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Nach 80 Jahren: Traditionsbäckerei in RLP insolvent – dann das Weihnachtswunder

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Von: Peter Kiefer

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Rheinland-Pfalz - Drei Monate nach dem Insolvenzantrag der Bäckerei-Kette Thilmann hat jetzt ein Käufer einige Filialen plus Beschäftigte übernommen. Wer die Traditionsbäckerei rettet:

Angesichts dieser frohen Kunde sind die Verantwortlichen und Beschäftigten der insolventen Bäckerei-Kette Thilmann Brot GmbH mit Sitz in Wolken sicher aus selbigen gefallen... Denn das in finanzielle Schieflage geratene Traditionsunternehmen aus Rheinland-Pfalz hat einen Käufer gefunden. Das Weihnachtswunder im Landkreis Mayen-Koblenz.

Käufer übernimmt insolvente Bäckerei-Kette Thilmann

Drei Monate nach dem Insolvenzantrag der Bäckerei-Kette Thilmann Brot GmbH nach über 80 Jahren ist es dem Insolvenzverwalter Jens Lieser von LIESER Rechtsanwälte aus Koblenz (Büros auch in Mannheim und Stuttgart) gelungen, die Thilmann Brot GmbH an die Ulrike´s Kulturbackhaus GmbH (Andernach) zu verkaufen. Der Kaufvertrag ist bereits unterzeichnet.

Über den Kaufpreis haben beide Seiten Stillschweigen vereinbart, wie Jens Lieser mitteilt. Damit erwirbt nicht ein großer anonymer Bäckerei-Konzern, sondern die engagierte Unternehmerin sowie Bäcker- und Konditormeisterin Ulrike Schmitz mit ihrem Unternehmen Ulrike´s Kulturbackhaus das bereits in 3. Generation geführte Bäckereiunternehmen Thilmann Brot.

Bäckerei-Kette aus RLP meldet Insolvenz an – nach über 80 Jahren
Die Bäckerei-Kette Thilmann aus RLP backt täglich sechs Sorten Demeter-Brot-Spezialitäten. (Symbolfoto) © Swen Pförtner/dpa

Ulrike‘s Kulturbackhaus rettet 8 der 20 Thilmann-Filialen

Ulrike Schmitz steht selbst für eine lange Bäckerei-Tradition: In ihrer geht das Backhandwerk bis ins Jahr 1885 zurück. Der inzwischen in der Region namhafte Bäckerei-Filialist Ulrike´s Kulturbackhaus erwirbt insgesamt acht der bisher 20 Thilmann-Brot-Standorte. Die Übernahme der Filialen erfolgt ab dem 15. Januar 2023.

Übernommen werden die acht größten Thilmann-Brot-Filialen. Darunter zählen die Standorte: Kobern-Gondorf, Waldesch, Lahnstein, Koblenz-Metternich, Löhr Center Koblenz, Brey, Weißenthurm und Kruft. Gleichzeitig übernimmt der Erwerber die Produktionsstätte in Wolken und alle Mitarbeiter. Das Amtsgericht Koblenz hatte am 1. Dezember das Insolvenzverfahren über das Vermögen der Thilmann Brot GmbH eröffnet.

„Zeit der Ungewissheit vorbei“ – Insolvenzverwalter zufrieden

„Das gesamte Backhandwerk und gerade die kleineren inhabergeführten Bäckereiunternehmen befinden sich seit längerer Zeit in einer schwierigen Situation. Umso mehr freue ich mich, dass wir in solch einem Marktumfeld für Thilmann Brot einen Käufer gefunden haben“, so Insolvenzverwalter Jens Lieser zufrieden.

„So kurze Zeit vor Weihnachten ist es insbesondere für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eine gute Nachricht, dass für sie nun die Zeit der Ungewissheit vorbei ist und sie im kommenden Jahr bei ihrem neuen Arbeitgeber, aber in gewohnter Umgebung neu durchstarten können“, freut sich Anwalt Lieser, der mit seinen Kollegen über 3.000 Unternehmensinsolvenzverfahren erfolgreich bearbeitet hat.

Vorübergehende Schließung bei Thilmann zwecks Umbau und Neueröffnung

Dem Insolvenzverwalter ist es gelungen, den Geschäftsbetrieb von Thilmann Brot trotz erheblicher Verwerfungen am Markt aufgrund der stark gestiegenen Energiepreise zu stabilisieren und fortzuführen. Nach der Übernahme werden die acht vom Investor übernommenen Filialen bis kurz vor Weihnachten wie gewohnt weiterlaufen, bevor sie anschließend für wenige Wochen, aufgrund von notwendigen Umbauarbeiten in der Produktion, vorübergehend schließen werden.

Von Anfang bis spätestens Mitte Januar 2023 an wird in diesen acht Filialen der Betrieb dann wieder regulär anlaufen und die Filialen unter dem Namen Ulrike´s Kulturbackhaus ihren Kundinnen und Kunden wieder zur Verfügung stehen.

Die Gründe für die Thilmann-Insolvenz

Die Bäckereikette Thilmann Brot (gegründet 1937) war zuvor als inhabergeführtes Unternehmen des traditionellen Backhandwerks unverschuldet in die Krise geraten. Erhebliche Preissteigerungen bei den Rohstoffen wie Mehl und Mehrkosten beim Personal sowie die Corona-Pandemie hatten dem Bäckereibetrieb Probleme bereitet.

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Als nun seit dem Ukraine-Krieg die Energiepreise für den Betrieb der Backöfen immens gestiegen waren und auch weiter steigen, hat Thilmann Brot, die Spezialitätenbäckerei für Brot, Brötchen und Vollkornspezialitäten aus reinen Naturprodukten, nur noch Verluste erwirtschaftet. Letztlich konnten die finanziellen Belastungen nicht mehr aus eigener Kraft bewältigt und der Gang zum Insolvenzgericht nicht mehr verhindert werden. (pek mit PM)

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