Der gläserne Mensch?

Die Kehrseite der Digitalisierung und wie wir uns schützen können

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Die Digitalisierung der Gesellschaft ist kaum noch aufzuhalten. Immer mehr Bereiche profitieren von den zahlreichen Vorteilen – doch die Kehrseite sind Sicherheitslücken und Datenspionage. Aber es gibt auch Möglichkeiten, sich zu schützen.

Erst Mitte Mai sorgte eine weltweite Cyberattacke für Aufruhr: Hacker legten mit der sogenannten Ransomware „Wanna Cry“ zehntausende Computer lahm. Rund 75.000 Computer in 99 Ländern waren betroffen. Angeblich wurde hierbei eine Sicherheitslücke ausgenutzt, die zwar im März von Microsoft geschlossen wurde, von der jedoch alle Computer ohne Update immer noch betroffen waren. Gegen sogenannte Erpressungstrojaner können dabei auch klassische Antiviren-Programme nichts machen. Eine positive Nachricht ist, dass bei dem Hackerangriff keine sensiblen Daten entwendet oder Sicherheitssysteme gehackt wurden. Dennoch: Die Cyberattacke ist ein Weckruf und zeigt uns, dass wir uns besser vor etwaigen Gefahren des Internets schützen müssen.

„Big Brother is watching you“: Die Wahrheit an „1984“

In seinem Roman “1984” beschrieb George Orwell einen totalitären Überwachungsstaat im Jahr 1984. Auch, wenn wir von einem solchen Staat weit entfernt sind, hat der Roman gerade in der heutigen Gesellschaft eine wichtige Bedeutung. Die NSA-Überwachungsaffäre, die 2013 von Edward Snowden aufgedeckt wurde, hat gezeigt, wie nah wir bereits am Konzept eines gläsernen Menschen sind, der vollständig vom Staat „durchleuchtet“ wird.

Besonders im Zusammenhang mit dem Internet wird hier gerne die Metapher des Panoptikums verwendet. Der Philosoph Jeremy Bentham prägte im 18. Jahrhundert dieses Gefängnis-Konzept, bei dem ein Wächter von einem zentralen Turm aus alle Gefangenen im Blick hat, während diese sich nicht gegenseitig sehen können und sich darüber hinaus auch nicht vor dem Wächter verbergen können. Nicht nur das Überwachungsprogramm PRISM hat gezeigt, dass das abstrakte Panoptikum-Modell mit der NSA als „Wächter“ durchaus Realität werden könnte. Schon bei der allgemeinen Nutzung des Internets hinterlassen wir unbewusst eine ganze Menge Spuren. So werden unter anderem die IP-Adresse, der Verlauf und der Standort des Computers oder Smartphones gespeichert. Das äußert sich unter anderem in den interessenbezogenen, personalisierten Werbeanzeigen, die wir beispielsweise bei Facebook und Amazon erhalten. Kaum haben wir ein Restaurant gegoogelt oder in einem Online-Shop nach neuen Outfits für den Sommer gestöbert, „weiß“ Facebook das und erinnert uns in Anzeigen immer wieder daran.

Ein kleiner Lichtblick: Mit ein paar einfachen Verhaltensregeln und Tools für die Internetnutzung können wir uns inkognito und sicher im World Wide Web bewegen und uns zumindest teilweise der Überwachung im Internet entziehen.

  • Im Inkognito-Modus surfen: In den meisten Browsern ist es inzwischen möglich, im Inkognito-Modus zu surfen. Verlauf, Cookies und Cache werden nach der Websession automatisch gelöscht, Passwörter und Benutzerkennungen werden nicht gespeichert. Trotzdem: Im internen Netzwerk können Administratoren immer noch die Daten abfangen und analysieren.
  • JavaSript deaktivieren: Die Programmiersprache JavaScript kann je nach Urheber ein hohes Sicherheitsrisiko bergen und den Computer mit Viren, Trojanern und anderer Schadsoftware infizieren. Daher sollte JavaScript gerade bei unbekannten oder nicht vertrauenswürdigen Internetseiten im Browser ausgeschaltet werden. Zudem empfiehlt sich die Verwendung von Script-Blockern, da diese verhindern, dass zu viele Informationen über den Browser weitergegeben werden.
  • Privatsphäre mit Proxy-Server schützen: Sogenannte Proxy-Server helfen, die eigene Identität zu verschleiern und sind daher eine gute Möglichkeit für sicheres, anonymes Surfen. Die IP-Adresse sowie andere sensible Daten werden nicht übermittelt, und auch der E-Mail-Verkehr oder Instant Messaging können mit Netzwerken wie TOR anonymisiert werden.
  • Die richtigen Einstellungen auf Mobilgeräten verwenden: Gefährlich ist auch die Verwendung von Mobilgeräten, wenn zum Beispiel WLAN und/oder GPS eingeschaltet sind. Denn Apps können diese zur Standortermittlung nutzen. Selbst bei deaktiviertem WLAN und im Standby-Modus können manche Informationen abgegriffen werden. Android-Nutzer können allerdings ein Verbot für die Nutzung von WLAN-Informationen für die Ortung einstellen. Außerdem kann man die interessenbezogenen Anzeigen verbieten.

Es gibt also bereits einige Möglichkeiten, sich vor Überwachung, Sicherheitslücken und Datenspionage im Internet zu schützen. Doch einige neuere Entwicklungen zeigen, dass mehr gemacht werden muss als nur ein paar Einstellungen im Browser zu verändern.

WhatsApp: Der beliebte Messenger-Dienst und seine Sicherheitslücken

WhatsApp

ist der beliebteste Messenger-Dienst weltweit. Tatsächlich wartet die App mit einigen praktischen Features auf. Doch ihre Sicherheitsstandards wurden bereits häufiger kritisiert, obwohl diese sich seit der Einführung der Ende-zu-Ende-Verschlüsselung bereits um einiges verbessert haben. So entdeckte erst kürzlich ein IT-Experte eine große Sicherheitslücke bei der Nachrichten-App: Bei der Nutzung des WhatsApp-Webs könnten Angreifer demnach auf die Nutzerdaten völlig Fremder zugreifen und Fake-Profile erstellen. Ganze Chat-Verläufe, die häufig privater Natur sind, können außerdem ganz einfach mitgelesen werden.

Das Problem: Zwar werden die Daten über WhatsApp hochverschlüsselt versendet. Doch sobald sich die Bilder, Videos, Dokumente und Sprachnachrichten auf dem Smartphone befinden, sind sie unverschlüsselt. Und dann können sie ganz einfach ausspioniert werden. Daher ist schon beim Installieren bestimmter Apps Vorsicht geboten. Denn bevor eine App auf dem Smartphone installiert werden kann, erfordert sie fast immer die Berechtigung, Bilder, Kontaktdaten, Kamera, WLAN- und Standortinformationen oder sonstige Daten zu nutzen. Nur selten lesen die Smartphone-Nutzer diese Anforderungen und stimmen unbedacht zu. Die große Gefahr besteht darin, dass sich so auch Betrüger durch seriös wirkende Fake-Apps Zugriff auf die Daten verschaffen können. Dass Nutzer auf Fake-Apps hereinfallen, kommt immer wieder vor. Wenn sie dann der App die Berechtigung erteilen, auf sämtliche Inhalte ihres Handys zugreifen zu können, kann das zu einem großen Problem werden. Wer sich konkret schützen möchte, sollte daher bei der Smartphone-Nutzung ein paar Dinge beachten:

  • Keine automatische Speicherung: Damit sensible, private Dateien nicht mehr automatisch gespeichert werden, können Android-Nutzer die Funktion „automatisch laden“ deaktivieren.
  • Überprüfung der Zugriffsrechte: Auch, wenn es lange dauert – bei der Installation neuer Apps sollte immer überprüft werden, welchen Berechtigungen zugestimmt werden muss. Vorsicht geboten ist etwa bei der Berechtigung „auf Speicher zugreifen“.

Fazit

Gerade bei der Internetnutzung – egal ob am Computer oder über Apps – sind einige Dinge zu beachten, um sich vor Datenspionage und Sicherheitslücken zu schützen. Doch auch in ganz anderen Bereichen besteht die Gefahr, dass wir zunehmend zum gläsernen Menschen werden. So sind beispielsweise auch Neuerungen wie die Smart-Meter, die zur Digitalisierung der Energiewende beitragen sollen, aus Sicht von Datenschützern umstritten, da sich durch die Aufzeichnung von Stromverbrauchsdaten grundsätzlich Informationen über Lebensgewohnheiten von Bürgern ablesen lassen. So ermöglichen die intelligenten Stromzähler zwar enorme Einsparungen beim Stromverbrauch, lassen uns jedoch zum gläsernen Verbraucher werden. Die Digitalisierung hat also nicht nur Vorteile, sondern ist in mancherlei Hinsicht auch mit etwas Vorsicht zu betrachten.

Quelle: Mannheim24

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