Prozessauftakt in Landau

„Schnapsidee“: Angeklagte gestehen Brandanschlag auf geplantes Flüchtlingsheim

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Angeklagte gestehen Brandstiftung in geplantem Flüchtlingsheim in Herxheim. (Archivbild)

Landau - Immer wieder haben in den letzten Jahren Flüchtlingsheime in Deutschland gebrannt. Im pfälzischen Herxheim brannte eine Gebäude, das für Flüchtling umgebaut werden sollte:

Die Nacht zum 4. Dezember 2015: In Herxheim steigen zwei Männer auf ein Gebäude, das zur Flüchtlingsunterkunft umgebaut werden soll, kippen Diesel und Benzin durch die Dachfenster und werfen brennende Grillanzünder hinterher. Es windet. „Das klappt nicht, das klappt nicht“, schreit der eine. Die Flüssigkeit des letzten von vier Kanistern fängt dann aber doch Feuer. 

So schildern es die 25 und 34 Jahre alten Angeklagten, die sich seit Montag (28. Mai) vor dem Landgericht Landau verantworten müssen. Zum Prozessauftakt räumen sie die Tat ein. „Wir wollten das Gebäude nicht abfackeln, sondern ein Zeichen setzten, dass die Leute merken: Die wollen das nicht“, sagt der 25-Jährige. Das sei aber „eine Schnapsidee“ gewesen.  

Die Staatsanwaltschaft wirft den Männern vor, das Gebäude in dem pfälzischen Ort mit Hilfe von Brandbeschleuniger angezündet zu haben. Das ehemalige Technologiezentrum sollte für Flüchtlinge umgebaut werden. An dem unbewohnten Gebäude entstand ein Schaden in Höhe von etwa 250.000 Euro

Täter haben sich „gegenseitig hochgeschaukelt“

Wir haben uns nach der Arbeit getroffen, das war ein stinknormaler Werktag. Dann haben wir über die Flüchtlingssituation gesprochen und uns gegenseitig hochgeschaukelt“, sagt der 25-jährige Angeklagte gefasst. Die Männer hätten an diesem Abend beschlossen, dass etwas unternommen werden müsse. Anschließend seien sie zu einer Tankstelle gefahren, um das Benzin und den Diesel zu kaufen. 

Ausmaß des Brandes nicht beabsichtigt

Die Tat ereignet sich demzufolge in einer unruhigen Stimmung. In Herxheim habe es sehr viel Gerede und pessimistische Stimmen über die geplante Unterkunft gegeben, erzählt der 25-Jährige. Sein 34 Jahre alter Mitangeklagter ergänzt später: „Viele haben gesagt: Wenn die da sind, ist es ja nur noch eine Frage der Zeit, bis ein Mädchen belästigt wird oder die Kinder nicht mehr alleine in die Kita oder die Schule laufen können.“

Kurz vor der Tat habe die Männer auch ein flaues Gefühl gepackt. „Niemand von uns wollte das dann noch machen, aber keiner war stark genug, um zu sage: Ey, ich zieh‘ den Schwanz ein“, meint der 25-Jährige. Das Ausmaß des Brandes sei so nicht beabsichtigt gewesen. 

Für Richter Jörg Bork nicht nachvollziehbar: „Da wundere ich mich schon, wieso man vier 5-Liter-Kanister mitnimmt, wenn man keinen großen Schaden anrichten will“, hinterfragt Bork. Der Staatsanwaltschaft zufolge war das Feuer in dem Betonbau zwar von außen nicht zu sehen, richtete im Inneren aber großen Schaden an. 

Die beiden Brandstifter wurden im April 2016 festgenommen. Den Ermittlern half dabei vor allem ein Video, das eine Kamera an der Tankstelle aufgenommen hatte. Es zeigt zwei Personen, die in der Tatnacht Kanister mit Kraftstoff füllen. Danach veröffentlichte die Polizei Phantombilder und einen Fahndungsaufruf. 

Die Polizei hat mit diesem Bild einer Kamera an der Tankstelle nach den beiden Tätern gefahndet.

Angeklagte bestreiten rechtsextremen Hintergrund

Beide Angeklagte standen in der Vergangenheit immer wieder vor Gericht, zum Beispiel wegen Sachbeschädigung, Beleidigung oder Drogenbesitz. Einen rechtsextremen Hintergrund, wie die Staatsanwaltschaft vermutet, bestreiten die Männer aber. 

Die Tat war natürlich politisch motiviert, aber nicht rechts“, sagt der 25-Jährige. Davon geht auch seine Verteidigerin aus: „Ein solcher Zusammenhang ist absolut abwegig. Diese Vermutung ist anderen Taten geschuldet und geradezu gehypt worden.“ 

Die Motivation der Tat beschäftigt auch Richter Bork. Immer wieder fragt er nach Details, um das Geschehene nachvollziehen zu können. Die Männer berichten am ersten Verhandlungstag mehrere Stunden lang. Auf die Frage, was sie dazu befähige, den „Geist der Herxheimer Bürger“ zu vertreten, haben die Angeklagten aber keine Antwort.

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dpa/hew

Quelle: Mannheim24

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