Nach dem Putschversuch

Türkische Gemeinde: Erdogan nutzt die Lage gnadenlos aus

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Gökay Sofuoglu sieht die Entwicklungen in der Türkei nach dem gescheiterten Militärputsch kritisch.

München - Der Bundesvorsitzende der Türkischen Gemeinde, Gökay Sofuoglu, hat das Vorgehen von Präsident Recep Tayyip Erdogan nach dem gescheiterten Militärputsch in der Türkei scharf kritisiert.

"Seit dem Wochenende nutzt Erdogan die Situation gnadenlos, um sein Machtmonopol weiter auszubauen", sagte Sofuoglu der Passauer Neuen Presse vom Dienstag. "Erdogan nutzt den Putsch als Vorwand, um gegen Oppositionelle, unabhängige Richter, Anwälte und Journalisten vorzugehen."

Zwar habe der türkische Präsident diese Ziele auch schon vor dem Umsturzversuch verfolgt, sagte Sofuoglu weiter. Aber "jetzt macht er es umso rücksichtsloser". Besorgt äußerte er sich auch über die Forderungen in der Türkei nach einer Wiedereinführung der Todesstrafe.

Sofuoglu äußerte auch die Befürchtung, dass sich der türkische Konflikt bis nach Deutschland ausbreiten könnte. Er selbst bekomme bereits Drohanrufe, in Nordrhein-Westfalen seien Geschäfte von Türkischstämmigen geplündert worden, die angeblich der von Erdogan verfolgten Bewegung des Predigers Fethullah Gülen nahestehen.

Laut Sofuoglu gibt es auf Betreiben Erdogans eine Telefon-Hotline, über die man Hinweise auf türkische Oppositionelle in Deutschland hinterlassen könne. Dabei würden "alle, die etwas gegen Erdogan sagen, entweder als PKK-Aktivisten oder als Gülen-Unterstützer angesehen".

Von zunehmenden Anfeindungen zwischen konservativ-islamisch geprägten und liberal-säkularen Türkischstämmigen berichtete auch der Vorsitzende der Kurdischen Gemeinde in Deutschland, Ali Ertan Toprak. Der Ton wird "schärfer und aggressiver", sagte er der Zeitung "Die Welt" vom Dienstag. Der stellvertretende Vorsitzende der Alevitischen Gemeinde in Deutschland, Aziz Aslandemir, nannte die Situation "sehr beängstigend".

Besorgt wegen der Gefahr, dass der innertürkische Konflikt auf Deutschland übergreifen könnte, zeigte sich auch der Vorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG), Rainer Wendt. "Der gescheiterte Putschversuch könnte dazu führen, dass sich Türken, die dem Erdogan-Lager zuzurechnen sind, aufgefordert fühlen, gegen kurdische Menschen in Deutschland gewaltsam vorzugehen." Auch könnten dann radikale Islamisten Spannungen zwischen Türken und Kurden ausnutzen. "Die schrecken durchaus auch vor Gewalt nicht zurück", warnte Wendt.

afp

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