Tobias R. tötete 10 Menschen

Terror-Anschlag in Hanau: Todesschütze (†43) wurde eine Stunde vor der Tat noch kontrolliert

Eine Woche nach dem Terror-Anschlag beschäftigen sich nun auch Gremien des Bundestages mit der schrecklichen Tat. Ein Mann erschoss neun Menschen mit ausländischen Wurzeln, seine Mutter und sich selbst:

  • 11 Tote bei Terror-Anschlag in Hanau
  • Am Mittwoch (19. Februar) erschießt Tobias R. neun Opfer mit Migrationshintergrund. 
  • Die Leichen des Terror-Schützen und seiner Mutter werden in einer Wohnung gefunden.
  • Der Generalbundesanwalt hat die Ermittlungen übernommen.
  • Tödliche Schüsse waren rassistisch motiviert. 
  • Gremien des Bundesstages befassen sich mit dem Terror-Anschlag in Hanau.

Update, 14:50 Uhr: In der nicht öffentlichen Sitzung des Innenausschusses des Bundestages wird bekannt, das der Todesschütze von Hanau eine Stunde vor seiner schrecklichen Tat kontrolliert wurde. Der Grund: Er hatte falsch geparkt. Sein Auto stellte er in der Nähe des ersten Tatorts hab. Er habe bei der Kontrolle nicht aggressiv reagiert und seinen Wagen umgeparkt, wie die Teilnehmer vom Generalbundesanwalt erfuhren. 

Den Angaben zufolge erschoss Tobias R. (†43) neun Menschen in zwölf Minuten. Er suchte offensichtlich gezielt Menschen mit ausländischen Wurzeln als Opfer aus. Die Abgeordneten berichteten unter Berufung auf Generalbundesanwalt Peter Frank, der Attentäter habe um 21:58 Uhr zuerst einen Menschen auf der Straße erschossen. Dann sei er geflohen und habe unterwegs einen zweiten Menschen getötet, bevor er weiter zur Bar "Midnight" fuhr und dort vier Schüsse durch die Tür abgab. An diesem Tatort sei ein Mensch gestorben, heißt es. Als er weiterfuhr, tötete der Mann einen weiteren Menschen. Im Vorraum eines Kiosks habe er dann vier Menschen getötet. In der benachbarten "Arena Bar" gab es demnach einen Toten und mehrere Verletzte. 

Zwei Monate nach der schrecklichen Tat ereignet sich erneut ein Verbrechen in Hanau. Vier Personen werden von einer Männergruppe verletzt. Die Opfer werden teilweise mit Stichverletzungen in eine Klinik gebracht. Auch auf eine Shisha-Bar in Ludwigshafen hat am 29. Juni 2020 ein Brandanschlag ereignet. Die Hintergründe sind bislang unklar.

Terror-Anschlag in Hanau: Polizei stürmte Wohnung fünf Stunden nach erstem Schuss

Um 22:10 Uhr sei der Todesschütze dann mit dem Auto zur Wohnung seiner Eltern gefahren. Dort soll sein Auto - nach Auswertung einer Video-Aufnahme und Kennzeichen-Abfrage - um 23:10 Uhr festgestellt worden sein. Wie ein Abgeordneter berichtet, klingelte die Polizei erst - vergeblich - an der Tür. Dann sei eine Drohne losgeschickt worden, um durch das Fenster schauen zu können. Das Spezialeinsatzkommando sei um 3:03 Uhr in die Wohnung eingedrungen, berichten mehrere Teilnehmer der Sitzung übereinstimmend. Ihren Angaben zufolge lag die Mutter, die zuletzt pflegebedürftig gewesen war, tot im Wohnzimmer. Die Leiche von Tobias R. sei am Kellerabgang gefunden worden. Dass die Polizei erst rund fünf Stunden, nachdem der erste Schuss fiel, in die Wohnung des mutmaßlichen Attentäters eindrang, wirft nun Fragen auf.

Die Polizei fand nach Angaben von Teilnehmern der Sitzung drei Schusswaffen: eine lag im Auto, eine bei der Leiche von Tobias R., eine weitere an einem anderen Ort in der Wohnung. Die Abgeordneten erfuhren, der Todesschütze habe insgesamt 52 Schuss abgegeben. Im Wagen lagen noch 18 weitere Patronen. In einem Rucksack in seinem Zimmer fanden Ermittler demnach später noch 350 Patronen. 

Terror-Anschlag in Hanau: Eine Woche danach – Bluttat wird im Bundestag behandelt 

Update vom 27. Februar, 8:18 Uhr: Vor einer Woche wurde Hanau das Ziel eines entsetzlichen Terror-Anschlags. Am Donnerstag will sich nun der Bundestags-Innenausschuss mit der Bluttat beschäftigen. Zunächst wird Bundesinnenminister Horst Seehofer den Abgeordneten Rede und Antwort stehen, danach will sich das für die Geheimdienste zuständige Parlamentarische Kontrollgremium mit dem Fall befassen. Das berichtet der „Deutschlandfunk“. 

Update vom 23. Februar: Am Kurt-Schumacher-Platz, einer der Tatorte des Terror-Anschlags von Hanau, liegen dutzende Blumen, Kerzen und Trauergestecke. Hier gedenken tausende Menschen am Sonntag den Todesopfern der grausamen Attacke. Vier Tage nach dem Terror-Anschlag findet am Sonntag erneut eine große Demonstration mit rund 3.000 Teilnehmern in Hanau statt. Die Initiative Hanauer Verein hatte für den Nachmittag zur Kundgebung aufgerufen.

Hanau trauert um die Todesopfer des Terror-Anschlags

Schon am Samstag hatten rund 6.000 Menschen mit einem Trauerzug durch Hanau den 10 Todesopfern gedacht. Auch Bundestagsabgeordneter Cem Özdemir (Grüne) und Vertreter der Kurdischen Gemeinde Deutschlands waren vor Ort und legten Blumen nieder. 

Terror-Anschlag in Hanau: LKA räumt mit Gerüchten auf

Update von 16 Uhr: Das Landeskriminalamt Hessen warnt vor Spekulationen über den Tathergang des Terror-Anschlags von Hanau in den sozialen Netzwerken. „Auch Sicht der hessischen Polizei gibt es zur Zeit keinen Grund in diesem Zusammenhang von einer akuten weiteren Gefahr auszugehen“, so das LKA am Samstag. Allen Hinweisen zum Tathergang würde im Rahmen der Ermittlungen akribisch nachgegangen. Das LKA bittet alle Internetnutzer, Spekulationen durch ungesicherte Quellen „kritisch zu überprüfen“ und nicht einfach so weiter zu verbreiten. 

Nur wenige Tage nach dem Terror-Anschlag in Hanau fallen wieder Schüsse an einer Shisha-Bar. Unbekannte Täter schießen in Stuttgart auf ein Gebäude – die Bar hat noch geöffnet. Die Schüsse treffen die Fensterscheiben, verletzt wird niemand. Der Staatsschutz hat die Ermittlungen aufgenommen. 

Nach Terror-Anschlag: Hanau bereitet zentrale Trauerfeier für Opfer vor!

Update vom 22. Februar, 14:30 Uhr: Nach dem Terror-Anschlag in Hanau plant die hessische Stadt eine zentrale Trauerfeier für die Opfer des mutmaßlich rassistisch motivierten Attentats. Diese werde in Abstimmung mit den Angehörigen sowie den Bundes- und Landesbehörden vorbereitet, teilt die Stadt Hanau am Samstag mit. Hierfür hat Oberbürgermeister Claus Kaminsky (SPD) für Montag eine Sondersitzung des Runden Tische für Religionen einberufen. „Wir wollen sichergehen, dass wir immer nach den wirklichen Bedürfnissen der Angehörigen handeln“, sagt Kaminsky. Dem Gremium gehören laut Stadt 36 Hanauer Kirchen- und Religionsgemeinschaften an, die sich regelmäßig treffen. 

Terror in Hanau: Hatte Tobias R. noch weitere Anschlagsziele? 

Update 21. Februar, 21:45 Uhr: Hat der Todeschütze von Hanau im Vorfeld auch andere Anschlagsziele ausgekundschaftet? Die Vermutung legen Bilder einer Überwachungskamera nahe, die in einem Wettbüro entstanden sind. Die Aufnahmen, die der Bild-Zeitung vorliegen, wertet aktuell die Polizei aus. Auf dem Video ist zu sehen, wie Tobias R. in einem Wettbüro im Stadtteil Kesselstadt steht. Auf dem Bild hat er die gleiche auffällig grüne Jacke an, die in seinem Bekennervideo im Hintergrund hängt. 

Unter der Jacke erkennt man eine auffällige Beule. War der Terrorist schon im Wettbüro bewaffnet? Das Video ist vier Tage vor dem Terror-Anschlag auf zwei Shisha-Bars entstanden. 

Terror in Hanau: Wussten Behörden längst, wie gefährlich Tobias R. war?

Update von 13:30 Uhr: War den Behörden die rechtsextreme und gefährliche Einstellung vom Todesschützen von Hanau längst bekannt? Laut BILD hätte Tobias R. bereits im November eine „Strafanzeige gegen eine geheimdienstliche Organisation“ an den Generalbundesanwalt geschickt. In dem Schreiben hätte sich der Hanau-Terrorist als „normaler Bürger“ bezeichnet, der über wichtige Informationen verfüge. In dem 19 Seiten langen Schreiben hätten sich auch Teile des Manifests befunden, dass der Terror-Schütze vor den Taten in Hanau ins Netz gestellt hatte.

Terror-Anschlag in Hanau: Verschärfte Sicherheitsvorkehrungen in ganz Deutschland

Update von 11 Uhr: Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) hat die Gewalttat von Hanau als rechtsterroristischen Terroranschlag bezeichnet. Es sei der „dritte rechtsterroristische Anschlag in wenigen Monaten“, sagte er am Freitag in Berlin. „Die Gefährdungslage durch Rechtsextremismus, Antisemitismus und Rassismus ist in Deutschland sehr hoch", sagte Seehofer weiter. 

Wegen möglicher Nachahmungstäter, Wut und Emotionalisierung habe er mit den Innenministern der Länder ein konkretes Vorgehen zum Schutz der Bevölkerung abgestimmt. „Wir werden die Polizeipräsenz in ganz Deutschland erhöhen. Wir werden sensible Einrichtungen verstärkt überwachen, insbesondere auch Moscheen.“ Seehofer kündigte an, dass die Bundespolizei die Länder mit Personal und Sachausstattung unterstützt werde. „Und wir werden eine hohe Präsenz der Bundespolizei an Bahnhöfen, Flughäfen und im grenznahen Raum gewährleisten.“

11 Tote in Hanau: Bundesinnenminister Horst Seehofer will sich zu Anschlag äußern

Update von 9.30 Uhr: Nach dem mutmaßlich rassistisch motivierten Anschlag von Hanau haben zahlreiche Politiker der AfD eine Mitschuld gegeben. So forderte zum Beispiel der FDP-Innenexperte Konstantin Kuhle im Gespräch mit der „Rheinischen Post“ Konsequenzen für die staatliche Sicherheitspolitik. „Der Verfolgungsdruck auf die Überschneidung von Rechtsterrorismus und AfD muss nach Hanau deutlich zunehmen.“ Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) hatte bereits am Donnerstag angekündigt, politische Konsequenzen zu prüfen. Was sich im Bereich des Rechtsextremismus zuletzt entwickelt habe, sei sehr besorgniserregend. Zusammen mit Bundesjustizministerin Christine Lambrecht (SPD) wird sich Seehofer am Freitag (21. Februar) bei einer Pressekonferenz in Berlin äußern.

Terror-Nacht in Hanau: Was wir wissen – und was nicht

Erstmeldung vom 21. Februar, 9 Uhr: Nach der Terror-Nacht in Hanau sind noch viele Fragen offen. Wie ging der rassistische Todesschütze vor? Hatte er Unterstützer? Diese und weitere Fragen beschäftigen die Ermittler nach den tödlichen Schüssen. Am Mittwochabend (19. Februar) gegen 22 Uhr fielen die ersten Schüsse in der Shisha-Bar „Midnight“ am Heumarkt in der Innenstadt von Hanau. Der 43-jährige Tobias R. eröffnete das Feuer und tötete fünf junge Menschen. 

Wenige Kilometer entfernt erschoss der Attentäter im „Arena Bar & Café“ am Kurt-Schumacher Platz vier weitere Opfer. Alle neun Todesopfer haben ausländische Wurzeln. Die Terror-Nacht von Hanau endete erst nach Stunden, als das SEK die Leichen von Tobias R. und seiner Mutter in einer Wohnung im Stadtteil Kesselstadt fand. 

11 Tote bei Terror-Nacht in Hanau: Was ist über die Opfer bekannt?

Die türkische Botschaft in Berlin bestätigte am Donnerstag, dass sich unter den Todesopfern von Hanau fünf türkische Staatsbürger befinden. Die BILD berichtete außerdem, dass es sich bei einem der Todesopfer um eine 35-jährige zweifache Mutter handeln soll, die zum Zeitpunkt der Tat schwanger war. Unter den Opfern ist außerdem ein rumänischer Staatsbürger, wie Rumäniens Präsident Klaus Iohannis in der Nacht auf Freitag bei Twitter bestätigte. Rumänischen Medienberichten zufolge handelt es sich um einen 23 Jahre alten Mann. 

Nach Terror-Anschlag in Hanau: Wie werden die Angehörigen der Opfer unterstützt?

Bundessozialminister Hubertus Heil (SPD) hat den Angehörigen der Opfer des Anschlags von Hanau eine umfassende Unterstützung zugesagt. „Familie und Freunde der Angehörigen bedürfen jetzt unser aller Solidarität, sie sind ein Teil von uns, und wir werden sie unterstützen, wo wir nur können", sagte Heil dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. 

Nach den Gewalttaten in Hanau hat die Polizei außerdem vor Ort ein Betroffeneninformationszentrum eingerichtet, dass auch am Freitag geöffnet ist. In der Heinrich-Heine-Grundschule in der Karlsbader Straße in Hanau können Angehörige und Hinterbliebene von Opfern Informationen und Unterstützung erhalten. „Unser Angebot gilt sowohl den unmittelbar betroffenen Personen, wie auch Augenzeugen des Vorfalls, die ebenfalls psychischen Belastungen ausgesetzt sein könnten“, erklärte die Polizei am Donnerstag. 

Terror-Schütze von Hanau: Wer war Tobias R.?

Nach dem Terror in Hanau gehen die Ermittler von einer „rassistischen Gesinnung“ bei dem 43-jährigen Sportschützen aus. Darauf deuten Videobotschaften und ein Manifest hin, die Tobias R. vor seinen Taten im Internet hinterließ. In einem knapp einstündigen Video auf YouTube sprach der Terror-Schütze von Hanau zum Beispiel in fließendem Englisch von einer unterirdischen Militäreinrichtung in den USA und äußerte sich negativ über Migranten aus arabischen Ländern und der Türkei. 

Tobias R. lebte in Hanau und war in einem Frankfurter Schützenverein aktiv, fiel dort nach Angaben des Vereins aber nie als ausländerfeindlich auf. Die Tatwaffe kaufte er offenbar ganz legal in einem Online-Shop. Dabei soll es sich um eine Pistole (Glock 17, 9 Millimeter Luger) handeln. Die gleiche Waffe hatte auch der Attentäter vom Münchner Olympia-Einkaufszentrum eingerichtet. Seit 2013 hatte der Terror-Schütze von Hanau eine Waffenbesitzkarte. Erst 2019 wurde seine charakterliche Eignung zum Führen von Waffen überprüft. Viele Fragen zum Terror-Schützen von Hanau sind noch offen – unter anderem, ob Tobias R. psychisch krank war und an Wahnvorstellungen litt. 

Terror in Hanau mit 11 Toten: Wie gehen die Ermittlungen jetzt weiter?

Nach der Bluttat in Hanau laufen die Ermittlungen am Freitag mit Hochdruck weiter. Nach den Gewalttaten hat der Generalbundesanwalt wegen der „besonderen Bedeutung des Falls“ die Ermittlungen übernommen. Nach der Terror-Nacht wird geprüft, ob Tobias R. Mitwisser oder Unterstützer für seinen Anschlag hatte. Dazu würden das Umfeld und die Kontakte des Mannes im In- und Ausland abgeklärt, sagte Generalbundesanwalt Peter Frank am Donnerstag in Karlsruhe. 

Nach Terror-Anschlag in Hanau: Deutschland gedenkt der Todesopfer

In vielen Städten in Deutschland haben am Donnerstagabend Menschen bei Gedenkveranstaltungen der Opfer des Anschlags von Hanau gedacht. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier besuchte die Tatorte in Hanau und traf gemeinsam mit seiner Frau Elke Büdenbender im Rathaus etwa 20 Angehörige von Opfern. Anschließend nahm er mit etwa 5.000 Menschen an einer Gedenkveranstaltung teil. Steinmeier sprach von mehr als fünfzig Städten in Deutschland, in denen Menschen zu Mahnwachen zusammengefunden hätten – darunter auch in Mannheim und Heidelberg. 

Am Rosenmontag rast ein Mann mit seinem Auto in eine Menschenmenge des Fastnachtumzugs. Dabei werden zahlreiche Personen verletzt. Der Fahrer soll mit Absicht gehandelt haben.

Nach dem Mord an George Floyd gehen die Menschen unter dem Motto „Black lives matter" auf die Straße. Auch in Heidelberg findet eine Demo auf der Neckarwiese statt, um auf Raissmus und Polizeigewalt aufmerksam zu machen.

kab/dpa/jol

Mehr zum Thema

Kommentare