1. Ludwigshafen24
  2. Region

Wird Gas bald rationiert? Experten-Tipps – so spart man im Alltag Energie

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Florian Römer

Kommentare

Heidelberg/Mannheim - Verbraucher sollen ihren Energieverbrauch so gut wie möglich reduzieren. Wie das mit einfachen Mitteln geht, erklären Experten von MVV und Stadtwerken:

Wegen des schrecklichen Kriegs in der Ukraine steht Europa vor Versorgungsengpässen bei Erdgas. Seit Freitag (1. April) sollen Abnehmer russisches Gas nur noch in Rubel bezahlen dürfen, verfügte Präsident Wladimir Putin per Dekret. Ansonsten würde man bestehende Verträge stoppen, drohte der russische Präsident.

Die Bundesregierung hatte zuvor die Frühwarnstufe des Notfallplans Gas aktiviert. Die Versorgungssicherheit sei zwar gewährleistet, betonte Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) am Mittwoch (30. März). Dennoch sei es jetzt wichtig, dass alle Verbraucher vor allem den Verbrauch von Gas „so gut wie möglich reduzieren“. In der Notfallstufe könnte Gas auch rationiert werden.

Stadtwerke Heidelberg & MVV: Gasversorgung „derzeit“ gesichert

Aufgrund sich abzeichnender Engpässe befürchten auch Verbraucher in Heidelberg und Mannheim, dass ihre Heizungen nicht mehr dauerhaft mit Gas versorgt werden. Auf Anfrage dieser Redaktion geben Stadtwerke Heidelberg und MVV allerdings Entwarnung: „Die Gasversorgung ist derzeit gesichert“, heißt es von den lokalen Energieversorgern. Bundesweit sind die Gasspeicher noch zu einem Drittel gefüllt.

Mit Blick auf das kommende Jahr werden sich Kunden aber auf drastisch steigende Energiepreise einstellen müssen. Aktuell ist der durchschnittliche Terminpreis von Strom rund 60 Prozent höher als im Vorjahr. Bei Erdgas liegt die Differenz sogar bei 65 Prozent. Für den kommenden Winter und das Jahr 2023 werde es aber zu „deutlichen und in diesem Maße noch nicht bekannten Preisanpassungen“ kommen, warnen die Stadtwerke Heidelberg.

Experten-Tipps: So reduziert man seinen Energieverbrauch

Besonders Endverbraucher mit einer Gasheizung machen sich Sorgen um die Versorgung, immerhin wird neben der Heizung auch das Warmwasser mit Gas erhitzt. Was können Verbraucher tun, um ihren Energieverbrauch zu reduzieren und den Geldbeutel zu entlasten? Wie lassen sich Strom- und Heizkosten senken?

Wie heizt und lüftet man am effizientesten? Was ist die ideale Raumtemperatur? Wann lohnt sich eine Neuanschaffung eines Geräts? Auf diese und weitere Fragen gehen Energie-Experten und MVV und den Heidelberger Stadtwerken ein:

Die Stufe drei am Thermostat heizt den Raum auf eine Wohlfühltemperatur von rund 20 Grad auf. Wer ihn höher einstellt, verheizt meist unnötig Geld.
Die Stufe drei am Thermostat heizt den Raum auf eine Wohlfühltemperatur von rund 20 Grad auf. Wer ihn höher einstellt, verheizt meist unnötig Geld. © Silvia Marks/dpa

Welche allgemeinen Möglichkeiten haben Verbraucher, Strom- und Heizkosten zu reduzieren?

„Bevor man einzelne Maßnahmen umsetzt, sollte man sich jedoch erst einmal einen Überblick verschaffen, wozu die meiste Energie im Haushalt verbraucht wird“, erklären die Stadtwerke Heidelberg. Fünf Sechstel des jährlichen Energieverbrauchs gehen auf das Konto von Heizen und Warmwasserbereitung, das verbleibende Sechstel auf stromverbrauchende Geräte.

Beim Stromverbrauch entfällt der Löwenanteil mit über einem Viertel auf „Computer, Fernseher, Spielekonsole und Co.“. Das hat eine Studie des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (bdew) ergeben. „Waschen und Trocknen mit 14 Prozent, Licht (13 Prozent) sowie Kühl- und Gefriergeräte (11 Prozent) sind weitere „Stromfresser“ im Haushalt.

Übrigens: Unser HEIDELBERG24-Newsletter informiert Dich regelmäßig über alles Wichtige, was in Deiner Stadt und Region passiert.

„Bei den Geräten hilft tendenziell eine Neuanschaffung, da sie über die Jahre immer effizienter werden. Bei der Beleuchtung gibt es energiesparende Leuchtmittel. Zudem hilft natürlich die effiziente Nutzung des Stroms bei der Einsparung“, indem man beispielsweise den Stand-by ausschaltet“, ergänzt die MVV.

Mit welchen Tricks lässt sich der private Gasverbrauch ohne größere Einschränkungen reduzieren?

Bereits „einfache Verhaltensänderungen“ können laut Stadtwerken helfen, den Gasverbrauch zu senken. Dazu gibt es fünf Experten-Tipps:

  1. Nach Bedarf heizen. Die beste Energie ist die, die gar nicht erst verbraucht wird: Jedes Grad weniger Raumtemperatur senkt den Verbrauch und damit die Heizkosten um ca. 6 Prozent. Die Heizung sollte nach Bedarf geregelt werden. Nachts und in ungenutzten Räumen sollte man die Heizung runterstellen. Heizkörper sollten nicht verdeckt oder zugestellt sein.
  2. Kurz und gründlich lüften. Fenster in der Heizperiode nicht dauerhaft kippen, lieber ein bis zwei Mal am Tag fünf bis zehn Minuten richtig stoßlüften, so dass die Luft ausgetauscht wird. Die Heizung sollte dabei ausgeschaltet werden.
  3. Fenster und Türen abdichten/nachts Rollläden runter. Fenster und Türen sollten gut isoliert sein. Und: Wer nachts die Rollläden schließt, reduziert den Wärmeverlust über die Fenster in der kalten Jahreszeit um rund 30 Prozent.
  4. Beim Duschen und Waschen warmes Wasser sparen. Vollbäder verbrauchen etwa drei Mal so viel Energie und Wasser wie ein Duschbad, hier liegen große Einsparpotenziale. Beim Duschen kann man Energie sparen, indem man Zähne am Becken statt unter der Dusche putzt und beim Einseifen kurz das Wasser abstellt.
  5. Für effiziente Heizung sorgen. Bestehende Anlagen sind regelmäßig zu warten, damit Heizungsregelung und Gasbrenner optimal eingestellt sind. Auch wichtig: Die Heizkörper entlüften – vor allem, wenn es darin gluckert. Alte Heizungen sollten nach Möglichkeit ausgetauscht werden. Fördermittel gibt es bei der KfW vorzugsweise für Heizungssysteme, die auf erneuerbare Energien setzen: Mehr Infos hier.
Wärmer als eingestellt, da bleibt die automatisierte Heizung aus. Vernetzte Thermostate lassen sich in Smarthome-Systeme einbinden und dann etwa vom Smartphone aus steuern.
Wärmer als eingestellt, da bleibt die automatisierte Heizung aus. Vernetzte Thermostate lassen sich in Smarthome-Systeme einbinden und dann etwa vom Smartphone aus steuern. © Till Simon Nagel/dpa

Schlafzimmer, Wohnzimmer, Küche, Bad ‒ was ist die ideale Raumtemperatur?

Ein entscheidender Hebel zur Reduktion des Energieverbrauchs ist ideale Raumtemperatur, betonen die Experten der MVV: Das sind ihre allgemeinen Temperaturempfehlungen für verschiedene Räume:

Raumempfohlene Temperatur
Schlafen16° - 18° C
Treppenhaus & Flur16° C
Bad20° - 22° C
Kinderzimmer20° - 22° C
WC16° C
Essen & Wohnen20° C
Küche18° C
Arbeitszimmer20° - 22° C

Welche Alternativen haben Verbraucher, die bislang mit Erdgas geheizt haben?

„Für viele Häuser sind mehrere Heizungsvarianten potenziell denkbar, welche die sinnvollste ist muss individuell analysiert werden“, erläutern die Fachleute von der MVV. In Mannheim, Heidelberg und der Region heizen viele Kunden mit Fernwärme. Wie schnell ein Umstieg möglich ist und wie teuer er wäre, ist „pauschal nicht beantwortbar“, so die MVV. Das sei „abhängig vom Gebäude, verfügbarem Leitungsnetz, individuellem Wärmebedarf, Dämmstandard und heutiger Heizung“.

Weitere Tipps zum Energiesparen geben Stadtwerke Heidelberg hier und MVV hier. (rmx)

Auch interessant

Kommentare