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Polizei in Rheinland-Pfalz nimmt „Cyberbunker“ hoch – neue Details zur Darknet-Razzia!

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Traben-Trarbach (Rheinland-Pfalz) : Polizeibeamte sichern das Gelände eines ehemaligen Bundeswehr-Bunkers. Dort wurde ein Rechenzentrum für illegale Geschäfte im Darknet ausgehoben (27.09.2019).

Mainz - Der Polizei in Rheinland-Pfalz nimmt mehrere Verdächtige fest. Bei ihnen soll es sich um Cybekriminelle handeln, die im Darknet ihr Unwesen treiben!

  • LKA Rheinland Pfalz nimmt bei einer großen Razzia im „Cyberbunker“ sieben Personen fest
  • Es handelt sich um Cyberkriminelle, die im Darknet unterwegs sind
  • Ihnen werden Waffenhandel, Kinderpornografie und Drogenhandel im Darknet vorgeworfen

Update, 16 Uhr: Nach dem Ausheben eines illegalen Rechenzentrums für Geschäftige im Darknet – dem sogenannten „Cyberbunker“ – steht vor allem ein 59-jähriger Niederländer im Fokus der Ermittlungen. Dieser habe den Aufbau des Rechenzentrums in einem ehemaligen Bunker in Traben-Trarbach ab Ende 2013 federführend betrieben, sagt der Präsident des LKA Rheinland-Pfalz, Johannes Kunz, am Freitag. Es habe sich um einen „Bulletproof-Hoster“ gehandelt, der das Ziel verfolgte, mit „höchsten Sicherheitsstandards“ kriminelle Kunden vor dem Zugriff staatlicher Organe zu bewahren. Der 59-Jährige habe nach Erkenntnissen des LKA „Beziehungen zur organisierten Kriminalität“. Insgesamt 13 Täter von 20 bis 59 Jahren stehen im Verdacht, über die Server-Anlage zahlreiche Webseiten gehostet zu haben, über die international agierende Kriminelle ihre Machenschaften betrieben. 

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Es sei das erste Mal, dass deutsche Ermittler einen großen Server-Anbieter für Geschäfte im Darknet ausgehoben haben, sagte der Leiter der Generalstaatsanwaltschaft, Jürgen Brauer. Gegen die sieben Tatverdächtigen aus dem „Cyberbunker“bestehe der Verdacht der Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung, der Beihilfe zu Hunderttausenden Fällen von schweren Drogendelikten, Falschgeldgeschäften, Datenhehlerei und der Beihilfe zur Verbreitung von Kinderpornografie. Die Zahl der Kunden könne noch nicht abgeschätzt werden, sagte Kunz.

Auch Mitte November kommt es in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz zu einer großeingelegten Razzia – und dabei machen die Beamten einen Mega-Fund!

„Cyberbunker“: Schlag gegen Darknet – Polizei stürmt unterirdisches Rechenzentrum

Update, 12:15 Uhr: Einen Tag nach einer großen Razzia in Rheinland-Pfalz und der Verhaftung von sieben Cyberkriminellen äußern sich der Generalstaatsanwalt von Koblenz, Dr. Jürgen Brauer, und der Präsident des Landeskriminalamtes, Johannes Kunz, zu dem Einsatz. Die Ermittlungen in Zusammenarbeit mit der Landeszentralstelle Cybercrime (LZC) werden seit fünf Jahren geführt. 

In dieser Zeit konnten 13 Beschuldigte ausgemacht werden, die einen so genannten „Bulletproof-Hoster“ betreiben. Dabei handelt es sich um ein Rechenzentrum, das Kunden Schutz vor staatlichen Zugriffen bietet, damit illegale Geschäfte nicht auffliegen. Doch nun ist es den Behörden zum ersten Mal gelungen, ein solches Zentrum auszuheben!

Darknet: Rechenzentrum steht in ehemaligenm NATO-Bunker

Die Spur des illegalen Rechenzentrums führt die Ermittler in einen ehemaligen NATO-Bunker in Traben-Trarbach. Im so genannten „Cyberbunker“ werden zahlreiche Seiten für das Darknet gespeichert, die ihr Geld mit Drogen, Kinderpornografie und gefälschten Dokumenten verdienen. Die Marktplätze und Foren sind teilweise sogar im Ausland angesiedelt.

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Auf der Plattform „Cannabis Road“ sollen mehrere tausend Einzelkäufe von Cannabis durchgeführt worden sein. Auch über das Untergrundforum „Fraudsters“ sollen Betäubungsmittelgeschäfte im großen Stile abgewickelt worden sein. 

Darknet: Mehrere Plattformen für Drogen- und Waffenhandel gefunden

Beim „Wall Street Market“ handelt es sich um den zweitgrößten illegalen Marktplatz im Darknet. Über die Plattform sollen 250.000 Geschäfte mit Betäubungsmitteln abgewickelt worden sein – mit einem Umsatz von über 41 Millionen Euro

Flugsvamp 2.0“ ist ebenfalls ein Darknet-Markplatz – und zwar der größte von Schweden. Hier sollen 600 Verkäufer und etwa 10.000 Käufer aktiv gewesen sein. Auch hier wird im großen Stil mit Betäubungsmitteln gehandelt. Die Ermittlungen gegen die Betreiber werden von den schwedischen Behörden durchgeführt.

Ebenfalls mit Drogen haben die Plattformen „orangechemicals“, „acechemstore“ und „lifestylepharma“ gehandelt. Dabei sollen Umsätze im fünfstelligen Bereich gemacht worden sein.

Darknet: Verfahren gegen Cyberkriminelle eingeleitet – sieben Personen verhaftet

Nach den jahrelangen Ermittlungen haben die zuständigen Behörden 13 Personen ins Visier genommen – zwölf Männer und eine Frau. Gegen diese läuft ein Verfahren wegen ihrer Tätigkeiten im Darknet. Die Beschuldigten sind im Alter von 20 bis 59 Jahren und kommen aus verschiedenen Ländern. 

Aufgrund von Flucht- und Verdunklungsgefahr ist gegen sieben der Personen vom Amtsgericht Koblenz ein Haftbefehl erlassen worden – zudem noch 18 Durchsuchungsbeschlüsse. Bei einer großen Razzia in Rheinland-Pfalz sind unter anderem etwa 200 Server, schriftliche Unterlagen, zahlreiche Datenträger, Mobiltelefone und eine größere Summe Bargeld gefunden worden.

Darknet: Große Razzia in Rheinland-Pfalz gegen Cyberkriminelle

Erstmeldung vom 27. September: Nach mehrjährigen Ermittlungen gelingt dem Landeskriminalamt, in Zusammenarbeit mit anderen Behörden, ein großer Schlag gegen das organisierte Verbrechen im Internet. Bei einer großen Razzia mit hunderten Einsatzkräften können am Donnerstag (26. September) sieben Tatverdächtige festgenommen werden. Bei ihnen soll es sich um international agierende Cyberkriminelle handeln, die im Darknet ihr Unwesen treiben! Unter den Verhafteten befinden sich auch Betreiber eines illegalen Rechenzentrums. Zudem wird ein Darknet-Server im Norden von Rheinland-Pfalz vom Netz genommen und sichergestellt. Die Verdächtigen gehören zu einer Bande, die auf Online-Plattformen mit Rauschgift, ausgespähten Daten, gefälschten Dokumenten und Schadsoftware handeln. 

Cyberbunker: Schlag gegen Cyberkriminialität – Sieben Festnahmen in Rheinland-Pfalz

Nach den Festnahmen in Mainz erklärt ein Sprecher des LKA, dass gegen die sieben Verdächtigen wegen Waffenhandels, Kinderpornografie und Drogenhandels ermittelt wird! Es gehe um „alles, was man sich im Darknet vorstellen kann“, wie ein Sprecher des Polizeipräsidiums Trier sagt. 

Das Rechenzentrum ist zudem schon mehrfach negativ aufgefallen. So soll von dort aus der „Wall Street Market“ betrieben worden sein – dabei handelt es sich um den weltweit zweitgrößten Darknet-Marktplatz. Dieser ist allerdings schon im Frühjahr von Ermittlern zerschlagen worden

Darknet: Von Rechenzentrum ging Cyber-Attacke aus

Zudem sei vom „Cyberbunker“ auch ein Hacker-Angriff ausgegangen, der weltweit für Schlagzeilen sorgte. Ein damals 29-jähriger Brite legte bei einem Cyber-Angriff im November 2016 über eine Millionen Telekom-Router lahm und sorgte damit für Chaos

Der Mann, der im Netz unter den Decknamen „Spiderman“ und „Peter Parker“ arbeitete, wurde für die Attacke vom Kölner Landgericht zu einer Strafe von einem Jahr und acht Monaten auf Bewährung verurteilt. Die Ermittler des LKA wollen am Freitag (27. September) weitere Informationen zu der Razzia in Rheinland-Pfalz preisgeben. 

dpa/pol/dh

Quelle: Mannheim24

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