Leichterer Zugang zum Arbeitsmarkt

IfW-Präsident schlägt Lohnsubventionen für Flüchtlinge vor

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Dennis Snower, Präsident des Kieler Instituts für Weltwirtschaft.

Kiel - Die Ökonomen des IfW in Kiel bleiben zuversichtlich: Der Konjunkturmotor in Deutschland läuft, die Exporte ziehen wieder an. Am Arbeitsmarkt sind Veränderungen zu erwarten - aber erst nach und nach.

Flüchtlinge werden nach Einschätzung des Instituts für Weltwirtschaft (IfW) nur zögerlich und in geringer Zahl am deutschen Arbeitsmarkt Fuß fassen. Die Kieler Ökonomen erwarten zwar 2015 bis 2017 in Deutschland insgesamt rund 2,7 Millionen Flüchtlinge. Durch ihren Zuzug wird nach den IfW-Berechnungen die Zahl der potenziellen Erwerbspersonen im Jahresdurchschnitt 2017 aber nur um rund 470 000 höher sein als ohne Flüchtlingsmigration. Tatsächlich einen Arbeitsplatz dürften aber nur zwei Prozent der Flüchtlinge finden, prognostiziert das Institut. Unter dem Strich wären das das 2017 kumuliert rund 94 000 Erwerbstätige.

Die Wachstumsprognose 2016 für Deutschland hat das Institut von 2,1 Prozent auf 2,2 Prozent angehoben. Die Ausgaben für Flüchtlinge werden aber nur kurzfristig einen stimulierenden Effekt auf die Zuwachsrate des Bruttoinlandsprodukts haben, teilte das IfW am Montag in Kiel mit. Für 2015 und 2017 beließen die Wissenschaftler ihre Prognosen bei unverändert 1,8 Prozent beziehungsweise 2,3 Prozent Wachstum.

Am Arbeitsmarkt wird sich der Rückgang der Arbeitslosenquote von 6,4 Prozent (2015) in den kommenden beiden Jahren mit einer Quote von jeweils 6,3 Prozent kaum noch fortsetzen. Zwar werde die Erwerbstätigkeit kräftig zulegen, gleichzeitig aber auch das Angebot an Arbeitskraft durch die Migration steigen.

Um Flüchtlinge leichter in Arbeit zu bringen, schlägt IfW-Präsident Dennis Snower staatliche Lohnsubventionen über Beschäftigungsgutscheine vor. „Damit sinken die Kosten für den Arbeitgeber“, sagte Snower. „Der Unternehmer kann den Mindestlohn zahlen und hat dennoch niedrigere Kosten für eine begrenzte Zeit, in der sich der Flüchtling einarbeiten kann.“ Auf diese Weise könnten auch Sozialhilfekosten gesenkt werden.

„Treibende Kraft hinter dem Aufschwung ist nach wie vor der starke private Konsum und eine anziehende Investitionstätigkeit“, berichtete das IfW. Hohe Einkommenszuwächse, niedrige Ölpreise, Rentenerhöhungen und Steuersenkungen stärken demnach den Konsum. Die Verbraucherpreise werden nach IfW-Erwartung erst in den nächsten beiden Jahren mit 1,2 Prozent (2016) und 1,8 Prozent (2017) stärker zulegen (2015: 0,3 Prozent). Der deutsche Außenhandel soll „trotz eines enttäuschenden dritten Quartals“ auf Expansionskurs bleiben.

dpa

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