Zwei Täter vor Gericht

Diebstählen in Millionenhöhe aus Kliniken - Prozessauftakt

Prozessauftakt wegen Diebstahls hochwertiger medizinischer Geräte
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Rheinland-Pfalz - Eine Diebstahlserie von Endoskopen aus Kliniken macht in den vergangenen Jahren immer wieder Schlagzeilen. Jetzt sind die Täter gefasst und stehen vor dem Richter:

Sie haben es ausschließlich auf hochwertige medizinische Geräte abgesehen: Ein Millionengeschäft.

Seit Montag (23. April) müssen sich zwei Männer im Alter von 30 und 42 Jahren wegen einer Diebstahlserie in Krankenhäusern vor dem Landgericht Trier verantworten. Sie haben ihre Taten vor allem in Rheinland-Pfalz begangen, aber auch im südhessischen Lampertheim. Als Mitglieder einer Bande sollen sie in den Jahren 2016 und 2017 Endoskope im Wert von rund drei Millionen Euro erbeutet haben.

Es ist eine ungewöhnliche Diebstahlserie mit einer sehr hohen Schadenssumme“, sagt Staatsanwalt Benjamin Gehlen. Die Männer haben geeignete Kliniken erst ausgekundschaftet und dann zugeschlagen! „Wo die entsprechenden Abteilungen waren, haben sie gegoogelt.“

Die Diebesbeute schickten sie laut Anklage per Paketpost von Amsterdam nach Kolumbien, wo sie von Hintermännern verkauft wurde - wohl in verschiedene Länder Südamerikas. Der 42-Jährige soll bei allen 13 Taten beteiligt gewesen sein, sein jüngerer Komplize bei sechs davon.

Übersicht zu Tatorten und Beute

  • Dernbach: Sechs Gastroskope - 100.000 Euro
  • Aschersleben: Acht Endoskope, ein Ultraschallendoskop - 300.000 Euro
  • Landstuhl: Mehrere Broncho-, Gastro- und Koloskope - 500.000 Euro
  • Baumholder: Mehrere Broncho-, Gastro- und Koloskope - 117.000
  • Bitburg: Mehrere Gastroskope und andere - 350.000 Euro
  • Remagen: Mehrere Gastro-, Koloskope und andere - 400.000 Euro
  • Bad Dürkheim: Mehrere Gastro-, Broncho- und Koloskope - 400.000 Euro
  • Lebach: Mehrere Gastro-, Koloskope und andere - 240.000 Euro
  • Hermeskeil: Sechs Gastro-, drei Koloskope und andere - 308.000 Euro
  • Lampertheim: Sechs Gastro-, drei Koloskope und andere - 381.000 Euro
  • In Krankenhäusern in Idar-Oberstein, Speyer und Ludwigshafen blieb es beim Einbruchsversuch.

Sie kamen aus Paris und fuhren die Krankenhäuser gezielt mit dem Mietwagen an“, so der Staatsanwalt. Teils betraten sie die Kliniken durch den Haupteingang und verschafften sich Zugang zu den Untersuchungsräumen. 

In anderen Fällen führte ihr Weg über den Hinterhof, den Lieferanteneingang oder über den Balkon. Manche Schränke hebelten sie auf, um an die kleinen, teuren Geräte zu kommen, andere waren unverschlossen, sagt Gehlen. 

Am Montag (23. April) wird nur die Anklage verlesen. Der 42-jährige mutmaßliche Täter wird sich vorerst nicht zu den Vorwürfen äußern, erklärt dessen Anwältin. Der 30-Jährige ist noch unentschlossen, heißt es von seiner Seite. Der Prozess geht am 2. Mai weiter und ist bis Mitte Juli angesetzt. 

Auf frischer Tat ertappt: Festnahme in Ludwigshafen

Die beiden Angeklagten sind im vergangenen November festgenommen worden, als sie versuchten, Geräte aus einem Krankenhaus in Ludwigshafen zu stehlen. Sie räumen laut Staatsanwaltschaft jene Tat ein, machen aber zu den weiteren Vorwürfen keine Angaben. 

Nach ihrer Festnahme ist es aber deutschlandweit nicht mehr zu neuen Endoskopie-Diebstählen gekommen, heißt es. Nach zwei weiteren Tätern wird noch gefahndet, erklärt Gehlen. Zudem haben Ermittlungen ergeben, dass weitere Klinik-Diebstähle auf das Konto der Bande gehen könnten. „Da sind wir in den letzten Zügen.“

Jährlich 40 Diebstähle von endoskopischen Geräten

Von 2015 bis 2017 gab es laut Gehlen um die 40 Taten pro Jahr in Deutschland. Mit der medizinischen Technik der Endoskopie (Spiegelung) können Ärzte Körperhöhlen und Hohlorgane untersuchen und Krankheiten erkennen: Zum Beispiel bei einer Gastroskopie im Magen oder bei einer Koloskopie im Darm.

>>> Diebstahl aus Krankenhaus: Neue Details zur Tat

>>> Nach Diebstahl: Krankenhaus kehrt zur Normalität zurück!

>>> Klinik-Geräte geklaut: Diebes-Duo gefasst!

dpa/hew

Quelle: Mannheim24

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