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Heizlüfter-Boom in Baumärkten: Experte warnt – „Kann im Winter fürs Stromnetz gefährlich werden“

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Von: Patricia Huber

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Die Abhängigkeit von russischem Gas schürt Sorgen vor dem Winter. Deshalb kaufen immer mehr Menschen Heizlüfter. Doch günstiger ist das nicht.

München – Putin dreht am Gashahn. Das haben Deutschland und viele andere EU-Staaten in den vergangenen Monaten immer wieder zu spüren bekommen. Man hat gar den Eindruck, der russische Präsident und die Firma Gazprom würden fast willkürlich entscheiden, wie viel Gas über die Nord Stream 1 Pipeline nach Deutschland fließt. Diese Unsicherheit schürt auch bei den deutschen Verbrauchern Ängste. Das zeigt nun zumindest das Kaufverhalten der Bürger.

Gas-Krise: Heizlüfter-Nachfrage enorm gestiegen

Bei der Nachfrage nach elektrischen Heizlüftern gibt es derzeit einen regelrechten Boom. Die Menschen haben vermutlich Angst, dass ihnen im Winter das Gas abgestellt wird und sie deshalb frieren müssen. Daher greifen sie nun zur Heizmethode via Strom. „Wir sehen derzeit eine überdurchschnittliche Nachfrage nach elektrischen Heizgeräten“, heißt es bei Deutschlands größten Elektronikhändlern Media Markt und Saturn. „Wir liegen bei den Verkaufszahlen 100 Prozent über dem Vorjahr“, berichtet auch Florian Preuß von der Baumarktkette Hornbach. Es habe durchaus Fälle gegeben, wo am Montag das Regal mit einer neuen Lieferung Heizlüfter bestückt worden sei und nur ein Tag später sei alles weg gewesen, heißt es in der Baumarkt-Branche.

Heizen mit Strom oder Gas: Was ist günstiger?

Mit Strom die Wohnung zu heizen klingt zwar erst einmal gut, ist aber auf lange Sicht ein Problem. Es dürfte für Verbraucher trotz gestiegener Gas-Preise immer noch deutlich teurer sein, mit Strom zu heizen. Denn die gängigen Heizlüfter benötigen auch eine Menge Strom und auch hier sind die Preise in der Vergangenheit gestiegen. Die FAZ hat an einem Beispiel berechnet, welche Heizmethode wirklich günstiger ist.

Heizen mit Strom oder Gas: Was ist günstiger?

Zuerst einmal hängt der Energiebedarf auch davon ab, wie gut eine Wohnung gedämmt ist. Die FAZ rechnet in ihrem Beispiel damit, dass pro Quadratmeter Raumfläche 100 Watt Strom oder Gas benötigt werden. Bei einer Wohnung von 50 Quadratmetern sind das also 5000 Watt pro Stunde. Bei einem Heizlüfter, mit etwa 1000 Watt Leistung, bräuchte man also fünf Geräte (Preis pro Gerät zwischen 40 und 50 Euro, je nach Hersteller). Rechnet man mit einer Heizperiode von sechs Monaten macht das 182 Tage, an denen etwa 10 Stunden pro Tag geheizt wird. Insgesamt ergibt das also einen Energiebedarf von 9100 Kilowattstunden. Im Juni lag der durchschnittliche Preis für die Kilowattstunde laut vergleich.de bei 37,14 Cent. Somit würden die Stromkosten also etwa 3380 Euro betragen. Die Anschaffungskosten von fünfmal 40 Euro nicht zu vergessen, wären es schon 3580 Euro.

Zum Vergleich: Die Kilowattstunde Gas kostet laut dem Vergleichsportal Verivox derzeit 16 Cent. Das ergibt Gesamtkosten in Höhe von 1456 Euro. Wer seine Wohnung also komplett mit Strom heizt, zahlt also 2124 Euro mehr, als beim regulären Heizen mit Gas.

Elektrische Heizlüfter: Überlastung des Stromnetzes droht

Neben den Kosten für das Heizen mit Strom kommt noch hinzu, dass eine Überlastung des Stromnetzes drohen könnte. „Wenn an kalten Winterabenden millionenfach Heizlüfter angeworfen werden, kann das für das Stromnetz gefährlich werden“, sagt Marco Wünsch, Bereichsleiter Strom beim Analysehaus Prognos gegenüber der FAZ. Ein großflächiger Einsatz von Heizlüftern könnte also das Stromnetz in die Knie zwingen. Auch Energie-Experte Christoph Maurer von Consentec sieht das als Problem: „Das ist ein Szenario, das man fast um jeden Preis verhindern muss.“ Das Heizen mit elektrischen Heizlüftern ist also nicht nur finanziell nicht lohnenswert, es könnte auch die Stromversorgung gefährden. (ph/dpa)

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