Urteil im Landgericht 

Nach Brandanschlag auf geplante Flüchtlingsunterkunft: Männer verurteilt! 

+
Landgericht Landau

Landau - Nach dem Brandanschlag auf ein als Flüchtlingsunterkunft vorgesehenes Gebäude in Herxheim sind die zwei Angeklagten nun verurteilt worden.

Ein 25-Jähriger erhält am Donnerstag vor dem Landgericht Landau ein Jahr und zehn Monate auf Bewährung, sein zehn Jahre älterer Komplize zwei Jahre auf Bewährung. 

Die beiden hatten gestanden, im Dezember 2015 in Herxheim ein leerstehendes Gebäude angezündet zu haben, das zu einer Flüchtlingsunterkunft umgebaut werden sollte. Eine rechtsextremen Hintergrund hatten die beiden bestritten.

Man habe das Gebäude nicht „abfackeln“, sondern signalisieren wollen, dass die Menschen die Unterkunft nicht wollten, hatte einer der beiden gesagt. 

Die Staatsanwaltschaft hatte für den 25-Jährigen eine Haftstrafe von zweieinhalb Jahren und für den 35-Jährigen unter Einbeziehung anderer Strafen von zwei Jahren und neun Monaten verlangt. 

Die Verteidiger der beiden hatten sich für Bewährungsstrafen ausgesprochen.

Die Tat: Eine „Schnapsidee“?

Die Nacht zum 4. Dezember 2015: In Herxheim steigen zwei Männer auf ein Gebäude, das zur Flüchtlingsunterkunft umgebaut werden soll, kippen Diesel und Benzin durch die Dachfenster und werfen brennende Grillanzünder hinterher. Es windet. „Das klappt nicht, das klappt nicht“, schreit der eine. Die Flüssigkeit des letzten von vier Kanistern fängt dann aber doch Feuer.

So schildern es die 25 und 34 Jahre alten Angeklagten, die sich seit Montag (28. Mai) vor dem Landgericht Landau verantworten müssen. Zum Prozessauftakt räumen sie die Tat ein. „Wir wollten das Gebäude nicht abfackeln, sondern ein Zeichen setzten, dass die Leute merken: Die wollen das nicht“, sagt der 25-Jährige. Das sei aber „eine Schnapsidee“ gewesen.  

Die Staatsanwaltschaft wirft den Männern vor, das Gebäude in dem pfälzischen Ort mit Hilfe von Brandbeschleuniger angezündet zu haben. Das ehemalige Technologiezentrum sollte für Flüchtlinge umgebaut werden. An dem unbewohnten Gebäude entstand ein Schaden in Höhe von etwa 250.000 Euro

Täter haben sich „gegenseitig hochgeschaukelt“

Wir haben uns nach der Arbeit getroffen, das war ein stinknormaler Werktag. Dann haben wir über die Flüchtlingssituation gesprochen und uns gegenseitig hochgeschaukelt“, sagt der 25-jährige Angeklagte gefasst. Die Männer hätten an diesem Abend beschlossen, dass etwas unternommen werden müsse. Anschließend seien sie zu einer Tankstelle gefahren, um das Benzin und den Diesel zu kaufen. 

Ausmaß des Brandes nicht beabsichtigt

Die Tat ereignet sich demzufolge in einer unruhigen Stimmung. In Herxheim habe es sehr viel Gerede und pessimistische Stimmen über die geplante Unterkunft gegeben, erzählt der 25-Jährige. Sein 34 Jahre alter Mitangeklagter ergänzt später: „Viele haben gesagt: Wenn die da sind, ist es ja nur noch eine Frage der Zeit, bis ein Mädchen belästigt wird oder die Kinder nicht mehr alleine in die Kita oder die Schule laufen können.“

Kurz vor der Tat habe die Männer auch ein flaues Gefühl gepackt. „Niemand von uns wollte das dann noch machen, aber keiner war stark genug, um zu sage: Ey, ich zieh‘ den Schwanz ein“, meint der 25-Jährige. Das Ausmaß des Brandes sei so nicht beabsichtigt gewesen. 

Für Richter Jörg Bork nicht nachvollziehbar: „Da wundere ich mich schon, wieso man vier 5-Liter-Kanister mitnimmt, wenn man keinen großen Schaden anrichten will“, hinterfragt Bork. Der Staatsanwaltschaft zufolge war das Feuer in dem Betonbau zwar von außen nicht zu sehen, richtete im Inneren aber großen Schaden an. 

Die beiden Brandstifter wurden im April 2016 festgenommen. Den Ermittlern half dabei vor allem ein Video, das eine Kamera an der Tankstelle aufgenommen hatte. Es zeigt zwei Personen, die in der Tatnacht Kanister mit Kraftstoff füllen. Danach veröffentlichte die Polizei Phantombilder und einen Fahndungsaufruf. 

Die Polizei hat mit diesem Bild einer Kamera an der Tankstelle nach den beiden Tätern gefahndet.

dpa/kp

Quelle: Mannheim24

Mehr zum Thema

Kommentare