Hygieneskandal

Kommissionsleiter spricht über Krankenhaushygiene

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Das Mannheimer Uniklinikum ist seit Monaten in den Schlagzeilen wegen mangelnder Hygiene.

Mannheim - Die unabhängige Expertenkommisssion sucht Antworten auf die Frage: Wie konnte es zu dem Hygieneskandal kommen, der seit vielen Wochen das Krankenhaus überschattet?

Die vor einem Monat bekannt gewordenen Hygienemängel am Mannheimer Uniklinikum sollen rasch aufgeklärt werden. Dazu wurde eine unabhängige Experten-Kommission gegründet. Am 5. November gab das Klinikum die Expertengruppe bekannt.

Die Nachrichtenagentur dpa sprach nun mit dem Leiter der unabhängigen Kommission, dem Regensburger Mediziner Oliver Kölbl, über Krankenhaushygiene.

Frage: Was werden die ersten Schritte der Kommission sein?

Antwort: Der erste Schritt wird sein, dass die Kommission Unterlagen sichtet, um zu schauen, was eigentlich tatsächlich passiert ist und wie man die Probleme zügig abarbeiten kann. Es geht um Fragen wie: Wie wurde in der Vergangenheit mit Hygiene umgegangen? Wie sind die Sterilisationseinheiten geführt? Welche Handlungsabläufe gibt es? Dazu werden wir auch mit Mitarbeitern sprechen. Wir werden uns demnächst in Mannheim treffen. Erste Ergebnisse sollten wir dieses Jahr auf jeden Fall haben.

Frage: Wie sieht Ihre Aufgabe aus?

Antwort: Ich koordiniere das Ganze. In den letzten Jahren habe ich mich in das Thema Hygiene eingearbeitet. Der Ärztliche Direktor einer Einheit ist automatisch der letzte Verantwortliche, was die Hygiene betrifft - so dass ich das hier an unserem Standort in Regensburg auch bin. Dieses Wissen kann ich sicher gut einbringen in die Kommission. Die Kliniken in Mannheim und Regensburg sind von der Größe her vergleichbar, insofern kann man auch die Abläufe ganz gut vergleichen. Ich werde moderieren und dafür sorgen, dass wir möglichst zügig ein Ergebnis bekommen.

Frage: Wie kompliziert ist denn die Sterilisation von OP-Besteck?

Antwort: Es gibt genaue Vorgaben von den Fachgesellschaften für Hygiene und auch gesetzliche Vorgaben, so dass vom Papier her eigentlich klar ist, was gemacht werden muss. Aber kompliziert ist das Vorgehen ehrlicherweise schon: In einem Großklinikum fällt ja an einem Tag unheimlich viel Material an, das muss sorgfältig desinfiziert und möglichst zügig wieder in den Behandlungsprozess eingeführt werden.

Frage: Wie schätzen Sie die Lage an deutschen Kliniken allgemein ein? Ist da Hygiene ein Problem?

Antwort: Hygiene ist immer ein Problem. Es gibt drei Punkte, die eigentlich immer wieder im Fokus sind: Datenschutz, Brandschutz und Hygiene. Aber die Probleme sind eigentlich klar definiert, es gibt Vorgaben. Ich glaube, international gesehen ist die Hygiene sehr gut aufgestellt in Deutschland, da die Vorgaben von gesetzlicher Seite und auch von den Fachgesellschaften sehr streng sind. Es können aber immer wieder Probleme auftauchen, da ist Mannheim sicher kein Einzelfall. Es gab an anderen Kliniken auch schon Probleme. Die muss man erkennen und abarbeiten - und dann sollte es wieder gut sein.

Frage: Wie sehr kann ein solcher Skandal einem Klinikum schaden?

Antwort: Wenn Hygieneprobleme bekanntwerden, führt das sicherlich zu einem großen Schaden für ein Klinikum. Ob groß oder sehr groß, kann ich jetzt aus der Ferne nicht beurteilen. Es ist erstmal ein Schaden am Renommee, den man hinnehmen muss. Wenn Patienten die Auswahl haben zwischen verschiedenen Kliniken, dann wird sich das schon auswirken, weil sie dann vielleicht lieber woanders hingehen. In Mannheim können ja momentan auch viele Operationen nicht durchgeführt werden, das ist für ein Klinikum natürlich auch finanziell ein Problem.

Frage: Wie schnell kann sich Mannheims Uniklinikum wieder erholen?

Antwort: Die Mannheimer haben ja jetzt schon viel geändert, so dass die Sicherheit der Patienten schon heute gewährleistet ist. Und wenn die Kommission mit ihrer Arbeit fertig ist, wird es ein Konzept geben. Das ist das Objektive. Es gibt aber noch die emotionale Wahrnehmung der Bevölkerung, die sicher etwas nachhinkt. Selbst wenn alles optimal läuft, muss die Bevölkerung das erst einmal glauben. Es gibt auch momentan keinen Grund, da nicht hinzugehen, denn die Mechanismen sind ja schon anders, als sie früher waren.

ZUR PERSON: Oliver Kölbl (50) ist Vorsitzender des Vorstands und Ärztlicher Direktor des Universitätsklinikums Regensburg. Er leitet die kürzlich einberufene Kommission zur Aufarbeitung des Hygieneskandals am Mannheimer Uniklinikum.

tin/dpa

>>> So berichtete MANNHEIM24 vom Hygiensskandal

Quelle: Mannheim24

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