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Chemie-Unfall in Mannheim: BASF äußert sich zu „bedauerlichem Fall“

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Von: Daniel Hagen

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Mannheim - Seit über 24 Stunden findet am Hafen ein Großeinsatz statt. Vertreter der Feuerwehr, der Polizei, der Stadt und der BASF erklären den aktuellen Stand.

Ein Chemie-Unfall im Mühlaufhafen in Mannheim hält die Einsatzkräfte seit Dienstag (23. August) in Atem. Dort steht ein mit rund 200 Fässern gefüllter Container, die die Substanz Hydrosulfit enthalten. Aus bislang unbekanntem Grund reagiert die Chemikalie und setzt dabei ätzende Gase frei. Auch über 24 Stunden später ist der Einsatz noch nicht beendet.

Feuerwehr, Polizei, BASF und Stadt Mannheim äußern sich zu Chemie-Unfall

Rund 25 Stunden nach Beginn des Einsatzes am Mühlauhafen in Mannheim erklären Vertreter von Feuerwehr, Polizei, der Stadt selbst sowie der BASF den aktuellen Stand. So sei die Gefahr zwar erstmal gebannt, ein Ende stehe aber noch nichts fest. Immerhin hat die Feuerwehr ihre Präsenz am Unfallort herunterfahren können.

Laut Feuerwehrkommandant Thomas Näther sind zu Spitzenzeiten rund 150 Feuerwehrleute im Einsatz. Da es durch Sperrungen auch zu Störungen des Verkehrs kommt, sind zudem noch rund 100 Polizisten beschäftigt. In der Nacht habe man die Zahl der Kräfte jedoch reduzieren können. Diese befinden sich rund um die Uhr am Container und kühlen diesen mit Wasser herunter.

Löschboot und BASF-Turbolöscher während Chemie-Unfall von Mannheim im Einsatz

Gerade zu Beginn des Einsatzes in Mannheim habe es laut Näther viel Wasser gebraucht – was sich als schwierige Aufgabe herausstellt. Mithilfe des Feuerwehrbootes und einem Turbolöscher der BASF gelingt es aber, den Container samt Inhalt herunterzukühlen.

Seit Mittwochmorgen (24. August) bewerten die Experten die Situation, um den weiteren Verlauf zu planen. Die Stadt hat laut Erstem Bürgermeister Christian Specht einen Verwaltungsrat einberufen. Die BASF, deren Fässer sich in dem Container befinden, sitzt ebenfalls mit im Boot.

Chemie-Unfall: Ende des Einsatzes in Mannheim noch offen

Bislang ist es den Einsatzkräften noch nicht möglich gewesen, den Container zu öffnen und die Fässer zu begutachten. Wann das passieren wird, lasse sich laut Feuerwehrchef Näther und Linda von dem Bussche, Leiterin Sicherheit und Umwelt der BASF, noch nicht sagen. Denn sobald die Feuerwehrleute mit dem Löschen aufhören, steige die Temperatur wieder gefährlich an.

Dadurch könnte es im schlimmsten Fall eine plötzliche Brandentwicklung geben, bei der akute Gefahr besteht. Immerhin können die Experten versichern, dass es kein Explosionsrisiko gibt. Die Wolke aus der als „Gefahrstoff“ klassifizierten Substanz kann aber zu Symptomen wie Atemproblemen, Übelkeit und brennenden Augen führen.

Pressekonferenz zum Chemie-Unfall in Mannheim.
Pressekonferenz zum Chemie-Unfall in Mannheim. © MANNHEIM24/Daniel Hagen

Mindestens 18 Personen bei Chemie-Unfall in Mannheim verletzt

Die Auswirkungen der Chemikalie Hydrosulfat haben am Dienstag insgesamt 18 Menschen am eigenen Leib erfahren. Bei 17 davon handelt es sich um Polizisten, die nach der Alarmierung zuerst am Einsatzort im Mühlauhafen angekommen sind. Hinzu kommt ein Kranführer, der von der gewaltigen Wolke erfasst worden ist. Alle kommen glücklicherweise mit leichten Verletzungen davon.

Damit es den Menschen in der Umgebung nicht ähnlich ergeht, seien laut Bürgermeister Christian Specht am Abend 35 Personen aus umliegenden Gebäuden evakuiert und in ein Wohnheim untergebracht worden. Zudem wird ein Gefahrenradius festgelegt, der immer weiter ausgebreitet wird. Mittlerweile liegt er aber wieder bei 50 Metern und die Bewohner können am Morgen in ihre Häuser zurückkehren.

Container am Mannheimer Hafen kann noch nicht geöffnet werden

Wie Christian Specht erklärt, bestehe zwar momentan keine „akute Gefährdung“, die Anwohner in Jungbusch oder der Neckarstadt sollen aber trotzdem weiterhin ihre Fenster und Türen geschlossen halten, weil die Chemikalie beim Öffnen des Containers plötzlich wieder reagieren könnte. Rund um die Uhr sind zudem fünf Messwagen im Einsatz, die die Luft messen. Bislang gebe es „keine relevanten Werte“ – auch nicht in Ludwigshafen.

Bis der Container geöffnet wird, könnte aber noch etwas Zeit vergehen. Denn laut Thomas Näther werde erst ein Versuch gestartet, wenn das Behältnis am Hafen ohne Löschmaßnahmen unter einer Temperatur von 50 Grad bleibt. Wie lange das dauern wird, können die Experten von Stadt, Feuerwehr und BASF aber nicht abschätzen. Es sei wichtig, eine selbstständige „statische Lage“ zu bekommen. „Erst dann können wir tatsächlich das Risiko eingehen, diesen Container zu öffnen“, betont Näther.

Gefahrgutaustritt Mannheim
Die Feuerwehr kühlt einen Container voller Chemie-Fässer. © Dieter Leder/dpa

BASF will Lehren aus dem Chemie-Unfall in Mannheim ziehen

Sobald der Container aber geöffnet und die Fässer, in denen sich laut der BASF-Sicherheitschefin rund 22 Tonnen Hydrosulfit befinden, inspiziert worden sind, beginnt der Abtransport. Wie der genau aussehen soll, liegt auch am Zustand der Behältnisse. Die Fracht ist eigentlich auf dem Weg in die Türkei gewesen, als das Unglück passiert.

Wie genau es zu dem Chemie-Unfall gekommen ist, muss ebenfalls noch ermittelt werden. Wie Linda von dem Bussche betont, werde die BASF diese Informationen dann nutzen, um einen solchen „bedauerlichen Fall“ in Zukunft verhindern zu können. Immerhin scheint es keine großen Auswirkungen auf die Umwelt zu geben. Laut Dr. Jürgen Schönung vom Labor des Klärwerks Mannheim sei zwar etwas von dem Stoff ins Abwasser gekommen, jedoch ohne Konsequenzen. (dh)

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