Im Jahr davor, als eine recht starke Grippewelle die Region heimsuchte, hatten sich laut dem "Mannheimer Morgen" von Februar bis Mitte März pro Woche bis zu 174 neue Grippe-Infizierte gemeldet. Nach Angaben des Robert Koch-Instituts starben bei der extremen Grippewelle 2017/18 rund 25.100 Menschen in Deutschland. 

Mannheim: Angst vor Coronavirus lässt Grippewelle vergessen

Sozialminister Manne Lucha (Grüne) ruft dazu auf, angesichts der Debatte über das Coronavirus die normale Grippe nicht aus dem Blick zu verlieren und sich unbedingt impfen zu lassen. „Influenza ist wesentlich aggressiver, und die Ansteckungsgefahr beim Nichtimpfschutz ist wesentlich größer", so Lucha. „Wir haben wesentlich mehr Sterbefälle bei Influenzazeiten, als wir das bei dieser Form haben werden", sagt er mit Blick auf das Coronavirus. In Baden-Württemberg ist ein Patient am Coronavirus erkrankt. In Germersheim sitzen über 100 Menschen in Quarantäne. In Rheinland-Pfalz hat sich zwischenzeitlich ein 27-jähriger Mann einen schlechten Scherz erlaubt, als er eine gefälschte Tagesschau-Meldung erstellt hat. Darin heißt es, dass das Coronavirus auch in Kaiserslautern ausgebrochen sei.

Grippe – Das sind die Symptome der Krankheit

  • plötzlich einsetzendes Krankheitsgefühl 
  • Glieder- und Muskelschmerzen 
  • Rückenschmerzen und/oder Kopfschmerzen 
  • Halsschmerzen 
  • Fieber 
  • trockener Husten 
  • Hitzewallungen

dpa/jol

Quelle: Mannheim24

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