Keine Infektionstreiber

Corona-Studie enthüllt: So ansteckend sind Kinder wirklich!

Stuttgart/Heidelberg - Sie soll die Wiederöffnung von Kindergärten und Schulen ebnen: Jetzt werden die Ergebnisse der Corona-Studie mit Kindern vorgestellt.

  • Ergebnisse zur Studie von Kindern und Coronavirus vorgestellt.
  • Für die Untersuchung wurden rund 5.000 Eltern-Kind-Paare an den Unikliniken in Heidelberg, Tübingen, Ulm und Freiburg getestet.
  • Kinder stellen keine Treiber des Infektionsgeschehens dar“.

Update vom 16. Juni, 12:28 Uhr: Ministerpräsident Kretschmann: „Es hat sich gezeigt, dass Kinder nicht Treiber des Infektionsgeschehens darstellen.“ Es sei wichtig gewesen, die Öffnung der Kindergärten und Schulen wissenschaftlich zu untermauern. Die Ergebnisse der Studie stehen im Einklang mit den Zwischenergebnissen, sagt Kretschmann. Prof. Kräusslich gehört zum Berater-Gremium des Ministerpräsidenten.

Prof. Debatin stellt die Ergebnisse vor. Corona sei eine bislang unbekannte Pandemie, für die es keine Blaupause gibt. „Es gibt Erkenntnisse zum Coronavirus, die kennen wir aus anderen Infektionskrankheiten so nicht.“ Die Studie wollte herausfinden, ob Kinder die „Virusschleudern“ bei Corona sind. Die Resonanz auf die Studie war „unglaublich“, sagt auch Prof. Klaus-Michael Debatin, von der Uniklinik Ulm. In einer weiteren Corona-Studie haben Wissenschaftler am Uniklinikum mehrere Covid-19-Tote obduziert, um neue Behandlungsansätze zu finden.

Corona: Kinder weniger infiziert als Erwachsene!

In der Studie wurden nur zwei Personen gefunden, die aktiv mit dem Coronavirus infiziert waren. Das seien nur 0,1 Prozent der Untersuchten. Bei den Antikörpertests liegt man bei 1,3 Prozent. „Von einer Herdenimmunität sind wir weit entfernt“, so Debatin. Kinder waren bei den Untersuchung „deutlich weniger antikörperpositiv als ihre Eltern, das heißt weniger infiziert waren.

Bei 64 Personen (45 Eltern, 19 Kinder) wurden in den Untersuchungen Antikörper gegen Sars-CoV-2 nachgewiesen, ergänzt Prof. Hans-Georg Kräusslich, Infektiologe der Uniklinik Heidelberg. Zwischen den untersuchten Kindern in der Notbetreuung und Kindern, die zuhause waren, gab es keine signifikanten Unterschiede, sagt Kräusslich: „Wenn überhaupt, gab es mehr Fälle bei Kindern, die in der Notbetreuung waren.

Corona: Kinder-Studie zwar im Lockdown, aber ...

Man habe zwar die Studie im Lockdown gemacht, aber über die Antikörpertests die Infektionen aus der Vorphase mitgenommen, sagt Debatin. Mit Hinweis auf die Drosten-Studie erklärt Debatin, dass Kinder nicht so schwer erkranken und dass dort auch nur knapp ein Prozent der untersuchten Kinder positiv getestet wurden. Eine chinesische Studie habe ergeben, dass der Infektions-Eintrag in die Familie nicht über die Kinder geschieht, sondern über die Eltern.

Mit Blick auf mögliche Risikogruppen in Schulen und Kindergärten ergänzt Kräusslich, dass man nicht ausschließen könne, dass Kinder ihre Mitmenschen anstecken. Von den 19 infizierten Kindern waren 13 Eltern-Kind-Paare, bei denen sowohl Kind als auch Eltern-Teil positiv waren. In sechs Fällen war nur das Kind positiv. Eine häusliche Gemeinschaft bedeute aber nach Kräusslich nicht, dass zwangsläufig alle Bewohner sich anstecken. Zudem sei auch nicht klar, wer wen angesteckt habe. Dazu bedarf es weiteren Studien: „Eine einzelne Studie wird nie alle Fragen beantworten können.

Corona: Kinder keine Treiber des Infektionsgeschehens

Im Gegensatz zur Grippe seien Kinder keine Treiber für das Infektionsgeschehen bei Corona. Warum? Einerseits haben Kinder den Rezeptor nicht, mit dem das Virus im Körper andockt, erklärt Debatin. Außerdem bekämpfe das aktivere Immunsystem von Kindern das Virus bereits im Nasen-Rachen-Raum, sodass es fast nicht zum Übergang in die Lunge und damit zu schwereren Verläufen komme. Zudem sei das Abwehrsystem bei Kindern stärker ausgeprägt, was infizierte Zellen radikaler eliminiere. Zuletzt gebe es bei Kindern fast nicht das Hyper-Entzündungssyndrom, das die Todesfälle bei den Erwachsene verursacht.

Wenn man Treiber suche, solle man vielleicht eher bei der „Partygeneration“ der 20- bis 40-Jährigen nachschauen, schlägt Debatin vor. Diese Gruppe sei viel stärker infiziert als beispielsweise ältere Mitmenschen. Eine Studie aus Frankfurt hat übrigens herausgefunden, dass viele Corona-Genesene Herzschäden erleiden. Auch Infizierte, die nur einen leichten Krankheitsverlauf durchmachen mussten, haben mit Herzproblemen zu kämpfen. Welche Langzeitauswirkungen das hat, ist noch unklar. Weitere Studien sollen folgen.

Coronavirus: Ergebnisse der Kinder-Corona-Studie vorgestellt

Grundtext vom 16. Juni, 11:45 Uhr: Zu Hochzeiten des Coronavirus hat das Land Baden-Württemberg eine großangelegte Studie in Auftrag gegeben. Unter Federführung der Uniklinik Heidelberg sollen Tests bei rund 5.000 Eltern-Kind-Paaren ergeben, wie häufig und schwer Kinder unter zehn Jahren an dem neuartigen Coronavirus erkranken und wie sehr sie als Corona-Überträger fungieren.

Die endgültigen Ergebnisse werden am Dienstag (16. Juni) in Stuttgart vorgestellt. An der Pressekonferenz werden Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne), Kultusministerin Dr. Susanne Eisenmann (CDU), Prof. Hans-Georg Kräusslich, Sprecher des Zentrums für Infektiologie am Universitätsklinikum Heidelberg und Prof. Klaus-Michael Debatin, Ärztlicher Direktor der Kinderklinik am Universitätsklinikum Ulm teilnehmen.

Corona-Studie: Kinder wohl nur untergeordnete Rolle bei Verbreitung

Ein erstes Fazit bei der Vorstellung der vorläufigen Untersuchungsergebnisse Ende April war, dass Kinder bei der Verbreitung von Corona wohl nur eine „untergeordnete Rolle“ spielen. Kinder erkranken seltener und weniger schwer als Erwachsene. Studienleiter und Chef der Heidelberger Kinderklinik, Prof. Georg Hoffmann, war von der Resonanz zu der Studie überrascht.

Aufgrund der ersten Zwischenergebnisse wurden Kindergärten und Grundschulen weiter geöffnet. Kindergärten dürfen mittlerweile wieder bis zur Hälfte der Kinder betreuen. Sie sollen Ende Juni wieder vollständig öffnen. An Schulen gilt seit Montag (15. Juni) ein „rollierendes System“.

rmx

Rubriklistenbild: © Jens Büttner/dpa-Zentralbild/dpa

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