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Katzen-Knast in Walldorf: Besitzer fahren Krallen aus – Widerspruch eingelegt

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Von: Josefine Lenz

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Walldorf - Es regt sich Widerstand gegen die Katzen-Ausgangssperre. Zwei Besitzer legen nun Widerspruch ein, weil sich ihre Vierbeiner bereits anders verhalten:

Miau(tsch)! Es war wohl die Schocknachricht für alle Katzenbesitzer in Walldorf: Urplötzlich wird ein Gesetz ins Leben gerufen, das den Fellnasen nicht mehr erlaubt, vor die Haustüre zu gehen. Die neue Regelung gilt ab sofort und bis Ende August, außerdem soll sie bis 2025 jedes Jahr wiederholt werden. Der Grund dahinter: Der Schutz einer gefährdeten Vogelart.

OrtWalldorf
Einwohner14.646
BürgermeisterMatthias Renschler

Walldorf: Katzen-Arrest löst Diskussion aus

Die Ausgangssperre für Katzen im südlichen Teil Walldorfs stößt auf großes Unverständnis, sowohl bei den Bürgern, als auch beim Tierschutz, Bürgermeister und Ministerium für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg. Als „realitätsfern“ und „unzumutbar“ wird das Ausgangsverbot für die Vierbeiner bezeichnet – und dem würden die Katzen wohl auch zustimmen.

Klar: Zwar schlafen Katzen rund 16 Stunden am Tag, doch in der restlichen Zeit wollen die Stubentiger sich ins Abenteuer stürzen – vor allem die, die es gewohnt sind draußen zu sein. Katzen, denen jedoch der Freigang plötzlich verwehrt wird, können ziemlich schnell unglücklich und zum „Mietzepeter“ werden.

Katzen dürfen nicht nach draußen: Besitzer aus Walldorf legen Widerspruch ein

Zwei Katzenbesitzer aus Walldorf gehen deshalb auf die Barrikaden und legen gegen den Katzen-Arrest Widerspruch ein. Ein Tier zeige bereits Verhaltensveränderungen und sei unruhig in der Nacht. Der Widerspruch werde außerdem damit begründet, dass der Vierbeiner nur im unmittelbaren Umfeld des Hauses herumwandert.

Die Untere Naturschutzbehörde wird nun die Widersprüche prüfen und dann dem Regierungspräsidium Karlsruhe zur Entscheidung vorlegen. Wenn der Widerspruch abgelehnt wird, können die Betroffenen klagen.

Katzen-Arrest in Walldorf: Freigangverbot soll Haubenlerche schützen

Die Regelung des Landratsamtes soll die Haubenlerchen in Walldorf schützen. Die Vogelart ist vom Aussterben bedroht. In den Sommermonaten brühten die Vögel ihre Eier aus – diese befinden sich oft am Boden oder auf angewachsenen Flächen. In Walldorf gibt es aktuell drei Haubenlerche-Paare. Jedes Paar kann bis zu zehn Eiern legen. Mit dem Freigangverbot will man die Vögel vor ihrem Fressfeind beschützen.

Übrigens: Wer seine Katze doch rauslässt und erwischt wird, dem droht eine Strafe von 500 Euro. Tötet der Vierbeiner sogar einen Vogel, dann kann das bis zu 50.000 Euro kosten!

Beschreibung des Gefahren- und Geltungsbereiches zur Allgemeinverfügung Haubenlerche
Beschreibung des Gefahren- und Geltungsbereiches zur Allgemeinverfügung Haubenlerche © Rhein-Neckar-Kreis/Screenshot HEADLINE24

Vom Freigänger zur Wohnungskatze – plötzliche Umstellung kann zu Stress und Unarten führen

Doch so lobenswert der Schutz von gefährdeten Tiere auch ist, für die Katzenbesitzer in Walldorf können die nächsten Monate hart werden. Denn viele Vierbeiner gewöhnen sich Unarten an oder verändern sich. So fangen manche Katzen an, verstärkt zu maunzen und werden unruhig. Auch kratzen sie vermehrt an Türen, weil sie ihre Freiheit wieder haben wollen.

Manche Fellnasen geraten in Panik, werden aggressiv, depressiv und verweigern ihr Futter. Auch Krankheiten kann eine plötzliche Umstellung mit sich ziehen. Ebenso nutzen manche Tiere die Couch statt das Katzenklo als Toilette. Besonders gefährlich wird es, wenn Katzen versuchen, einen Ausgang über ein gekipptes Fenster zu finden. Hier droht Verletzungs- oder sogar Erstickungsgefahr!

Die Regelung der Landesregierung erlaubt es lediglich Katzen nach draußen zu lassen, wenn sie an der Leine gehalten werden. Wer das jedoch schon mal mit seiner Katze ausprobiert hat, der weiß, dass das nicht sehr einfach ist und lange geübt werden muss. (jol)

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