Klaudia in der Fastenzeit

40 Tage ohne ... Fleisch ist vorbei!

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Mannheim - 40 lang werde ich versuchen kein Fleisch zu essen. Lest hier wie es mir dabei geht:

Tag... ist ja auch Wurst, es ist vorbei!


Es ist endlich geschafft! Ich kann wieder der Fleischeslust frönen! Geschwächt schleppte ich mich am Ostersonntag zu meinen Eltern. Die Fleischpastete ist sonst auch immer schon ein kulinarisches Highlight, aber an diesem Sonntag erst recht. Die Kruste ist knusprig und mit kleinen Speckwürfeln versehen und die Pastete schmiegt sich sanft an meinen Gaumen. Mir steigen Tränen in die Augen bei dieser Geschmacksexplosion. 

Ich weiß jetzt was die Leute meinen: „Ein Orgasmus in meinem Mund!“ Das ist doch keine Übertreibung. Von da an gibt es kein Halten mehr. Der Schinken wird vertilgt, Muttis Braten mit Pflaumen und dann gleich Eintopf mit Gulasch hinterher. So langsam kann ich nicht mehr. Aber ich will immer noch ein kleines Stückchen probieren, noch ein kleines Stückchen, dann ist aber Schluss!

Die Bilanz

Irgendwann liege ich halbkomatös mit dickem Bauch auf dem Sofa und denke über diese Erfahrung nach. Warum wollen Menschen heutzutage verzichten? Ich glaube das liegt an unserer Wohlstandsgesellschaft. Wir sind einfach zu verwöhnt und zu übersatt wie ich gerade. Wir haben keine Probleme (also nichts wirklich Wichtiges), wir werden von außen nicht diszipliniert. Keine wilden Tiere jagen uns und zwingen uns stundenlang durch die Gegend zu rennen. Wir müssen nicht hungern, müssen nicht essen was da ist und wir müssen uns auch keinen Winterspeck anfressen. Deswegen wollen wir uns vielleicht selbst regulieren. Wir schränken uns ein und essen kein Fleisch, keinen Zucker und um Himmels Willen keine Kohlenhydrate. Wir gehen zum Yoga, laufen den Halbmarathon und stemmen Gewichte. Das gibt uns Struktur und einen Sinn. Wir formen unseren Körper, unseren Zeitplan und unser ganzes Leben.

Aber wozu das Ganze? 

Trotz der Unannehmlichkeiten und den Schwierigkeiten bei der Futterbeschaffung fühle ich mich irgendwie gut. Aber warum? Vielleicht weil es gerade nicht so einfach war. Ich konnte nicht einfach wahllos ins Regal oder in den Kühlschrank greifen. Ich fühlte mich wie ein Jäger in der super light Version. Ich hatte ein Ziel und jetzt bin ich in die Zielgerade eingelaufen. 

Das ist einfach ein gutes Gefühl, denke ich und falle dann nun wirklich ins Fresskoma.




Tag 27: Nur noch 13 Tage durchhalten! 

Die Fastenzeit nähert sich langsam dem Ende und ehrlich gesagt bin ich ganz froh. Es stellt sich heraus, dass es nicht ganz so einfach ist im Alltag auf Fleisch zu verzichten. Denn gerade wenn man es eilig hat und so durch die Supermarktregale schlendert, sieht man dass die meisten Fertiggerichte Fleisch enthalten. Ich will doch manchmal Abends einfach was in die Mikrowelle werfen können! Nur was? Vielleicht ist das einen Geschäftsidee! Gerichte für den faulen Vegetarier!

Als ich vor lauter Hunger und Langeweile gegoogelt habe was es eigentlich bedeutet Vegetarier zu sein, stieß ich auf einen witzigen Artikel auf Stupedia, der dem Vegetarier zumindest Faulheit in einem Bereich nachsagt:

„Als Vegetarier (indianisch: "zu dumm zum Jagen", auch Blattfresser genannt) bezeichnet man Menschen, die nur pflanzliche Nahrung zu sich nehmen, wie zum Beispiel Laub, Baumrinde, Torfu oder Tabak." 

Die armen Vegetarier! Sie werden nur verspottet! Und verlockt! Meine lieben Kollegen haben es mittlerweile zum Volkssport erhoben mich zu ärgern. Sie kommen regelmäßig vom Einkauf in der Mittagspause und wedeln mit Salami vor meiner Nase herum. „Na Klaudia, so ein richtig schönes Stück Fleich, was wär‘ doch jetzt was!“ 

Gemeinheit! Doch sie kriegen mich nicht! Nur noch 13 Tage...  



Tag 20: Der Geist ist willig, doch das Fleisch ist lecker!

Meine Lieben, es ist passiert. Am Wochenende war mein großer Umzug. Das heißt schnell noch Böden verlegen, streichen, Kisten packen, sperrige Möbel aus dem 4. Stock tragen, wieder in den 2. Stock tragen, alte Wohnung räumen - und das alles ziemlich gleichzeitig.

Für die Umzugshelfer hat mein Lieblingsmensch dann Pizza besorgt und wohl nicht an die vegetarische Alternative gedacht. Und was habe ich getan, völlig entkräftet und zerschunden?

Ich habe sie gegessen! Schande über mein Haupt! Aber es war so köstlich! Schinken und Salami in einer leckeren Tomatensauce, mit zartschmelzendem Käse überbacken –ich bereue nichts.

Doch jetzt reisse ich mich zusammen. Aber wenn in den nächsten Tagen die Küchenzeile kommt und ich sie wieder die Treppen hochhieven muss, kann ich für nichts garantieren.... 



Tag 14: Ich fühle mich irgendwie schwach auf den Beinen...

Gerade schreibe ich noch, dass es mir ja gar nicht so schwer fällt auf Fleisch zu verzichten und siehe da, schon fühle ich mich richtig schwach. Sehnsuchtsvoll bin ich gestern an der Fleischtheke des Supermarktes vorbeigelaufen. Die Fleischfachangestellte schaute mich irgendwie komisch an als ich mir die Nase am Schaufenster plattgedrückte und diese vollsabberte... Warum denn? Ist es nicht verständlich? ICH BRAUCHE DOCH MEIN FLEISCH! Außerdem könnte ich schwören, dass mir vom gestrigen Salat schlecht geworden ist. Vielleicht vertrage ich den jetzt einfach nicht mehr. Mein Körper wehrt sich gegen diese unnatürliche Ernährung. Unsere Vorfahren haben doch auch nicht gesagt: „Oh dieses arme kleine flauschige Mammut. Es hüpft so schön und freut sich seines Lebens. Oh Weh, wann sind diese 40 Tage denn endlich vorbei!  



Tag 13: Schmeckt Tofu immer wie Gummi? 

Was bisher geschah: Entgegen meiner Erwartungen, fiel es mir bisher gar nicht so schwer auf Fleisch zu verzichten. Wie ich festgestellt habe, gibt es gerade in Mannheim zahlreiche Angebote für Vegetarier und auch Veganer. Als mir die gute Falafel letzte Woche dann doch auf die Nerven ging, schlenderte ich zum vegetarischen Restaurant auf der anderen Straßenseite. Hätte ich auch früher draufkommen können!

Dort beschließe ich mich an dieses Tofu zu wagen... oder mir bisher als geschmackloses Stück Gummi bekannt. Ich entdecke auf der Speisekarte einen Tofu- Burger! Nostalgie überschwemmt mich: Burger. Oh ja! Ein richtig schön gegrilltes Stück Fleisch zwischen zwei knusprigen Brötchenhälften mit zartschmelzendem Käse... das vermisse ich schmerzlich.

Doch vielleicht geht das auch mit Tofu, wer weiß. Das Personal des Restaurants scheint sehr glücklich zu sein, alle natürlich bekennende Vergetarier oder Veganer. So behaupten sie zumindest. Alle fleischlos glücklich – diese freilaufenden Vegetarier, denke ich grimmig.

Ich versuche herauszufinden, ob sich Schwächeerscheinungen beim Personal abzeichnen. Sie schaffen es zumindest, mir meinen Teller zu bringen ohne zusammenzubrechen. Selbstbeobachtung: Dieser Fleischverzicht macht mich zynisch... 

Endlich bekomme ich meinen „Burger“ vorgesetzt. Vorsichtig hebe ich das Brötchen an... so schlimm sieht das gar nicht aus. Ein bisschen weich dieses Tofu, aber ich weiß auch gar nicht wie das optimalerweise aussehen muss.

Ich beiße herein, und tatsächlich! Es stellt sich ein Burgergefühl ein! Diese süße Wonne! Der Tofu schmeckt auch nicht wie Gummi sondern würzig und von der Konsistenz wie Hackfleisch. Mir steigen Tränen in die Augen. Wenn das Tofu ist, kann ich ruhig noch ein bisschen auf Fleisch verzichten...

Tag 6: Der „Kassler“ des Grauens 

Es ist fast eine Woche vergangen. Bisher habe ich durchgehalten. Als kleine Anregung, da ich mich einfach nur tagelang von Falafel vom Döner um die Ecke ernährt habe, ließ ich mich von einer vegetarischen Freundin bekochen. Zu ihrem eigenen Schutz werden ich den Namen verschweigen, denn was sie mir vorsetzte, war das Mahl des Grauens für jeden Fleischliebhaber...

Sie sagte: „Ich hab da ein ganz tolles Rezept bekommen. Es soll wie Fleisch aussehen und auch so ähnlich schmecken! Super, oder?“ Da fragte ich mich: Warum sollte man als Vegetarier einen 1-zu-1 Ersatz von Fleisch essen sollen? Gibt es wirklich die perfekte Täuschung? Ich sollte der Sache mal eine Chance geben...

Sie briet und fuhrwerkte in der Küche herum und es roch verdächtig angebrannt. Freudestrahlend und mit vor Vorfreude gerötetem Gesicht, stellte sie mir den Teller auf den Tisch.

„So hier ist es! Man sieht sofort was es sein soll,gell?“ Das sah ich auf Anhieb wirklich nicht. Also wenn es wie ein schwarz-brauner Haufen mit merkwürdigen Bröseln und grünen Stellen aussehen sollte- ja das hat sie dann gut getroffen.

So langsam verschwand die Freude aus ihrem Gesicht. Zweifelnd, ob ich wohl ein bisschen zurückgeblieben war, fragte sie: „Ja siehst du es nicht? Es riecht sogar so ähnlich!“ Ich lächelte sie voller Verzweiflung an. „Also ich weiß jetzt wirklich nicht so genau...“ 

„Ja Kassler-Braten! Ich hab das so vermisst, dass ich das nicht mehr essen kann und jetzt hab ich den perfekten Ersatz!“ Ich bezweifelte das stark. Aber ich überwand mich und kostete ein Stückchen. Wem fällt es eigentlich ein, in quadratische Form gepresste Grünkernbratlinge als Kassler zu bezeichnen? Ein Frevel! Ich nahm kleine Stückchen der unangenehmen Masse zu mir und spülte sie mit einer Flasche Wein runter.

Als ich mit einem Kloß im Magen ihre Wohnung verließ, beschloss ich am nächsten Tag wieder im Döner um der Ecke eine Falafel zu essen... 

Meine Motivation: 

Letztens kam wieder ein „Schweinchen namens Babe“ im Fernsehen. Ich weiß - was für ein Klischee! Aber das erinnerte mich an etwas.Mit Wehmut dachte ich wieder daran, wie ich als Kind mit meiner Mutter neugeborene Ferkel in einem österreichischen Bauernhof gekuschelt habe. Da schworen wir uns mit Tränen in den Augen, nie wieder Fleisch zu essen... Lange haben wir es dann doch nicht durchgehalten. Warum eigentlich nicht?

In meinem Freundeskreis sind ein paar Vegetarier und sogar ein paar Veganer. Regelmäßig diskutiere ich mit ihnen, warum sie das eigentlich machen. Mit vor Empörung geweiteten Augen überschlägt sich dann ihre Stimme und sie sagen so etwas wie: „Wieso sollten wir dieses arme Lamm braten, aber gleichzeitig unser Hündchen NICHT essen?“ 

Aber es gibt auch andere, die sich durch den Fleischverzicht einfach besser und fitter fühlen. Oder etwas für die Umwelt tun - weil sie es nicht unterstützen, dass mehr methanpupsende Rinder unsere Ozonschicht zerstören. Obwohl ich das noch nicht so ganz verstanden habe: Ist es nicht gut wenn ich die methanpupsenden Rinder esse, die die Ozonschicht kaputt machen? So oder so, es gibt genug Gründe auf Fleisch zu verzichten. 

Die anstehende Fastenzeit werde ich dazu nutzen, gemeinsam mit Kollegen - und mit euch, den Fans von MANNHEIM24 und HEIDELBERG24 - zu verzichten. Und zwar auf mein geliebtes Fleisch. 

Ich muss ja wirklich zugeben, dass für mich ein perfektes Abendessen aus einem noch blutigen argentinischen Rinderfilet mit nur einer Priese Meersalz und frisch gemahlenem Pfeffer besteht. Eventuell noch einem Salat dazu. Aber sonst: Kohlenhydrate? Brauch ich nicht. Süßigkeiten? Muss ich nicht. Umso härter werden wohl die nächsten 40 Tage für mich. 

Doch ich werde es wagen! Die Herausforderung: 40 Tage ohne Fleisch! Ihr dürft mich gerne unterstützen, mitmachen, Tipps geben und mich bemitleiden. Ich wiederum werde euch auf dem Laufenden halten, wie und ob ich der Versuchung widerstehen kann.

kp

  

Quelle: Mannheim24

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