Essity-Werkleiter Roger Schilling klärt auf 

Trotz Dauer-Produktion im Mannheimer Werk: Warum ist das Klopapier im Supermarkt so oft leer?

Mannheim – Der schwedische Konzern Essity produziert Klopapier und Papiertaschentücher. Das größte Werk Europas steht in Mannheim – doch warum ist hier das Klopapier trotzdem so knapp?  

  • Der Schwedische Konzern Essity stellt an sieben Standorten in Deutschland Toilettenpapier her.
  • Das größte Werk Europas steht mit 2.000 Mitarbeitern in Mannheim.
  • Warum sind die Klopapier-Regale in Zeiten der Coronavirus-Krise in Mannheimer Supermärkten trotzdem leer?

Kaum jemand kennt den Namen des schwedischen Konzerns – und das, obwohl wir alle täglich seine Produkte benutzen. In sieben Fabriken in Deutschland produziert der europäische Marktführer Essity nicht nur Toilettenpapier, Taschentücher, Haushaltrollen und Servietten der Marke „Zewa“, „Danke“ und „Tempo“, sondern unter dem Namen „Leukoplast“ auch Artikel zur Wundversorgung und „Tena“-Windeln. Das größte Werk - und das einzige mit einer eigenen Zellstoffproduktion - steht in der Sandhofer Straße in Mannheim. 2.000 Mitarbeiter werden am Mannheimer Standort beschäftigt, davon allein 1.200 in der Produktion. 

Mannheim: Toilettenpapier-Regale in den Supermärkten sind leer – Bedarf um 700 Prozent gestiegen 

Im Jahr 2018 wurden im Mannheimer Essity-Werk 283.000 Tonnen Papier erzeugt. Das reicht normalerweise aus, um den Bedarf zu decken. Seit einigen Wochen jedoch fällt in den Supermärkten vor allem eins auf: gähnende Leere im Toilettenpapier-Regal. Auch Haushaltsrollen und Kosmetiktücher sind in Drogerien und Supermärkten meist nicht verfügbar. 

Coronavirus: In Rheinland-Pfalz werden in einigen Läden schon Maßnahmen gegen das Hamstern ergriffen. 

Der Grund: Als Reaktion auf den Ausbruch des Coronavirus kaufen viele Bürger Toilettenpapier auf Vorrat ein. Normalerweise kaufen die Menschen erst Toilettenpapier, wenn die letzte Rolle angebrochen ist, so Christian Böttcher vom Bundesverband des Deutschen Lebensmittelhandels. Die Gründe für dieses Klopapier-Hamstern sind vielfältig, haben aber immer etwas mit Verbrauch, Sicherheit und Ekel zu tun

Coronavirus: Trotz Dauerproduktion im Mannheimer Werk Essity bleiben viele Supermarktregale leer – warum ist das so? 

In der Corona-Krise sei der Bedarf an Toilettenpapier in den letzten vier Wochen um 700 Prozent gestiegen, so Böttcher gegenüber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. In Mannheim wird auch mehr Eichbaum-Flaschenbier gekauft – dennoch erwägt die Brauerei Kurzarbeit anzumelden

Coronavirus in Mannheim: Kommt das „Essity“-Werk nicht mit der Klopapier-Produktion hinterher?  

Viele Leute wundern sich, warum die Klopapier-Regale in Mannheim leer bleiben, wenn doch nur ein paar Kilometer weiter das Werk steht, in dem es hergestellt wird. Werkleiter Roger Schilling klärt jedoch in einem Interview mit Radionews auf: „Es ist genug da und es wird laufend nachproduziert“. Zur Zeit würde sogar 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche Ware vom Band laufen. 

Klopapier-Hamstern in Zeiten von Corona: Kapazitäten im Handel sind dafür nicht ausgelegt 

Die Engpässe erklärt sich Schilling durch die Hamsterkäufe. Genauer gesagt sei dies der großen logistischen Herausforderung geschuldet, die bei der Belieferung an die Märkte entstehen würde, wenn die Ware gleich abgekauft wird. Die Kapazitäten im Handel sind für so eine hohe Nachfrage einfach nicht ausgelegt

Leere Toilettenpapier-Regale seien jedoch nur ein kurzfristiger Effekt, „der sich sicherlich legen wird“. Auch Christian Böttcher glaubt, dass der Klopapier-Markt demnächst gesättigt ist. Die Deutschen hätten ja nicht unendlich viel Stauraum in ihren Badezimmern.

Hamsterkäufe wegen Coronavirus: Kann ich Klopapier im Mannheimer Werk kaufen? 

Wer die Lieferungen an die Märkte nicht abwarten möchte und sich jetzt denkt, er könnte doch welches am Mannheimer Essity-Werk kaufen, wird enttäuscht: Der Werksverkauf in Mannheim hat geschlossen, um die Mitarbeiter vor dem Coronavirus zu schützen. Der Ansturm auf das Toilettenpapier aus dem Mannheimer Werk wäre zu groß gewesen.

Fun-Facts rund ums Klopapier 

Auf die Frage, wie lange eine Toilettenpapier-Rolle im Durchschnitt ausreicht, hat Schilling auch eine Antwort: Der Durchschnittsdeutsche würde eine Klopapierrolle pro Woche verbrauchen. Eine vierköpfige Familie könnte also ohne Probleme mit einer Packung in der Woche auskommen. Wie die Menschen das Toilettenpapier benutzen, sei von Land zu Land unterschiedlich. So würden die meisten Deutschen das Klopapier eher falten, die Engländer es öfter knüllen. 

Wichtig: Wer kein Toilettenpapier bekommen hat, und stattdessen auf Taschentücher und Haushaltstücher setzt, sollte es nicht in der Toilette herunterspülen. Es sei reißfest und löst sich nur schlecht im Wasser auf. So kann das Papier leicht die Toilette verstopfen. „Es braucht keiner Toilettenpapier zu bunkern, es ist genügend für alle da. Es wird auch wieder genügend in den Geschäften sein“, so Schilling abschließend. 

Aber nicht nur die Nachfrage nach Toilettenpapier ist groß. Auch der Bedarf von Atemschutzmasken ist enorm. Da aber in erster Linie Kliniken und Krankenhäuser damit versorgt werden müssen,nähen einige Menschen ihren Mundschutz einfach selbst.

Die Zahl der Infizierten hat sich in Mannheim weiter erhöht. Eine der positiv Getesteten ist die Mitarbeiterin einer Notfall-Kita-Betreuung

Unterdessen spitzt sich die wirtschaftliche Situation in Mannheim infolge der Corona-Krise weiter zu. Auch die Eichbaum-Brauerei prüft nun Anträge auf Kurzarbeit.  

kp

Quelle: Mannheim24

Rubriklistenbild: © picture alliance/dpa

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