1. Ludwigshafen24
  2. Region

Doppelmord an Polizisten bei Kusel: Dreyer verurteilt Hass im Netz – „Menschenverachtend“

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Peter Kiefer

Kommentare

Kusel – Ein Land unter Schock! Rheinland-Pfalz gedenkt der beiden eiskalt ermordeten Polizisten (24/29)! Am Freitag gibt es eine Schweigeminute und eine Trauerfeier:

Update vom 4. Februar, 10:30 Uhr: „Wir erleben im Netz gerade widerwärtige Dinge, dass diese Tat von manchen bejubelt wird“, sagt die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer nach einer nicht öffentlichen Trauerfeier für die beiden ermordeten Polizisten. In Kusel haben sich Angehörige und Kollegen im Beisein der Ministerpräsidentin und des Innenministers Roger Lewentz von dem 29 Jahre alten Oberkommissar und der 24 Jahre alten Polizeianwärterin verabschiedet. Auch der ehemalige Ministerpräsident Kurt Beck hat sich mittlerweile geäußert – und einen klaren Schuldigen für die Verrohung der Gesellschaft gefunden.

Dreyer verurteilt die Kommentare im Netz als „menschenverachtend und schlimm“. Die Behörden würden weder Beleidigungen noch Drohungen dulden - und nicht nur löschen, sondern verfolgen und bestrafen. Lewentz ergänzt zudem, dass es in der Nacht auf Freitag bereits einen Zugriff im Raum Idar-Oberstein gegeben habe, wo eine Person im Netz dazu aufgerufen habe, Polizisten auf Feldwege zu locken und dort zu „beschießen“! Der Verfasser dieser Nachricht sei mittlerweile „überwältigt“ worden. Ihn erwartet nun ein Verfahren.

Doppelmord an Polizisten bei Kusel: Schweigeminute – Heute Tag der Trauer in RLP

Erstmeldung: Trauer und Schock sitzen noch immer tief nach dem unfassbaren Doppelmord an zwei junge Streifenpolizisten in der Nähe von Kusel! Am frühen Montagmorgen (31. Januar) haben der 29-jährige Oberkommissar und eine junge Polizeianwärterin (24) gegen 4:20 Uhr ein Fahrzeug auf dem Parkplatz einer Kreisstraße bei Ulmet kontrolliert. Plötzlich peitschten etliche Schüsse durch die kalte Nacht und die beiden Beamten waren tot – erschossen von zwei Männer, die durch ihre Wahnsinnstat vermutlich einen krassen Fall von Wilderei vertuschen wollten.

Nach ihrer schnellen Festnahme im saarländischen Sulzbach sitzen zwei Tatverdächtige (38/32) in U-Haft – wegen des Verdachts auf gemeinschaftlichen Mord und Wilderei. Seitdem konzentrieren sich die Ermittler nach den tödlichen Schüssen auch auf das bei den beiden Männern gefundene Waffenarsenal. Bei Durchsuchungen in mehreren Häusern, Wohnungen, Betriebsstätten und einer Jagdhütte im Saarland waren mehr als ein Dutzend Schusswaffen gefunden worden – darunter wohl die Tatwaffen. Angaben dazu, ob einer der beiden festgenommenen Männer im Nationalen Waffenregister als „Erlaubnisinhaber” geführt werden, haben die Behörden zunächst nicht gemacht. Sie sprachen am Mittwoch von „sehr umfangreichen Ermittlungen”.

Doppelmord bei Kusel: Zwei Polizisten im Dienst erschossen

Für Freitag kündigte die Polizei in Rheinland-Pfalz eine Schweigeminute und eine Trauerfeier an. Unterdessen hat Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) das Bundeskriminalamt (BKA) damit beauftragt, gegen die vielen Hasskommentare im Internet vorzugehen. „Leider sehen wir im Netz nach der Tat zum Teil sehr widerwärtige und pietätlose Hasskommentare“, sagte sie der Bild-Zeitung. „Ich habe heute den Präsidenten des Bundeskriminalamtes gebeten, schnell und sehr entschieden dagegen vorzugehen. Das sind Straftaten, und die werden wir mit hohem Ermittlungsdruck verfolgen.“

Der rheinland-pfälzische Innenminister Roger Lewentz (SPD) hat am Mittwoch (2. Februar) die Kollegen und Kommilitonen der Opfer besucht. Er habe in der Polizeiinspektion Kusel mit den „emotional sehr, sehr mitgenommenen” Kollegen des getöteten 29 Jahre alten Oberkommissars gesprochen, sich die erfolgreichen Ermittlungen bedankt und daraufhin gewiesen, dass es wichtig ist, das Angebot der Krisenintervention anzunehmen”, sagte der Politiker und oberste Dienstherr der Polizei in RLP.

Zwei Polizisten bei Kusel getötet
Der pfälzische Innenminister Roger Lewentz (re., SPD) spricht in der Polizeiinspektion in Kusel mit Dienststellenleiter Christoph Maurer (li.) und Jürgen Schmitt, Inspekteur der Polizei. © Harald Tittel

Beim anschließenden Besuch der Hochschule der Polizei habe er mit rund 50 Kommilitonen der getöteten 24 Jahre alten Polizeianwärterin gesprochen. Die Studierenden hätten berichtet, angesichts der brutalen Tat für einen kurzen Moment an ihrer Berufswahl gezweifelt zu haben, nach einigem Nachdenken aber schon jetzt wieder überzeugt zu sein, „die Gesellschaft braucht den Schutz”.

Polizisten-Morde auf Kreisstraße: Schweigeminute in Rheinland-Pfalz am Freitag

Am Freitag (4. Februar) wird es laut Polizei in Rheinland-Pfalz um 10 Uhr eine landesweite Schweigeminute für die getöteten Beamten geben. Ebenfalls am Freitag ist in Kusel eine interne Trauerfeier mit den Angehörigen sowie mit Kolleginnen und Kollegen der Getöteten geplant. Ab 10 Uhr sollen auch die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) und Innenminister Lewentz unter den erwarteten rund 200 Gästen in der Fritz-Wunderlich-Halle sein. Zu einem späteren Zeitpunkt soll es eine öffentliche Gedenkveranstaltung geben.

Blumen liegen und Kerzen stehen am Eingang der Polizei in Kusel (Rheinland-Pfalz). Am Vortag wurden in der Nähe auf der Kreisstraße 22 eine Polizistin und ein Polizist bei der Durchführung einer Verkehrskontrolle erschossen.
Blumen liegen und Kerzen stehen am Eingang der Polizei in Kusel. Am Vortag wurden in der Nähe auf der Kreisstraße 22 eine Polizistin und ein Polizist bei der Durchführung einer Verkehrskontrolle erschossen. © Harald Tittel/dpa

„Die Ergebnisse aus den Zuverlässigkeitsüberprüfungen müssen am Ende aber auch konsequent von den Vollzugsbehörden durchgesetzt werden, nur so entfalten diese ihre volle Wirkung”, sagte der Grünen-Obmann im Innenausschuss des Bundestages, Marcel Emmerich, der Deutschen Presse-Agentur. „Es deckt erneut ein ernsthaftes Problem im Vollzug auf, wenn Personen ihre Waffen trotz fehlender Zuverlässigkeit immer noch Zuhause haben.”

Rheinland-Pfalz: Zwei junge Polizisten bei Verkehrskontrolle auf Kreisstraße erschossen

Der Kofferraum des Kastenwagens der beiden Beschuldigten war laut Polizei voll mit erlegten Tieren. Einem der beiden Verdächtigen war nach Informationen des Deutschen Jagdverbandes 2020 wegen fehlender Zuverlässigkeit ein Jagdschein verweigert worden. Der 38-Jährige soll wohl bereits in der Vergangenheit als Wilderer aufgefallen sein.

Im konkreten Fall brauche es dringend Antworten dazu, wo und wann in den Behörden womöglich die nötigen Informationen nicht erfasst oder weitergegeben worden seien. Marcel Emmerich fordert deshalb: „Die Kontrollmöglichkeiten der Länder müssen dringend evaluiert, effektiver gestaltet und der Informationsfluss zwischen den Behörden schnell verbessert werden.”

Für die weiteren Ermittlungen gründete die Polizei in der Pfalz die Sonderkommission „Veldenz”. Unter Leitung des Kriminaldirektors Frank Gautsche sollen die Sicherheitskräfte in Kaiserslautern die Aufklärung der Tat vorantreiben. (pek/dpa)

Auch interessant

Kommentare