Gestanden und Rechte abgetreten 

Prozess vorbei: Finder des Barbarenschatzes zu milderer Strafe verurteilt!

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Der Schatzfinder wird im Landgericht Frankenthal zu einer milderen Strafe verurteilt. (Archivbild) 

Frankenthal - Der Rechtsstreit um den Barbarenschatz von Rülzheim ist vorerst vorbei. Der Finder hat ein milderes Urteil bekommen. Der Grund: 

Am Ende zeigt sich der junge Finder des Schatzes von Rülzheim zufrieden. Zwar bekommt er keinen Anteil an dem Gold- und Silberfund und auch keinen Finderlohn, aber auch keine Haftstrafe zur Bewährung mehr. 

Der Barbarenschatz von Rülzheim

Weil er gestanden und auf alle Rechte an dem Schatz aus der Spätantike verzichtet hat, mildert das Landgericht Frankenthal am Donnerstag das Urteil für ihn ab. Zwar wird der 26-Jährige erneut wegen Unterschlagung verurteilt, aber nicht wie in den Vorinstanzen zu Haft auf Bewährung, sondern nur zu einer Geldstrafe auf Bewährung. 

„Es ist genau das eingetreten, was ich erhofft hatte“, sagt er danach. Und: „Ich bin zufrieden, dass der Fund da bleibt, wo er hingehört: im Museum.“ Die Vorsitzende Richterin Iris Blankenhorn nutzt die Urteilsbegründung für ein paar prinzipielle Sätze. 

„Es wird nie der belohnt, der unterwegs ist, einen Schatz findet und ihn dann behält“, sagt sie nach der überraschend anberaumten Urteilsverkündung. „Es wird der belohnt, der auf die Rechtsordnung zugeht.“ Das sei am Donnerstag geschehen. 

„Nutznießer ist die Allgemeinheit“, befindet die Richterin, die darauf hofft, dass die Entscheidung auch eine befriedende Wirkung auf die Debatte zwischen Hobby-Schatzsuchern und hauptamtlichen Archäologen hat. 

Schatz oder Gartenzaun? 

Was war geschehen? Im Jahr 2013 hatte der begeisterte Sondengänger bei einer nicht angemeldeten Suche nahe Rülzheim in der Südpfalz den Gold- und Silberschatz aus der Spätantike entdeckt. Er habe zuerst gedacht, er habe einen Gartenzaun gefunden, erinnert er sich am Donnerstag. Er bunkerte den Schatz bei Bekannten und rückte ihn erst heraus, als Fotos davon der Polizei in die Hände fielen. Er habe nicht gewusst, welchen Wert der Fund habe und erst recherchiert, hatte er gesagt. 

Schätze von kulturhistorischer Bedeutung gehören dem Land 

Weil in Rheinland-Pfalz Schätze von kulturhistorischer Bedeutung aber unter bestimmten Umständen automatisch dem Land gehören, wurde er in zwei Instanzen zu Bewährungsstrafen von 15 beziehungsweise acht Monaten verurteilt. Auf die Revision seiner Verteidiger hin bemängelte das Pfälzische Oberlandesgericht, es sei nicht ermittelt worden, ob der Schatz überhaupt von kulturhistorischer Bedeutung sei. 

44.000 oder 575.000 Euro wert? 

Deshalb trafen sich die Beteiligten am Donnerstag zum dritten Mal vor Gericht. Diesmal waren drei Gutachter dabei, die bei der Frage nach der wissenschaftlichen Bedeutung und dem Wert des Schatzes allerdings zu höchst unterschiedlichen Aussagen kamen. Eine von der Verteidigung beauftragte Sachverständige sagte, kein Stück des Schatzes sei von besonderer Bedeutung. Es sei ein zusammengewürfelter Fund, der vermutlich von Dieben oder Räubern verbuddelt worden sei und einen Marktwert von etwa 44.000 Euro habe. 

„Es ist kein Fund, der unsere Erkenntnisse der Epoche verändern wird.“ Zu einem anderen Ergebnis kamen zwei vom Gericht bestellte Gutachter. Allein die Überreste eines Klappstuhls hätten einen Versicherungswert von 300.000 Euro, befand einer von ihnen. 

Er sei ebenso wie eine Silberschale mit eingearbeiteter Gewandspange einzigartig. Er schätze den Versicherungswert des Fundes auf 425.000 bis 575.000 Euro. Die Wissenschaftler gingen auch davon aus, dass der Schatz eine besondere wissenschaftliche Bedeutung habe. Er vereine Stücke aus Ost und West und könne auch ein Totenopfer für eine hochstehende Persönlichkeit gewesen sein, sagte der andere Gutachter. 

Zu dieser unterschiedlichen Einschätzung kam hinzu, dass der junge Mann, inzwischen Vater einer kleinen Tochter und beruflich selbstständig, ein Geständnis ablegte. Strittig war noch, wem der Schatz nun gehört: Dem Land oder - bei einem geringeren Wert - die Verbandsgemeinde Rülzheim. Sie müsste den Fund unter Umständen mit dem 26-Jährigen teilen. 

Er verzichtete aber - und trug damit laut Richterin maßgeblich dazu bei, dass das Urteil milder ausfiel. „Dass es sich um wertvolle Stücke handelt, müsste ihm im Laufe der Zeit klargeworden ein“, sagte sie. Die Geldauflage von 500 Euro an den Dombauverein des zum Weltkulturerbe zählenden Doms in Speyer rechtfertigte sie mit den Worten: „Ich denke, das ist ein Bauwerk, das unzweifelhaft eine besondere historische Bedeutung hat.“

dpa/kp

Quelle: Mannheim24

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