Ängste, Panikattacken oder Depressionen

Corona-Virus: Psychologische Betreuung gegen Lagerkoller in Germersheim 

Germersheim – Rund 14 Tage sollen die China-Rückkehrer in Quarantäne bleiben. Damit Menschen mit der Isolation besser zurecht kommen, gibt es nach Expertenansicht einige Möglichkeiten.

  • Der Corona-Virus ist auch in Deutschland angekommen. 
  • Über 120 China-Rückkehrer sind auf der Quarantäne-Station in Germersheim. 
  • Die Isolation in der Kaserne wird zur psychologischen Belastungsprobe.  

Mehr als 120 Menschen sind seit Sonntag (2. Februar) nach ihrer Ankunft mit einer Sondermaschine in einer Bundeswehrkaserne im südpfälzischen Germersheim untergebracht und auf das Corona-Virus getestet worden. Die Betroffenen müssen mindestens zwei Wochen in der engen militärischen Einrichtung verbleiben – das kann lang sein. Daher bedeutet die Unterbringung auf der Quarantäne-Station in Germersheim für die China-Rückkehrer nach Einschätzung einer Expertin eine „Ohnmachtserfahrung“. Deshalb sei es wichtig, die Betroffenen gut über den Ablauf der Quarantäne und die medizinischen Aspekte zu informieren, sagt die Psychotherapeutin Barbara Lubisch der Deutschen Presse-Agentur (dpa). 

Germersheim: Coronavirus-Quaratäne ist „kein Urlaub“ 

Um die Isolation möglichst gut zu überstehen, sollten die Menschen die Möglichkeiten erhalten, sich um dringende private und berufliche Dinge zu kümmern, etwa per Telefon, Video oder E-Mail, rät Lubisch. „Das würde helfen, die endlosen Tage in Quarantäne zu überstehen und nimmt etwas Druck von ihnen. Es ist ja auch langweilig, wenn man nichts zu tun hat. Schließlich ist das kein Urlaub.“ 

Ein gut strukturierter Tagesablauf, Bewegung an der frischen Luft und die Möglichkeit, mit Freunden und Angehörigen außerhalb der Kaserne zu kommunizieren, können nach Ansicht der Psychotherapeutin den Menschen in der Quarantäne ebenfalls helfen, mit ihrer ungewöhnlichen Situation besser klar zu kommen.  

Germersheim: Niemand geht freiwillig in die Coronavirus-Quarantäne  

Eine Berufsgruppe, die mit Isolation bestens vertraut ist, sind Astronauten. Für ihre Einsätze trainieren sie gezielt die Isolation. Beispielsweise unter ähnlichen Bedingungen, wie bei einer Polarexpedition, sagt der Raumfahrtmediziner Guillaume Weerts. 

Bei unseren Übungen ist das für Astronauten kein Stress, es ist für sie fast wie Urlaub“, beschwichtigt Weerts. Anders sieht es jedoch in Germersheim aus, denn bei den untergebrachten Menschen geht es um ihren eigenen Schutz und um die Verbreitung der Krankheit zu verhindern. Niemand geht freiwillig in Quarantäne

Die psychologische Belastung hängt davon ab, wie die Leute begleitet werden – was Menschen nicht mögen, ist, wenn sie ihr Leben nicht mehr selbst steuern können“, mahnt Weerts. Die Situation für Astronauten bei mehrmonatigen Einsätzen ist ungleich härter. „Aber die sind dort, um zu arbeiten. Wir sind in der glücklichen Lage, dass die Leute ausgewählt und trainiert sind. Wir wissen, mit wem wir arbeiten.“ 

Germersheim: Menschen in Coronavirus-Quarantäne bekommen psychologische Betreuung 

Nach Angaben des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) erhalten die Menschen auch eine psychologische Betreuung. Das Angebot einer psychotherapeutischen Hilfe sei ganz wichtig, falls die Isolierten Ängste, Panikattacken oder depressive Stimmungen entwickeln sollten, betont die Expertin Lubisch. Bislang ist die allgemeine Gemütsverfassung der Menschen in der Kaserne gut, wie das DRK berichtete. Die Helfer gäben sich Mühe, dass kein Lagerkoller aufkomme – diese Einschätzung bestätigt eine 22-jährige Vorort gegenüber der dpa.    

Die etwa zwei Dutzend Kinder in der Quarantäne-Einrichtung können nach Einschätzung von Lubisch leichter abgelenkt werden als die Erwachsenen, mit Spielen und Spielzeug beispielsweise. Auch für sie sei Bewegung ganz wichtig. Jugendlichen könne zudem der Kontakt zu ihren gleichaltrigen Bezugsgruppen helfen, um mit dieser „ungewöhnlichen Ausgrenzung“ klar zu kommen.

Germersheim: Zwei Coronavirus-Infizierte auf die Isolierstation nach Frankfurt gebracht   

Bislang sind zwei mit dem Virus infizierte Rückkehrer aus Germersheim zur Frankfurter Uniklinik gebracht worden. Nach Angaben des Gesundheitsamtes der Stadt sind sie wohlauf. Wie lange sie auf der Isolierstation bleiben müssen, kann nicht vorhergesagt werden, da es sich um einen neuen Virus handelt. Die restlichen Bewohner werden regemäßig auf Coronavirus getestet, so beispielsweise am 4. Februar. Bislang ist bei keinem weiteren China-Rückkehrer das Virus nachgewiesen worden. Weitere Tests nach Halbzeit und zum Ende der Quarantäne sind geplant.

Die umfangreichen Maßnahmen, um die Ausbreitung des neuartigen Virus zu verhindern, verängstigt viele Menschen. Im Internet verbreitete Verschwörungstheorien befeuern diese Sorgen in unverantwortlicher Weise, denn trotz der hohen Sicherheitsmaßnahmen bleibt die Gefahr für die Bevölkerung gering. Unter der Info-Hotline ☎ 06221 522 1881 bietet das Gesundheitsamt die Möglichkeit, alle Fragen in Bezug auf das Coronavirus zu stellen.

Während die Angst vor dem Coronavirus sich immer weiter ausbreitet, gibt es eigentlich eine ganz andere beunruhigende Statistik: Die Zahl der Grippefälle steigt deutlich an!

dpa/esk 

Quelle: Mannheim24

Rubriklistenbild: © Boris Roessler/dpa

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