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Verkehrsversuch in Mannheim: IHK sieht Rathaus-Fazit kritisch

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Von: Peter Kiefer

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Mannheim - Während man im Rathaus ein positives Zwischenfazit zum „Verkehrsversuch“ zieht, sieht das die IHK Rhein-Neckar völlig anders.

Beim umstrittenen Verkehrsversuch der Stadt Mannheim hat das Rathaus gerade erst ein positives Zwischenfazit gezogen – doch schon hagelt es wieder Kritik von der IHK Rhein-Neckar. In einem Statement äußert sich IHK-Präsident Manfred Schnabel und mahnt die Gemeinderäte in Mannheim, dass von ihren Entscheidungen „viele Existenzen“ in der finanziell schon jetzt arg gebeutelten Innenstadtwirtschaft abhingen.

Mannheim: IHK kritisiert Stadt Mannheim für deren Verkehrsversuch weiter scharf

Zunächst gibt sich der IHK-Chef noch milde: „Wir stimmen mit der Stadt Mannheim überein, dass wir Durchgangsverkehr und Emissionen reduzieren wollen. Daher begleiten wir den Versuch von Beginn an konstruktiv-kritisch und haben im Dialog mit der Stadtverwaltung erreicht, viele Schwachstellen bei der Durchführung abzumildern.“

Doch dann folgen erste Zweifel am Zwischenfazit, das das Rathaus kurz zuvor veröffentlicht hat: „Ob aber der Verkehrsversuch einen Beitrag zu den genannten Zielen leistet, vermögen wir auf Grundlage der städtischen Erhebungen derzeit nicht zu erkennen, dafür ist die Gemengelage viel zu unübersichtlich.“

Ein Teil der Fressgasse ist jetzt eine Fußgängerzone.
Ein Teil der Fressgasse ist jetzt eine Fußgängerzone. © MANNHEIM24/Daniel Hagen

Umsätze in Mannheim laut IHK viel stärker eingebrochen als in Nachbarkommunen

Die Auswirkungen der Corona-Pandemie in Verbindung mit den vielen Baustellen, der langfristigen Sperrung des Fahrlachtunnels, den Brücken-Engpässen sowie dem eingebrochenen Konsumklima in Folge des russischen Überfalls auf die Ukraine würden es schwer machen, die Effekte des Verkehrsversuchs eindeutig zuordnen zu können, gibt Manfred Schnabel zu bedenken.

Und der Wirtschaftsexperte führt alarmierende Fakten auf: „Was wir auf Grundlage unserer Kaufkraftanalyse sehr wohl wissen: Die Innenstadtwirtschaft in Mannheim leidet überdurchschnittlich stark. Die Umsätze in der Innenstadt sind viel stärker eingebrochen als in anderen Kommunen der Region. Unter unseren Mitgliedsunternehmen herrscht weitgehend Konsens, dass für diese Entwicklung die Verkehrssituation entscheidend mitverantwortlich ist.“

„Innenstadt künftig noch für Wirtschaft attraktiv?“ IHK-Präsident warnt

In seinem Statement richtet der lokale IHK-Präsident sein Wort auch mahnend an die politisch Verantwortlichen in Mannheim: „Die Gemeinderäte tragen daher eine große Verantwortung. Was uns Sorgen bereitet, ist die Vorstellung bei einigen politischen Akteuren, dass der Verkehrsversuch lediglich der erste Schritt hin zur autofreien Innenstadt ist.“

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Dies möge zwar „ein legitimes politisches Ziel sein“, sei jedoch von der Entscheidung des Gemeinderats zum Verkehrsversuch nicht gedeckt und verkenne, „dass ein Großteil der Kunden von auswärts in die Innenstadt kommt und dazu das eigene Fahrzeug nutzt.“ Schnabel warnt: „Es geht um viele Existenzen und um die Frage, ob die Innenstadt für die Wirtschaft zukünftig noch ein attraktiver Standort ist.“ Bereits im April hatten sich über 100 Gschäftsleute zusammengetan und das Ende des Verkehrsversuchs in Mannheim gefordert. (PM/pek)

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