Gemeinsame Forschung

Helfen Corona-Antikörper schwerkranke Patienten zu heilen? Studie will Klarheit bringen

Im Kampf gegen das Coronavirus gründen Wissenschaftler aus Heidelberg und Mannheim eine gemeinsame Taskforce zur Erforschung von Covid-19. Ihre Ziele:

  • Das Coronavirus breitet sich auch in Mannheim und Heidelberg weiter aus.
  • Jetzt haben sich Wissenschaftler aus den beiden Städten zu einer gemeinsamen Taskforce zusammengeschlossen, um Covid-19 zu erforschen.
  • Die Forscher konzentrieren sich dabei unter anderem auf Antikörper-Test, Impfstoff und Symptome des Coronavirus

In Zeiten der Krise ist Zusammenarbeit wichtiger denn je. Jetzt sagen Wissenschaftler aus Mannheim und Heidelberg dem Coronavirus gemeinsam den Kampf an  – und gründen eine Taskforce zur Forschung und Entwicklung. Daran beteiligt sind Experten der beiden medizinischen Fakultäten der Unikliniken in Heidelberg und Mannheim, das BioQuant-Zentrum und das Zentrums für Molekulare Biologie sowie des Zentralinstituts für Seelische Gesundheit in Mannheim, die mit Kollegen des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) und des European Molecular Biology Laboratory (EMBL) in Heidelberg zusammenarbeiten. 

Update vom 24. April: Blutplasma ehemaliger COVID-Patienten ist eine mögliche Behandlungsoption im Kampf gegen das neuartige Coronavirus: Die darin enthaltenen Antikörper können schwer erkrankte Patienten dabei unterstützen, die Krankheit zu überwinden. Das Institut für Transfusionsmedizin und Immunologie der Universitätsmedizin Mannheim (UMM) hat daher bereits im April eine bundesweite Initiative gestartet und inzwischen mehr als 170 ehemalige COVID-Patienten aus der Region identifiziert, die sich für eine Plasmaspende eignen. Die Landesbehörden haben jetzt die Erlaubnis zur Herstellung dieses Plasma-Medikamentes erteilt.

Das Plasma dieser ehemaligen Patienten ist enorm wertvoll“, sagt der Direktor des Instituts, Professor Dr. med. Harald Klüter, und erläutert: „Da es bislang noch kein zugelassenes Medikament zur Behandlung von COVID-19 gibt, ist das Blutplasma gesundeter COVID-19 Patienten eine mögliche Behandlungsoption.“ Über 1.000 potenzielle Plasmaspender in ganz Deutschland hat das UMM-Institut für Transfusionsmedizin und Immunologie gemeinsam mit weiteren Instituten des DRK Blutspendediensts Baden-Württemberg-Hessen angesprochen und auf ihre Spendetauglichkeit überprüft. An der UMM wurden über 170 Plasmaspender aus Mannheim und Umgebung identifiziert, die sich nach ihrer überstandenen COVID-19-Erkrankung für eine Plasmaspende bereit erklärt haben. Diese Spender wurden befragt und auf Ihre Eignung für eine Blutplasma-Spende evaluiert.

Das so gewonnene Blutplasma soll direkt bei Patienten mit mittelschweren und schweren Erkrankungsverläufen eingesetzt werden. Die Wirksamkeit wird derzeit in klinischen Studien analysiert; an der UMM startet dafür die sogenannte CAPSID-Studie. Diese deutschlandweite erste multizentrische randomisierte Studie steht unter anderem auch Patienten in Ulm, Tübingen, Frankfurt oder Homburg/Saar offen. Mit dem Einschluss des ersten Patienten in Mannheim wird in den nächsten Wochen gerechnet. „Auch wenn aktuell nur wenige Patienten mit COVID-19 stationär behandelt werden müssen, ist es wichtig, dass wir bei einer erneuten Erkrankungswelle die Voraussetzungen für eine schnelle klinische Überprüfung dieser Behandlungsoption haben“, betont Dr. med. Thomas Kirschning, Geschäftsführender Oberarzt der Intensivmedizin, der die klinische Studie an der UMM leitet.

Weitere potenzielle Anwendungsgebiete für das Rekonvaleszentenplasma können die Entwicklung und Validierung von Testsystemen sein oder die Herstellung von so genannten Hyperimmunglobulin-Präparaten. Das sind Antikörperkonzentrate, die aus Plasmaproben unterschiedlicher Spender gewonnen werden.

Coronavirus-Taskforce: Wissenschaftler aus Mannheim und Heidelberg schließen sich zusammen

Meldung vom 12. April: Die Coronavirus-Taskforce führt zahlreiche Forschungsprojekte und Initiativen zu Covid-19 durch – unter anderem in den Bereichen Antikörpertestung, Drug Screening, Krankheitsentwicklung und Impfstoff-Gewinnung. In der Forschung arbeiten Experten verschiedener Disziplinen zusammen, darunter Immunologen, Virologen, Genomforscher, Psychologen und Bioinformatiker. 

Im Kampf gegen das Coronavirus schließen sich die Unikliniken Heidelberg und Mannheim mit weiteren Wissenschaftlern zusammen. (Symbolfoto)

Zu den Forschungsthemen der Taskforce gehören die Entwicklung von Tests ebenso wie die Prüfung antivitaler Wirkstoffe mit dem Schwerpunkt auf bereits zugelassene Medikamente. 

Coronavirus-Taskforce: Wissenschaftler forschen an Antikörper-Test

Die Wissenschaftler aus Mannheim und Heidelberg gehen außerdem der Frage nach, wann Erkrankte nicht mehr ansteckend sind, wann Antikörper gegen das Virus entstehen und ob diese wirklich vor einer Infektion mit dem Coronavirus schützen. „Dazu müssen entsprechende Antikörper-Testverfahren etabliert und validiert werden“, heißt es in einer Mitteilung der Universität Heidelberg am Mittwoch. 

Bei der Prüfung von antiviralen Wirkstoffen zur Behandlung von Covid-19-Patienten konzentrieren sich die Wissenschaftler vor allem auf Substanzen, die bereits für die Behandlung anderer Erkrankungen zugelassen wurden, etwa im Bereich der Immunmodulation oder anderer Infektionskrankheiten wie zum Beispiel der Malaria. 

Die IMMUNITOR Studie der Universitätsmedizin Mannheim 

Bei der IMMUNITOR Studie der Universitätsmedizin Mannheim geht es darum Antikörper von genesenen Patienten im Blut nachzuweisen. In dieser Studie soll geklärt werden, wie viele Personen in der Bevölkerung gegebenenfalls schon immun sind und wie gut die derzeit verfügbaren Testverfahren sind. Im Gegensatz zu vielen anderen Aufrufen, wie dem Plasmazentrum Heidelberg, verfolge die Universitätsmedizin Mannheim keinerlei kommerziellen Interessen mit den Spenden der Probanden, sondern möchte lediglich der Forschung dienen. 

„Auf lange Sicht wird es sehr wichtig sein Patienten, die sicher gegen das Sars-Cov-2 Virus immun sind identifizieren zu können, vor allem wenn diese in systemrelevanten Berufen wie der Pflege oder dem Supermarkt arbeiten“, so Maximilian Kittel vom Institut für klinische Chemie der Universitätsmedizin Mannheim. 

Coronavirus in Mannheim und Heidelberg: Taskforce untersucht Covid-19-Symptome

Darüber hinaus untersuchen Mitglieder der Taskforce, warum es bei einigen der Coronavirus-Patienten zu schweren Erkrankungen kommt, während andere nur leichte Symptome zeigen. Dabei sollen neue Ansätze wie etwa Computermodelle von Lungengewebe helfen, die Infektionsausbreitung analysieren und deren Beitrag zum Krankheitsgeschehen zu entschlüsseln. Ein weiterer wichtiger Schwerpunkt der Coronavirus-Taskforce ist die Entwicklung eines Impfstoffes, bei dem die Forscher auf eine am DKFZ etablierte Technologie zurückgreifen. Unterdessen verteilt die Stadt Heidelberg Gratis-Schutzmasken an niedergelassene Ärzte im Stadtgebiet.  pm/kab

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