Ein Jahr nach dem Unfall 

Nach Crash auf Jungbuschbrücke: So sehr hadern die Unfall-Opfer mit ihrem tragischen Schicksal 

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Die kleine Lilijana musste Weihnachten ohne Mami feiern. 

Mannheim - Die Jungbuschbrücke wird für sie immer ein Ort des Schreckens bleiben: Den Opfern des Jungbuschbrücken-Rasers und ihren Angehörigen steht ein hartes Leben bevor. So geht es ihnen jetzt:

„Opi, pass auf du, fahr langsamer", ruft das kleine 3-Jährige Mädchen schreckhaft, wenn ein Auto sie überholt. Sie lebt jeden Tag in Angst. Seit dem tragischen Unfall auf der Jungbuschbücke am 16. Dezember 2017 hat die kleine Lilijana viel mitgemacht. Unter Drogeneinfluß war der 24-jährige Todor G. frontal mit seinem Audi auf den kleinen blauen Corsa ihrer Mutter geknallt – sie saß auf dem Rücksitz.

Das Mädchen musste sich nach dem Unfall wochenlang im Krankenhaus von ihrer schweren Verletzung erholen: Ein offenes Schädel-Hirn Trauma steckt so ein Kleinkind nur schwer weg. Monatelang besucht sie immer wieder eine Reha-Einrichtung. Im März 2019 reist sie mit der Oma schon wieder in eine Maßnahme nach Schönberg. Eine Spezialeinrichtung, die auf Kinder mit Defiziten eingestellt ist. 

Seit dem Unfall wohnt sie bei der Oma und dem Stiefopa Martin W.. Bei ihm ist sie jetzt sogar mitversichert. Mit dem Jugendamt ist alles geklärt, Lilijana bekam sofort eine Betreuung. Die logopädische Behandlung ist inzwischen so gut wie abgeschlossen. Ab und zu stottert sie noch, kann sich aber verständigen. Sie geht auch schon in den Kindergarten, dahin läuft sie in zehn Minuten zu Fuß. Ein Klacks gegen das, was hinter ihr liegt.

Aber an die Hand wird sie immer ihre Oma nehmen, nie mehr ihre Mama Jessica P.. Jedes Wochenende besuchen sie die Mutter im Krankenhaus. Sie ist wieder bei Bewusstsein. Ihre Arme kann sie nicht bewegen, ist ans Bett gefesselt. Und das wird auch so bleiben. Was sich vielleicht noch verbessern wird: sie lernt wieder zu sprechen. Das heißt aber nicht, dass sie einen Satz bilden kann. Jetzt geht es erst einmal nur um das Formulieren von einzelnen Worten. 

Die Reha-Einrichtung möchte dass Jessica ‚umzieht‘. Angeblich sind die Möglichkeiten dort ausgereizt. Die Angehörigen hoffen jetzt auf eine spezielle Einrichtung in Heidelberg. Ein Angebot haben sie schon: über 6.800 Euro soll die Betreuung im Monat kosten. 

Wer das bezahlen soll, ist noch ungewiß. Die Verwandten von Jessica und Lilijana können das sicher nicht aufbringen. Die Plätze in Altersheimen für solche Fälle, die in der Nähe liegen, sind alle belegt. Auf einen Kostenvoranschlag der SRH warten sie noch. Die Hoffnung stirbt zuletzt.

Der Crash-Fahrer wurde zu 10.000 Euro Geldstrafe und zwei Jahren auf Bewährung plus 150 Stunden gemeinnütziger Arbeit verurteilt.

Im Vergleich zu der Summe, die ein Pflegeheim-Platz tatsächlich kostet, sei dies „lächerlich“, so der Stiefopa. „Der Vater von Jessica hat bis heute noch nichts von dem Geld gesehen.“

Und Martin W. legt noch nach: „Der Täter feiert Weihnachten und Silvester mit Alkohol. Das hat er auch auf Facebook gepostet!" Dort liegt er auch mal lässig im Whirlpool oder posiert vor einem Mercedes. „Das ist einfach nicht fair". Die kleine Lilijana feiert Weihnachten nun für immer ohne ihre Mama unter dem Weihnachtsbaum.

kpo

Quelle: Mannheim24

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