Bundesweit 120.000 Geschäfte bedroht

Heidelberg: SOS in den Innenstädte – So soll Ladensterben gestoppt werden

Im Schaufenster eines Geschäfts hängt ein Schild, auf dem „Räumungsverkauf wegen Geschäftsaufgabe“ zu lesen ist.
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Immer mehr Läden müssen wegen der Corona-Krise dichtmachen.

Heidelberg - Die Lage wird immer dramatischer! Rund 120.000 Geschäfte stehen dank Corona vor dem Aus. Auch Heidelberg bleibt davon nicht verschont. Bringen diese Maßnahmen die Rettung?

Geschlossene Geschäfte wegen Corona – die Pandemie hat die Zukunft der Innenstädte ganz oben auf die politische Agenda gehoben. Die Ladenschließungen bedrohen die Kommunen in ihrem Kern. Doch Städte wie Heidelberg stemmen sich aktiv gegen eine Erosion der Citys, wie HEIDELBERG24* berichtet.

Die deutschen Innenstädte sind in Not! Rund 120.000 Geschäfte werden nach Schätzung der Handelsverbandes durch die Corona-Krise vom Markt verschwinden. Wie werden unsere Städte nach einem solchen Aderlass aussehen? Wie können leere Läden wieder belebt werden? Werden die Menschen weiter nur noch vom heimischen Sofa aus Waren bestellen? Diese Fragen treiben derzeit Kommunen in ganz Deutschland um.

StadtHeidelberg
BundeslandBaden-Württemberg
Fläche108,84 km²
Einwohnerzahl161.485 (Stand: 31. Dez. 2019)
OberbürgermeisterProf. Dr. Eckart Würzner (parteilos)

Heidelberg: Schlimme Befürchtung – nach Pleitewelle viele Innenstädte kaum wieder zu erkennen

Es besteht große Sorge, dass man nach einer Pleitewelle die Innenstädte nicht mehr wiedererkennt“, sagt der Sprecher des Städte-und Gemeindebundes, Alexander Handschuh. In Heidelberg wollte man Geschäftsschließungen nicht länger untätig hinnehmen. Eine Task-Force von Unternehmern, Citymarketing, IHK und städtischen Experten wurde zusammengetrommelt. Ihr Ziel: Eine attraktive und zukunftsfähige Innenstadt sichern.

Dabei geht es der romantischen Stadt am Neckar noch gut. „Wir haben im Vergleich zu anderen Städten mit Großflächenläden nur wenig Leerstände“, sagt der Amtsleiter für Wirtschaftsförderung, Marc Massoth, der die Einsatzgruppe leitet. Die Leerstände beziffert er auf nur um die zehn.

Die aufgrund der Corona-Pandemie verwaiste Heidelberger Hauptstraße. (Archivfoto)

Sein Mittel gegen verödende Innenstädte heißt „Nutzungsmischung“ – und die lässt in Heidelberg wenig zu wünschen übrig: Gastronomie, Einzelhandel, Arztpraxen, Kitas und Schule sorgen schon jetzt in der zentralen Achse der Hauptstraße und ihren Seitengassen für Vielfalt. „Das zu halten, ist die Herausforderung“, erklärt Massoth. Ergänzend will er den vielen Forschungsinstituten und der Universität Raum geben, in dem sie wissenschaftliche Themen präsentieren. „Wir brauchen ein Stadterlebnis, nicht nur das Shoppen.“

Heidelberg: Städtetag-Präsident Dr. Peter Kurz warnt vor Leerständen

Um die gähnende Leere in den Geschäften zu kaschieren, hat die Stadt Folien auf die Glasscheiben geklebt. Sie zeigen eine mögliche künftige Nutzung: etwa schicke Schuhe und Delikatessen. Solche Nutzungskombinationen findet auch Baden-Württembergs Städtetag-Präsident Dr. Peter Kurz (SPD) zukunftsweisend und nennt gleich ein weiteres Beispiel: Café, Coworking und Haushaltswaren. Leerstände müssen vermieden werden, ist er überzeugt, weil diese den noch verbliebenen Geschäften schaden. „Es besteht die Gefahr eines Trading-Down-Effekts, wenn keine Nutzer oder auch Zwischennutzer gefunden werden.“ In Einzelfällen könnten auch die Kommune oder das Land eventuelle Mietlücken überbrücken - aber nur als Startimpuls. In Nordrhein-Westfalen erfülle ein Innenstadtfonds diese Aufgabe.

Der aktuelle Präsident des Städtetages Baden-Württemberg, Dr. Peter Kurz (SPD), warnt vor Leerständen. (Archivfoto)

Dreh- und Angelpunkt im Kampf gegen verwaiste Innenstädte sind neben der Online-Konkurrenz für den stationären Handel die Mieten. Deshalb setzt die Heidelberger Task-Force auf Gespräche mit Eigentümern über verringerte Mieten oder Stundungen. Dafür ist eine „Kümmererin“ im Einsatz, die auch für eine gesunde Mischung sorgen und den fünften Burgerladen auf der Hauptstraße verhindern soll. Im vergangenen Jahr gelangen drei Vermittlungen zwischen Eigentümern und Nutzern - weit weniger als in normalen Jahren. Wirtschaftsförderer Massoth: „Jeder pokert in der jetzigen ungewissen Situation.“

Heidelberg: Experten fordert rechtliche Regelung, die Spekulanten das Leben schwer macht

Lange Leerstände sind den Kommunen ein Dorn im Auge, aber sie können wenig dagegen tun. Der Chef des Instituts für Urbanistik, Carsten Kühl, hält Corona für einen Anlass, rechtliche Regelungen zu schaffen, die verhindern, dass Immobilienfonds ihre Gebäude aus Spekulationsgründen lange leer stehen lassen. Hintergrund sei die Befürchtung der Fondsmanager, beim Abschluss gering dotierter Mietverträge am Kapitalmarkt abgewertet zu werden. Kommunen müssten den Zwangsverkauf einleiten können und das Vorkaufsrecht erhalten.

Da geht es um das Gemeinwohl“, sagt er. Kritiker geben zu bedenken, dass sich die wenigsten Kommunen den Kauf von Gewerbeimmobilien derzeit leisten könnten. Die Gemeinden müssten den öffentlichen Raum neu verteilen, sagt Kühl, um ihre Kerne attraktiver zu gestalten. Das Ziel müsse sein: Mehr Grün, weniger Platz für Autos. Wolfgang Aichinger von der Denkfabrik Agora Verkehrswende erhebt noch radikalere Forderungen. Die Versiegelung in den Städten müsse zurückgenommen werden, um mehr Lebensqualität zu erreichen, und die heißen Sommer durch Grünanlagen und Zugang zu Wasser erträglicher zu machen. Auch die Außengastronomie könne davon profitieren. Dafür will der Raumplaner vor allem Parkhäusern und -plätzen den Garaus machen.

Mannheim: Auch in der Quadratestadt kursiert das Ladensterben

Städtetags-Chef und Mannheims Oberbürgermeister Kurz beobachtet hierzulande eine „Mediterranisierung“ des Lebens, also eine zunehmend südländische Lebensweise: Die Menschen verbrächten mehr Zeit im öffentlichen Raum. „Das verlangt den Kommunen ab, insbesondere Verkehrsflächen neu zu verteilen.“ Mehr und attraktivere Plätze, Grünflächen und Möblierung könnten wieder mehr Menschen in die Citys locken. Kurz: „Da ist noch Luft nach oben.“

Auch in der Mannheimer Innenstadt werden viele Läden nach der Corona-Pandemie leer stehen. (Symbolbild).

Auch in Kurz‘ Heimat Mannheim stehen viele Geschäfte und auch gastronomische Betriebe Corona-bedingt vor dem Aus, wie MANNHEIM24* berichtet. (dpa/pek) *HEIDELBERG24 und MANNHEIM24 sind ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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