Skepsis an Vakzin unbegründet?

AstraZeneca-Impfstoff: Jetzt auch für Ü65 – Impfkommission hebt Altersgrenze auf

AstraZeneca-Impfstoff - Die Stiko empfiehlt das Vakzin nun auch für ältere Menschen. Bislang gab es eine Altergrenze von 64 Jahren. Mehr Infos dazu:

Update vom 4. März: Der Corona-Impfstoff von AstraZeneca ist auch für ältere Menschen ab 65 Jahren geeignet. Zu diesem Ergebnis kommt nach Angaben des Bundesgesundheitsministeriums die Ständige Impfkommission (Stiko). „Das ist eine gute Nachricht für alle Älteren, die auf eine Impfung warten. Sie können schneller geimpft werden“, so Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) am Donnerstag. Ein Statement der Stiko steht dazu noch aus.

Bislang empfahl das Gremium das Mittel nur für 18- bis 64-Jährige, da für Ältere zunächst nicht genügend Studien durchgeführt wurden. Beim Bund-Länder-Gipfel wurde festgehalten, dass der AstraZeneca-Impfstoff ausweislich von Studienergebnisse aus Großbritannien generell eine hohe Wirksamkeit aufweise. Dies sei auch in der älteren Bevölkerung der Fall. „Dazu erwarten Bund und Länder eine kurzfristige Entscheidung der Stiko über die Empfehlung des Impfstoffs für die Bevölkerungsgruppe über 65
Jahre, um die Impfterminvergabe entsprechend zügig anpassen zu können, damit der Impfstoff schnell und priorisierungsgerecht
verimpft werden kann“, so Spahn.

AstraZeneca: Verbessert längeres Intervall zwischen Impfungen die Wirkung?

Update vom 23. Februar: Eine Verlängerung des Intervalls zwischen den beiden Impfungen mit dem AstraZeneca-Wirkstoff führt nicht zu einer Abschwächung der Schutzwirkung, wie das Ärzteblatt berichtet. Diese Vorgehensweise wird in Großbritannien praktiziert sowie in anderen Ländern diskutiert. In Großbritannien gibt es – anders als in Deutschland - keine Altersbeschränkung bei der Verimpfung von AstraZeneca.

Ganz im Gegenteil: Studien haben sogar ergeben, dass die Schutzwirkung nach der 1. Dosis bis zu einem Dosierungsintervall von drei Monaten langsam zunimmt. Nach der 2. Dosis kommt es zu einen weiteren Anstieg.

Immunologische Daten kommen zum Schluss: Geimpfte, bei denen die Auffrischung nach mehr als 12 Wochen erfolgte, hatten mehr als doppelt so hohe Antikörpertiter wie diejenigen, die die 2. Dosis innerhalb von sechs Wochen nach ihrer ersten Impfung erhalten haben.

Die Schutzwirkung hätte im Verlauf des Intervalls vor der 2. Dosis bei den Probanden, die bei der 1. Impfung die volle Dosis verabreicht bekommen haben, nicht­ nachgelassen. Vielmehr kam es sogar zu einem tendenziellen Anstieg der Impfstoffwirksamkeit von 55,1 Prozent (33,0 bis 69,9 Prozent) bei einem Intervall von weniger als sechs Wochen auf 81,3 Prozent (60,3 bis 91,2 Prozent) bei einem Intervall von 12 Wochen oder mehr. Aus diesem Grund hat die britische Impfkommission („Joint Committee on Vaccination and Immunisation“) entschieden, eine Verschiebung der 2. Dosis auf bis zu drei Monate zu erlauben, um mit der begrenzten Impfstoffmenge möglichst viele Personen impfen zu können.

Fazit: Das Astra-Zeneca-Vakzin sei ein hocheffektiver Impfstoff, der die Kliniken und Intensivstationen entlasten kann. Dort wo er eingesetzt wird, sollte die Zahl der schweren Erkrankungen zurückgehen.

AstraZeneca: „Geringere Wirksamkeit“? Experten appellieren an Bürger

Erstmeldung vom 20. Februar: Am 29. Januar wurde der vektorbasierte Corona-Impfstoff des schwedisch-britischen Pharmaunternehmens AstraZeneca in Deutschland zugelassen. Nach anfänglichen Produktionsschwierigkeiten und Lieferengpässen hat AstraZeneca mittlerweile 780.000 Dosen an die Bundesrepublik geliefert. Damit stehen neben den Präparaten von BioNTech und Moderna nun drei Impfstoffe zur Verfügung. Da das Vakzin zunächst für Personen unter 65 Jahren zugelassen ist, soll es vornehmlich Ärzten, Pflegepersonal und Rettungskräften verabreicht werden.

UnternehmenAstraZeneca
SitzCambridge, Vereinigtes Königreich
CEOPascal Soriot

Impfstoff von AstraZeneca in Baden-Württemberg fast nicht genutzt

Im Südwesten scheint es der neue Impfstoff von AstraZeneca aber besonders schwer zu haben: Aus dem digitalen „Impfquotenmonitoring“ des Robert-Koch-Instituts vom Mittwoch (17. Januar) geht hervor, dass das „Covid-19 Vaccine“ von AstraZeneca in Baden-Württemberg erst 1.086 Mal verabreicht wurde. Dabei hat das Bundesland nach Angaben des Sozialministeriums rund 100.000 Impfdosen erhalten, die fast ausnahmslos den Krankenhäusern im Land zur Verfügung gestellt wurden.

Noch in dieser Woche sollen dann auch die Impfzentren in Baden-Württemberg versorgt werden: „In den Kreisimpfzentren stehen diese Woche erstmals jeweils 400 Impfdosen zur Verfügung“, sagt ein Sprecher des Sozialministeriums auf Anfrage von HEIDELBERG24. Damit nach der Corona-Impfverordnung des Bundes zunächst „Personen der Prio 1“ geimpft werden: also „Mitarbeitende der Rettungsdienste, Ärzte der Prio 1, Zahnärzte der Prio 1 und Personen unter 65, die im Pflegebereich z.B. in der ambulanten Pflege, arbeiten.

AstraZeneca-Vakzin: Baden-Württemberg fast Impf-Schlusslicht

Ein Grund für die geringe Zahl an Corona-Impfungen mit AstraZeneca in Baden-Württemberg sei, dass die ersten Krankenhäuser den Impfstoff vergangene Woche erst vom 11. Februar an abholen konnten, so das Sozialministerium. „Die Kliniken, die aus der zweiten Lieferung Impfstoff erhalten haben, konnten diesen erst seit Montag dieser Woche in den Impfzentren abholen.“ Dieser könne erst nach und nach verabreicht werden.

Was das Impfen mit AstraZeneca anlangt, ist das Ländle damit im nationalen Vergleich fast Schlusslicht: Nur Brandenburg hat mit 891 weniger Dosen des schwedisch-britischen Hersteller verimpft. In Nordrhein-Westfalen wurde das Präparat bereits 18.634 Mal verabreicht, in Bayern 14.631 Mal.

AstraZeneca: Skepsis wegen „geringerer Wirksamkeit“?

Zuletzt hatte es vermehrt Medienberichte gegeben, dass Menschen in Deutschland Impftermine mit dem AstraZeneca-Vakzin nicht wahrgenommen haben. So seien beispielsweise im Rahmen einer „Sonderimpfung im medizinischen Bereich“ am Wochenende im Saarland über 50 Prozent der 200 angemeldeten Impflinge nicht gekommen, hatten den Termin aber auch nicht abgesagt. Eine mögliche Erklärung lieferte Saarlands Gesundheitsministerin Monika Bachmann (CDU): Das Fernbleiben könne mit einer geringeren Wirksamkeit des Impfstoffs zusammenhängen. Während die beiden mRNA-Impfstoffe von Biontech und Moderna eine Wirksamkeit von über 90 Prozent aufweisen, ist das Vakzin von AstraZeneca „nur“ zu 70 Prozent wirksam.

Ein Arzt hält ein Fläschchen mit dem Impfstoff von AstraZeneca in der Hand.

Zuletzt hatte Frank Ulrich Montgomery, der Vorsitzende des Weltärztebundes, eine Kontroverse ausgelöst. Montgomery hatte Verständnis dafür gezeigt, wenn medizinisches Personal oder Pflegekräfte sich nicht mit dem Mittel des schwedisch-britischen Herstellers gegen Corona impfen lassen wollten: Die geringere Wirksamkeit lasse sich nicht wegdiskutieren. „Daher halte ich es für geboten, Menschen mit hohem Infektionsrisiko, zu denen medizinisches Personal oder Pflegekräfte gehören, mit besser wirksamen Vakzinen zu impfen“, so Montgomery. 

Vakzin von AstraZeneca: Impfstopp wegen Nebenwirkungen?

Zudem mehren sich Berichte über Nebenwirkungen nach der Impfung mit dem AstraZeneca-Präparat: An zwei Kliniken in Niedersachsen wurden die Impfungen nach Klagen von Angestellten sogar gestoppt. Am Herzogin-Elisabeth-Hospital in Braunschweig meldeten sich 37 von 88 geimpften Personen am Tag nach der Impfung krank. Daraufhin wurden die Impfungen ausgesetzt ‒ um den Krankenhausbetrieb nicht zu gefährden. Auch am Klinikum Emden kam es nach der Impfung zu Ausfällen des Personals.

Eine Dosis des Corona-Impfstoffs von AstraZeneca wird vorbereitet.

Diese Schwierigkeiten sind auch in anderen Bundesländern bekannt. Klinik- oder Dienststellen-Schichten können nicht mehr besetzt werden, weil Geimpfte mit grippeähnlichen Symptomen im Bett liegen. Das sei allerdings normal, heißt es. Nebenwirkungen treten wie bei der Influenza-Impfung auch bei den Vakzinen von BioNTech und Moderna auf. Oft kommt es zu Schmerzen an der Einstichstelle oder eben grippeähnlichen Symptomen, die aber meist innerhalb eines Tages abklingen. AstraZeneca teilte mit, die gemeldeten Reaktionen lägen im Bereich dessen, was die Erkenntnisse der klinischen Studien haben erwarten lassen.

AstraZeneca: Ärzte und Immunologen werben für Impfstoff

Indes bemühen sich Mediziner und Politiker die Zweifel an der Wirksamkeit des AstraZeneca-Impfstoffs zu zerstreuen: Der Impfstoff sei gut und wirksam, betonten der Präsident der Bundesärztekammer, Klaus Reinhardt, und der Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Immunologie, Carsten Watzl. Auch Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hatte am Mittwoch für den Impfstoff geworben. „Das Mittel von AstraZeneca ist ein sehr guter Impfstoff, auch wenn die anderen noch ein bisschen besser sind“, sagte Watzl der „Augsburger Allgemeinen“.

Spritzen und eine Impfpackung des Impfstoffs von AstraZeneca.

Durch den in Deutschland verlängerten Abstand zwischen erster und zweiter Dosis werde die Wirksamkeit von AstraZeneca mutmaßlich auf 80 Prozent erhöht. Der Impfstoff biete einen deutlichen Schutz vor einer Corona-Erkrankung, der um ein Vielfaches besser sei als ohne Impfung. Zudem stellte Watzl eine spätere Nachimpfung mit einem mRNA-Vakzin in den Raum: „Man kann die Immunität, die man mit dem Astrazeneca-Impfstoff ausgelöst hat, ohne Probleme mit einem mRNA-Impfstoff später noch einmal verstärken.

AstraZeneca-Impfstoff: Alles nur ein Kommunikations-Problem?

Die Grünen warfen der Regierung im Zusammenhang mit dem AstraZeneca-Impfstoffmassive Kommunikationsversäumnisse“ vor. Es werde zu wenig erklärt, über die Wirksamkeit des Impfstoffes würden „Schauergeschichten“ erzählt. Dabei sei eine Wirksamkeit von 70 Prozent für Impfstoffe keine Seltenheit, sagte die Grünen-Gesundheitspolitikerin Kordula Schulz-Asche der „Welt“. Der Linke-Gesundheitspolitiker Achim Kessler forderte in derselben Zeitung Freiheit bei der Wahl des Impfstoffs ‒ vorausgesetzt, es sei genug Impfstoff für alle vorhanden. Auch Weltärztebund-Chef Montgomery hatte eine Auswahlmöglichkeit gefordert, um die Impfbereitschaft hoch zu halten.

Indes rief Klaus Reinhardt, Präsident der Bundesärztekammer, seine Kollegen dazu auf, sich mit dem AstraZeneca-Vakzin impfen zu lassen: „Sie schützen damit sich selbst und andere.“ Der Impfstoff schütze wie die Vakzine von Biontech und Moderna „nachweislich vor Ansteckung, und es verringert das Risiko schwerer und tödlicher Verläufe“, betonte der Ärztepräsident. Um das Vertrauen der Bürger in die Corona-Schutzimpfung zu stärken, sollten Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (SPD) und Kanzlerin Angela Merkel (CDU) sich bald impfen lassen, schlug FDP-Fraktionsvize Michael Theurer gegenüber „Bild“ vor: „Es wäre sicherlich ein sehr positives Signal, wenn sich Bundeskanzlerin und Bundespräsident zeitnah öffentlich impfen lassen würden. Das wirkt vertrauensbildend.

Impfstoff von AstraZeneca: Gesundheitsminister Lucha gegen „Wunschkonzert“

Baden-Württembergs Gesundheitsminister Manne Lucha (Grüne) bescheinigte dem Corona-Impfstoff von AstraZeneca im SWR einen „hervorragenden Leumund“. Auch habe er gar kein Verständnis dafür, wenn sich Menschen damit nicht impfen lassen würden. Das Vakzin von AstraZeneca sei „absolut hochwertig“, habe einen hohen Wirkungsgrad und eine ausgesprochen gute Forschungs- und Zulassungslage.

Dass der Impfstoff als Vektor-Impfstoff Nebenwirkungen wie leichte grippale Infekte habe, dass sei bekannt. Zweifel aber an der Wirksamkeit und der Sinnhaftigkeit bestünden nicht. Auch sei AstraZeneca leichter einsetzbar und lagerbar. Insgesamt könnten wir froh sein, überhaupt so wirksame Impfstoffe zu haben, erklärte Lucha. Es gehe nicht darum, welches Wunschkonzert wir jetzt gerne hätten. (rmx mit dpa)

Rubriklistenbild: © Kay Nietfeld/dpa

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