Bestürzung in ganz Deutschland

Terror-Nacht mit 11 Toten: Hanau trauert um Opfer – Steinmeier spricht von „tiefer Wunde“

Nach der Terror-Nacht mit 11 Toten in Hanau ist die Bestürzung in ganz Deutschland groß. Am Abend findet eine Gedenkveranstaltung in Hanau statt: Die Stadt rückt an diesem Abend ein Stück weit zusammen.

  • Terror-Nacht in Hanau – 11 Tote nach Schüssen.
  • Ganz Deutschland gedenkt der Todesopfer.
  • Mahnwache am Donnerstagabend geplant.
  • Hessischer Landtag sagt Sitzungen ab.

Update vom 20. Februar, 20:30 Uhr: „Wir sind bei Ihnen, wir fühlen mit Ihnen", ruft eine Frau einer sichtlich erregten Frau mit Kopftuch zu. Die Szene spielt sich kurz vor der Mahnwache nach der Hanauer Terror-Nacht ab. Die Stadt rückt an diesem Abend ein Stück weit zusammen, mit Worten, Kerzen und Blumen. Nach der Bluttat in Hanau hat Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier bei einer Mahnwache auf dem Markt der hessischen Stadt zu Zusammenhalt aufgerufen. „Was geschehen ist, das schlägt eine tiefe Wunde in diese Stadt", sagt er am Donnerstagabend auf dem gut gefüllten Marktplatz. „Eine Wunde, die nur heilen wird, wenn wir Gemeinsamkeit nicht nur in der Stunde des Schreckens zeigen, sondern auch an den Tagen, die kommen und auf Dauer zeigen.“

Hanau: „Nazi raus“-Rufe während Gedenkveranstaltung  

Während der Rede Steinmeiers sowie der Reden des hessischen Ministerpräsidenten Volker Bouffier (CDU) und des Hanauer Oberbürgermeisters Claus Kaminsky (SPD) waren immer wieder „Nazis raus"-Rufe zu hören, andere forderten die Herausgabe der „NSU-Akten"

Steinmeier hatte vor der Mahnwache die Tatorte des mutmaßlich rassistisch motivierten Anschlags von Mittwochabend besucht. Gemeinsam mit seiner Frau Elke Büdenbender traf sich Steinmeier im Rathaus auch mit etwa 20 Angehörigen von Opfern

Mahnwache nach Terror in Hanau: Bouffier spricht von einem „Tag des Schreckens“

Tobias R. hatte in Hanau neun Menschen mit ausländischen Wurzeln erschossen. Anschließend soll der 43-jährige Sportschütze seine 72 Jahre alte Mutter und sich selbst getötet haben. „Nichts kann diese sinnlose Tat erklären“, sagte Steinmeier. Sie mache fassungslos, traurig und auch zornig. Der Bundespräsident sprach von einem Terrorakt und stellte ihn in eine Reihe mit dem Mord an dem Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke und dem Anschlag in Halle. Sprache bereite allzu häufig Gewalt den Weg. „Achten wir auf unsere Sprache, in der Politik, in den Medien und überall in der Gesellschaft.“

Mahnwache nach Terror in Hanau: Bouffier spricht von einem „Tag des Schreckens“ 

Bouffier sprach auf der Bühne am Hanauer Markt von einem „Tag des Schreckens" und einem „Tag des Grauens“. Gerade jetzt gelte es, zusammenzustehen. Dieses Verbrechen, das unter anderem „rassistischen Wahnvorstellungen“ gefolgt sei, müsse Menschen Angst machen. An die Besucher gerichtet sagte Bouffier: „Wir lassen und nicht spalten."

Nach Terror-Anschlag: Welle der Anteilnahme für Hanau 

Zu Beginn der Mahnwache hatte sich OB Kaminsky für eine „Welle der Anteilnahme" aus aller Welt bedankt, die Hanau erreicht habe. Wenige Meter hinter der Bühne legten Menschen am Denkmal der Brüder Grimm Blumen nieder und zündeten Kerzen an - ebenso am nur wenige hundert Meter entfernten Heumarkt, einem der Tatorte aus der Nacht. Dort war die Stimmung zeitweise aufgeheizt, Passanten diskutierten miteinander. 

Hanau: Hat Islam-Hetze zu dem Anschlag geführt? 

Ein Mann sagte, die fortdauernde "Islam-Hetze" im Land habe mit zu der Tat in Hanau beigetragen, dafür erntete er so manchen Applaus. Andere Menschen trauerten still, zeigten sich fassungslos. „Es hätte jeden treffen können“, meinte eine Besucherin der Mahnwache nachdenklich. Vor der Bühne am Marktplatz hielten einige Menschen Fotos von Opfern hoch. Ein paar Meter weiter stand eine Gruppe mit Plakaten. „75 Jahre nach Auschwitz - nie wieder Faschismus“ ist darauf zu lesen oder auch „Rassismus tötet“

Zu ihnen zählt Frederik Fauth, der sich auch für Fridays for Future engagiert. Ihm gehe es darum, Anteilnahme mit den Opfern zu zeigen, nun sei der Rassismus auch in Hanau angekommen. „Man muss verhindern, dass die vergiftete Atmosphäre weiter vergiftet wird“, sagte der sozialdemokratische Landtagsabgeordnete Turgut Yüksel zum Kampf gegen Hass im Internet und sozialen Medien

Er hatte einige der Verletzten im Krankenhaus besucht und mit dem Vater eines getöteten jungen Mannes gesprochen. „Er sagte, es ist ein Trost, dass der Bundespräsident und der Ministerpräsident gekommen sind. Aber das bringe seinen Sohn auch nicht zurück.“

Terror-Nacht mit 11 Toten: Hanau trauert um Opfer – Mahnwache geplant

Update von 13:50 Uhr: Nach Angaben des Bürgermeisters von Hanau werde Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier im Laufe des Tages nach Hanau reisen und um 18 Uhr auch an der Mahnwache teilnehmen. 

Erstmeldung von 11:30 Uhr: Der Schock sitzt tief nach den grausamen Taten von Hanau. Am Mittwochabend, gegen 22 Uhr, eröffnet ein Mann das Feuer in der Shisha-Bar „Midnight“ am Heumarkt, schießt im Raucherbereich wild um sich und tötet fünf junge Menschen. Das zweite Ziel des Todesschützen von Hanau ist nur wenige Kilometer entfernt. Im „Arena Bar & Café“, mitten in einer belebten Wohngegend am Kurt-Schumacher-Platz, erschießt der Mann vier weitere Opfer. 

Ein Polizist hilft einer Frau in der Nähe des Tatortes am Heumarkt eine Kerze anzuzünden.

Die Horror-Nacht von Hanau endet erst nach Stunden, als das SEK die Leichen des tatverdächtigen Tobias R. (†43) und seiner Mutter (†72) in einer Wohnung im Stadtteil Kesselstadt findet. 11 Menschen sind tot. Noch in der Nacht übernimmt der Generalbundesanwalt die Ermittlungen wegen Terrorverdachts.

Terror-Nacht mit 11 Toten: Hanau trauert um Opfer – Mahnwache am Abend geplant

Nach der Terror-Nacht in Hanau soll am Donnerstagabend eine Mahnwache für die Opfer des schrecklichen Gewaltverbrechens stattfinden. Dazu rief der Oberbürgermeister von Hanau, Claus Kaminsky, auf. Die Gedenkveranstaltung soll am Abend um 18 Uhr auf dem Marktplatz beginnen. An den abgesperrten Tatorten legten am Mittag schon viele Hanauer Blumen und Kerzen nieder. 

Eine Stadt steht unter Schock – 11 Tote nach Schießerei in Hanau

Auch der Deutsche Gewerkschaftsbund hat anlässlich der mutmaßlich rassistisch motivierten Gewalttat eine Kundgebung zur gleichen Zeit an der Frankfurter Paulskirche an.

Schüsse in Hanau: Hessischer Landtag gedenkt der Opfer – Kölner Narren trauern

Der hessische Landtag hat wegen der Bluttaten in Hanau am Donnerstag alle Sitzungen abgesagt. „Wir gedenken der Opfer der schrecklichen und unfassbaren Gewalttat in Hanau und sind tief betroffen", erklärte Landtagspräsident Boris Rhein. Zuvor hatte Hessens Landesminister Peter Beuth die Gewalttaten von Hanau als „Anschlag auf unsere freie und friedliche Gesellschaft“ verurteilt. Im Parlament gab es eine Gedenkminute für die Opfer und deren Angehörigen. An den öffentlichen Gebäuden im Land wurde Trauerbeflaggung angeordnet.

In Köln, wo ab Donnerstag Hunderttausende Feiernde zum Straßenkarneval erwartet werden, gab es ebenfalls eine Schweigeminute, bevor um 11:11 Uhr die Feierlichkeiten begannen. „Im Karneval liegen stille Momente und überschäumende Freude oft nah beieinander“, erklärt der Sprecher des Festkomitees. 

Terror in Hanau: Auch Mahnwachen in Mannheim, Heideberg und Weinheim geplant

Auch in der Region wird der Opfer des mutmaßlich zterroristischen Anschlags von Hanau gedacht. Am Donnerstag finden Mahnwachen in Mannheim und Heidelberg statt, am Sonntag wird in Weinheim eine Kundgebung mit Mahnwache stattfinden. Die Stadt Mannheim hat aufgrund der dramatischen Ereignisse in Hanau den Prinzessinnenempfang im Rathaus ab. 

Am Rosenmontag rast ein Mann mit seinem Auto in eine Menschenmenge des Fastnachtumzugs. Dabei werden zahlreiche Personen verletzt. Der Fahrer soll mit Absicht gehandelt haben.

kab

Quelle: Mannheim24

Rubriklistenbild: © picture alliance/dpa

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