„Geht doch zurück in die Türkei“

Rassismus-Vorwurf im Theresienkrankenhaus: Türkische Familie schildert Vorfall

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Die türkische Familie Altunok sieht sich im Theresienkrankenhaus mit rassistischen Äußerungen konfrontiert.

Mannheim-Oststadt - Die rassistische Aussage eines Oberarztes des Theresienkrankenhauses sorgt für einen medialen Aufschrei. Doch laut Familie Altunok sei es nicht bei dem einen Satz geblieben...

Dann geht in die Türkei, da kann sich Erdogan um euch kümmern."

Der Satz, den ein Oberarzt des Theresienkrankenhauses gegen eine türkische Familie richtet, sorgt derzeit für Empörung. In einer Pressmitteilung hat das Hospital bereits offiziell Stellung zu dem Vorwurf genommen und den Vorfall bestätigt. Der Oberarzt bedaure seine Worte, heißt es in der Stellungnahme, doch der Vater des Patienten habe sich aufbrausend verhalten und bereits im Vorfeld die Stationsärzte massiv beschimpft. Im weiteren Verlauf des Streites sei sogar die Polizei hinzugerufen geworden.

Nun meldet sich Familie Altunok zu Wort, deren Version der Geschichte sich deutlich von der Darstellung des Krankenhauses unterscheidet. Im Gespräch mit HEIDELBERG24 schildern der Vater und der 18-jährige Sohn, der als Patient im Theresienkrankenhaus behandelt wurde, die Ereignisse aus ihrer Sicht.

Als es hieß, ich soll das Zimmer wechseln, habe ich das auch gemacht. Ich habe dort aber gemerkt, dass das keine Zustände für mich sind. Es gab einen schlimmen Geruch und nur eine Toilette bei vier Personen“, so der 18-Jährige, der an einer chronischen Darmkrankheit leidet.

Oberarzt wird auf den Plan gerufen

Also sei man auf die Stationsärztin zugegangen. Die Möglichkeit eines Privatzimmers (150 Euro pro Nacht) sei in den Raum gestellt worden – man habe angenommen. Nur hätte ein solches dann doch nicht mehr zur Verfügung gestanden. Darüber hinaus sei die Kommunikation mit der Ärztin generell schwierig gewesen: „Sie hat nicht so gut deutsch gesprochen. Ich glaube, dass sie uns falsch verstanden hat“, erzählt Sohn Altunok. 

Schließlich sei der Oberarzt gerufen worden. Laut der offiziellen Pressemitteilung des Theresienkrankenhauses habe dieser sich einem aggressiven, beleidigenden Vater gegenübergesehen. Der schildert das Ganze jedoch deutlich anders: „Ich habe den Arzt gefragt, was ich machen soll. Mein Sohn wollte einfach nicht in dem Zimmer bleiben.“

„Dann geht doch in die Türkei“

Es folgte ein erstes: „dann geht doch in die Türkei!“, berichtet der Vater, der die Aussage zunächst übergangen habe. Neben anderen Bemerkungen dieser Art sei der Satz noch ein zweites, schließlich ein drittes Mal gefallen – bevor der Oberarzt dann schlussendlich gesagt habe: „Dann geht in die Türkei, da kann sich Erdogan um euch kümmern."

Warum? Ich habe es nicht verstanden. Was hat Erdogan damit zu tun?“, frage sich der Familienvater heute noch: „Wir sind vernünftige Leute. Ich lebe seit 40 Jahren in diesem Land. Mein Sohn ist hier geboren. Wir haben viele deutsche Freunde – und bestimmt nichts gegen Deutschland.

Polizei greift ein

Der Sohn bestätigt, dass die Polizei zum Beschwichtigen gerufen worden sei. Dass es hitzig zugegangen sei, wolle der 18-Jährige gar nicht bestreiten. „Natürlich haben sich die Emotionen irgendwann hochgeschaukelt. Nachdem der Oberarzt laut geworden ist, bin ich es auch geworden“, gibt der Sohn zu.

Entschuldigung über Medien erfahren

Über die Entschuldigung des Oberarztes habe der 18-Jährige aus den Medien erfahren: „Aber warum hat er nicht bei uns angerufen. Dann hätte ich mich auch entschuldigt.“

Ihm sei die ganze Angelegenheit lästig geworden – vor allem, da das Thema bei der türkischen Presse einen medialen Aufschrei ausgelöst habe. Ihm sei es lieber, er könne sich auf seine Behandlung und vielleicht ein Gesundwerden konzentrieren.

Familie hegt keinen Groll

Vater Altunok sei es wichtig, zu betonen, dass er keinen Groll gegen das Theresienkrankenhaus hegt und, dass dort – abgesehen von dem Vorfall – gute Arbeit geleistet worden sei.

Eine erneute Stellungnahme wolle das Theresienkrankenhaus nicht abgeben, erklärt Pressesprecher Christian Klehr. Man bleibe bei der offiziellen Pressemitteilung. Er wies aber darauf hin, dass sich das Hospital in presserechtlicher Betreuung befinde. 

gs

Quelle: Mannheim24

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