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Russischer Wissenschaftler stirbt zwei Tage nach Verhaftung

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Von: Lukas Zigo

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Russlands Präsident Putin bei Geheimdiensttreffen
Alexander Bortnikow (l.), Leiter des russischen Inlandsgeheimdienstes FSB, Wladimir Putin, Präsident von Russland, und Sergei Naryschkin, Leiter des russischen Auslandsgeheimdienstes SWR. (Archivfoto) © Alexei Nikolsky/dpa

Wegen in China gehaltener Vorträge wird ein sterbenskranker russischer Wissenschaftler im Krankenhaus verhaftet und nach Moskau geflogen. Dort starb er.

Moskau – Vergangene Woche wurde ein russischer Laser-Wissenschaftler in Sibirien wegen Verdachts auf Staatsverrat verhaftet und nach Moskau geflogen, obwohl er an fortgeschrittenem Bauchspeicheldrüsenkrebs litt. Angaben seiner Anwälte und eines Familienmitglieds zufolge ist er am Sonntag (03. Juli 2022) verstorben.

Der 54-jährige Physiker Dimitri Kolker wurde aus seinem Krankenhausbett geholt, wo er über eine Sonde ernährt wurde. Man habe ihn auf einen mehr als vierstündigen Flug nach Moskau verfrachtet, wo er nach Angaben der Anwälte in das Lefortovo-Gefängnis gebracht wurde und später in einem nahe gelegenen Krankenhaus starb.

Russland: Laserspezialist soll Staatsgeheimnisse an China verraten haben

Der Cousin des Wissenschaftlers, Anton Dianov, sagte der Nachrichtenagentur Reuters, die Anschuldigungen gegen den Laserspezialisten, er habe Staatsgeheimnisse an China verraten, seien absurd. „Er war ein Wissenschaftler, er liebte sein Land, er arbeitete in seinem Land, trotz vieler Einladungen von führenden Universitäten und Labors, im Ausland zu arbeiten. Er wollte in Russland arbeiten, er wollte dort Studenten unterrichten“, sagte er.

„Diese Anschuldigungen sind absolut lächerlich und äußerst grausam und ungewöhnlich für einen so kranken Mann. Sie wussten, dass er auf dem Sterbebett lag, und haben sich entschieden, ihn zu verhaften“.

Russland: Wissenschaftler soll in Vorträgen in China Hochverrat begangen haben

Die Familie und die Anwälte erklärten, Kolker sei vom Sicherheitsdienst FSB festgenommen und sein Haus durchsucht worden. Sie sagten, die Anklage wegen Hochverrats – auf der eine Strafe von bis zu 20 Jahren steht – basiere auf Vorträgen, die Kolker in China gehalten habe, obwohl der Inhalt vom FSB genehmigt worden sei.

Der Anwalt Alexander Fedulov sagte gegenüber Reuters, er habe versucht, die Behörden im Namen von Kolker zu kontaktierten. Er sei jedoch von der FSB-Ermittlungsabteilung und vom Gefängnis abgewiesen worden. Er sagte, er werde am Montag (04. Juni 2022) Klage über die Umstände von Kolkers Inhaftierung einreichen.

Russland: Verhaftungen von Wissenschaftlern oft wegen „unbegründeter Paranoia“

Am Samstag (02. Juni 2022) meldete die staatliche Nachrichtenagentur TASS, dass Russland einen zweiten Wissenschaftler in Nowosibirsk wegen des Verdachts auf Staatsverrat inhaftiert habe. Es war nicht klar, ob die beiden Fälle miteinander in Verbindung stehen.

In den letzten Jahren wurde eine Reihe russischer Wissenschaftler verhaftet und des Landesverrats angeklagt, weil sie angeblich sensibles Material an Ausländer weitergegeben haben sollten. Kritiker des Kremls sagen, dass die Verhaftungen oft auf unbegründete Paranoia zurückzuführen sind. Auch russische Oligarchen und Top-Manager aus dem Öl- und Gassektor werden vermehrt Opfer von „Mordselbstmorden“.

Russland: Cousin verteidigt Wissenschaftler unter Tränen

Der Cousin Dianov sagte, Kolker sei auch ein hoch qualifizierter Konzertpianist und Organist gewesen, der sowohl in Russland als auch in Europa aufgetreten sei.

„Ich bin der Meinung, dass jemand, der so schöne Dinge produziert hat, nicht das getan haben kann, wessen man ihn beschuldigt. Und so werde ich ihn immer in Erinnerung behalten“, sagte er und kämpfte mit den Tränen. „Das ist es, was Dima für mich und den Rest der Familie ist.“ (lz)

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