Überraschende Wendung

Tod im Holiday Park: Angeklagte bleiben straffrei!

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Das Landgericht Frankenthal wies die Berufung von Staatsanwaltschaft und Nebenklage am Donnerstag zurück. (Archivbild) 

Frankenthal/Nußloch - Obwohl die Staatsanwaltschaft Geldstrafen für die beiden Vorgesetzten im Berufungsprozess um den Tod eines Mädchens im Holiday Park gefordert haben, bleiben diese nun straffrei!  

Die Staatsanwaltschaft hatte für die beiden Angeklagten am Donnerstag erneut Geldstrafen wegen fahrlässiger Tötung gefordert. Ein ehemaliger Teamleiter des Parks sollte demnach 150 Tagessätze à 45 Euro bezahlen (insgesamt 6.450 Euro), der Betriebsleiter 150 Tagessätze à 80 Euro (12.000 Euro). 

Beide hätten ihre Sorgfaltspflicht verletzt, sagte der Staatsanwalt am Donnerstag vor dem Landgericht Frankenthal.

Das Landgericht wies die Berufung von Staatsanwaltschaft und Nebenklage am Donnerstag zurück – die Angeklagten bleiben straffrei! 

Zwar habe es seitens der Angeklagten eine „Gefahr erhöhende Verletzung von Kontrollpflichten“ gegeben, sagt der Vorsitzende Richter Uwe Gau. So hätten etwa drei Viertel der befragten Karussel-Bediener gesagt, dass sie von einer wichtigen Warn-Durchsage beim Start nichts gewusst oder diese mitunter unterlassen hätten. 

Aber: „Wir können den Nachweis nicht führen, dass es anders gekommen wäre, wenn die Kontrollen besser gewesen wären.“ Die Eltern der getöteten Elfjährigen aus Kelsterbach bei Frankfurt nahmen das Urtreil niedergeschlagen auf. „Ich sehe in den mangelhaften Kontrollen durchaus eine Ursache für Ambers Tod“, sagte die 35-jährige Mutter. Ihr Anwalt Frank Peter kündigte Revision an. 

>>>Berufungsprozess: Kind (11) stirbt in Holiday Park – Eltern wollen Antworten 

Rückblick

Am 15. August 2014 kommt es im beliebten Holiday Park zur Tragödie: Ein elfjähriges Mädchen aus Kelsterbach (Nähe Frankfurt) stürzt beim Betreten der Attraktion „Spinnig Barrels“ und wird anschließend von Plattformen des Fahrgeschäfts überrollt und tödlich verletzt

Während der ehemalige Bediener der Attraktion im Juni 2016 wegen fahrlässiger Tötung zu einer Geldstrafe in Höhe von 2.400 Euro verurteilt wird, weil er die Tür zum Fahrgeschäft offengelassen hatte, als dies nicht mehr zulässig war und das Kind und seine Mutter nur so hineingelangen konnten

Der Mann hatte dies bestritten. Er hatte aber zugegeben, dass er ohne die Durchsage „Achtung, die Fahrt beginnt“ gestartet war. Das sei ihm bei der Einweisung nicht gesagt worden. 

Die damaligen Vorgesetzten des Mannes - ein 32 Jahre alter Ex-Steward, der Bediener des Fahrgeschäfts einwies, und der 42-jährige „Operations Manager", der den ganzen Betrieb des Parks überwacht - waren freigesprochen worden. 

„Schicksalhafter Zufall“

Dagegen hatten Staatsanwaltschaft und die als Nebenkläger auftretenden Eltern Berufung eingelegt. Auch wenn viele Bediener in Sachen Durchsage nicht richtig kontrolliert worden seien, sehe das Gericht keinen strafrechlich relevanten Zusammenhang zwischen dem „Fehlverhalten mangelnder Kontrolldichte“ und dem Unglück, sagte Gau. 

Letztlich sei es zu dem Unfall gekommen, weil der Bediener einen Kontrollblick unterlassen habe und weil defekte Kontakte an der Tür dem System signalsisiert hätten, dass diese geschlossen gewesen sei. 

Ein „schicksalhafter Zufall“ habe außerdem dazu geführt, dass Bediener, Mutter und Tochter sich auf einer Achse um die Mitte des Karussels bewegt und sich deshalb nicht gesehen hätten.

In einem ersten Prozess vor dem Amtsgericht Neustadt/Weinstraße waren die beiden Männer - ein ehemaliger Teamleiter des Parks und der Betriebsleiter - vom Vorwurf der fahrlässigen Tötung freigesprochen worden. 

>>>Berufungsprozess: Kind (11) stirbt in Holiday Park – Eltern wollen Antworten 

dpa/kp

Quelle: Mannheim24

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