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Idar-Oberstein: Vier Monate nach Tankstellen-Mord – Täter angeklagt

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Von: Daniel Hagen

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Bewaffneter erschießt Angestellten einer Tankstelle
Blumen und Kerzen sind vor einer Tankstelle aufgestellt. Ein Angestellter der Tankstelle war am Samstagabend von einem mit einer Pistole bewaffneten Mann erschossen worden. © Birgit Reichert/dpa

Idar-Oberstein - Rund vier Monate nach dem Mord an einem Tankstellenmitarbeiter durch einen Maskenverweigerer ist jetzt Anklage erhoben worden.

Eine grausame Tat erschüttert vor rund vier Monaten die ganze Republik. Ein 49-Jähriger soll am Abend des 18. September 2021 einen Tankstellenmitarbeiter in Idar-Oberstein kaltblütig erschossen haben. Der 20-Jährige habe ihn zuvor mehrfach auf die Maskenpflicht aufmerksam gemacht. Jetzt hat die Staatsanwaltschaft Mordanklage gegen den Maskenverweigerer erhoben, der nach eigenen Aussagen ein „Zeichen“ mit dem Mord setzen wollte. Wann der Prozess vor dem Landgericht Bad Kreuznach beginnt, ist noch unklar.

Nach den Ermittlungen hat der Angeklagte an der Tankstelle ohne Maske Bier kaufen wollen und wird vom Kassierer auf die Pflicht dazu aufmerksam gemacht. Anschließend kehrt der 49-Jährige zurück – mit einer Waffe und einem grausamen Plan. Beim zweiten Besuch trägt der Mann zwar eine Maske, setzt diese an der Kasse wieder ab. Als der 20-Jährige – der dort als Aushilfe arbeitet – erneut auf die Maskenpflicht aufmerksam macht, setzt der Angeklagte seinen Plan in die Tat um, zieht seinen Revolver und schießt! Der Kassierer wird in den Kopf getroffen und ist sofort tot.

StadtIdar-Oberstein (Rheinland-Pfalz)
Fläche91,56 km²
Bevölkerung31.082 (31. Dez. 2008)
OberbürgermeisterFrank Frühauf (CDU)

Idar-Oberstein: Anklage nach Tankstellen-Mord

Laut Staatsanwaltschaft handelt der Täter „heimtückisch und aus niedrigen Beweggründen“. Der zuvor nicht polizeibekannte Deutsche hat den Todesschuss gestanden. Nach seiner Festnahme sagt er, dass er die Corona-Maßnahmen ablehne und ihm die Pandemie zugesetzt habe. Diese Aussage werde nach den Ermittlungen gestützt, heißt es nun.

Polizisten sichern die Tankstelle in Idar-Oberstein (Rheinland-Pfalz), wo am 21. September 2021 ein 20-jähriger Kassierer erschossen wurde.
Polizisten sichern die Tankstelle in Idar-Oberstein (Rheinland-Pfalz), wo am 21. September 2021 ein 20-jähriger Kassierer erschossen wurde. © Christian Schulz/picture alliance/dpa/Foto Hosser

Die „nachdrückliche Ablehnung der zur Bekämpfung der Corona-Pandemie ergriffenen Maßnahmen“ des Mannes sei „mitursächlich für die Tatbegehung“. Er habe den Getöteten wohl „als mitverantwortlich für die Gesamtsituation angesehen“, weil dieser die Regeln zur Mund-Nasen-Bedeckung durchsetzen wollte, teilt die Anklagebehörde mit. Derzeit mache der selbstständige Softwareentwickler aus Idar-Oberstein von seinem Schweigerecht Gebrauch.

Idar-Oberstein: Angeklagter glaubt an Corona-Mythen und lebt zurückgezogen

Während der Ermittlungen zum Tankstellen-Mord in Idar-Oberstein sind rund 20 Zeugen vernommen worden. Darunter seien auch drei Augenzeugen gewesen, die bei der Tat vor Ort in der Tankstelle waren. Ein Mann sei ein Kollege des Getöteten gewesen, hinzu kamen zwei junge Frauen. Zudem sei umfangreiches Material von den sichergestellten Datenträgern des Angeklagten ausgewertet worden.

Dabei habe sich gezeigt, dass der 49-Jährige „der Mehrheitsgesellschaft und dem Staat ablehnend distanziert gegenüber“ gestanden habe. Zudem habe er sich mit Mythen der Corona-Leugner befasst, ohne aber in einer Gruppe oder Organisation aktiv gewesen zu sein. Er habe „relativ zurückgezogen“ gelebt. (dh/dpa)

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