Zwei verletzte

Regierungskrise in Haiti: Senator feuert Schüsse vor Parlament ab - Fotojournalist im Gesicht getroffen

Jean Marie Ralph Fethiere feuert seine Handfeuerwaffe ab.
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Jean Marie Ralph Fethiere feuert seine Handfeuerwaffe ab.

In Haiti hat ein Senator vor dem Parlament Schüsse abgefeuert und dabei zwei Menschen verletzt. Er spricht von Selbstverteidigung.

Update vom 28. September: Gewaltsame Proteste haben erneut den Karibikstaat Haiti und seine Hauptstadt Port-au-Prince erschüttert. Es gingen wieder tausende Menschen aus Wut gegen Präsident Jovenel Moïse auf die Straße. Demonstranten warfen mit Steinen und plünderten Geschäfte; die Polizei versuchte, sie mit Tränengas auseinanderzutreiben. Am Morgen hatten Demonstranten in Port-au-Prince die Hauptverkehrsachsen der Stadt lahmgelegt. Mit Laternenpfählen, brennenden Reifen, Baumstämmen und Müllhaufen errichteten sie Barrikaden. Die Polizei antwortete mit Tränengas. Auch Schüsse waren zu hören.

Die Demonstranten übernahmen außerdem eine Polizeistation in einem bitterarmen Stadtteil von Port-au-Prince und entwendeten Blechdächer, Möbel und Polizeischutzausrüstung. "Jetzt nehmen wir alles, was wir brauchen, um unsere Häuser abzudichten, weil wir es satt haben, bei Regenwetter nass zu werden", sagte ein Demonstrant.

Haiti: Gewaltausbruch auf dem Insel-Staat

Während der Regierungskrise ist es in Haiti wieder einmal zu einem Gewaltausbruch gekommen. Ein Senator des Insel-Staates in der Karibik, Jean Marie Ralph Féthière, schoss Medienberichten zufolge am Montag vor dem Parlamentsgebäude in der Hauptstadt Port-au-Prince mit einer Handfeuerwaffe und verletzte dabei zwei Menschen. Féthière gehört der Opposition an, die am Montag zusammen mit Demonstranten zum wiederholten Mal eine Abstimmung im Senat zur Bestätigung des kommissarischen Premierministers Fritz William Michel blockierte.

Bereits im Februar starben Dutzende Menschen bei Protesten

Staatspräsident Jovenel Moïse hatte Michel als Regierungschef nominiert, nachdem dessen Vorgänger Jean Michel Lapin ebenfalls nicht vom Parlament bestätigt worden war. Michel ist schon der vierte Premierminister unter Moïse, der erst seit Februar 2017 Staatschef ist. Gegen seine Regierung fanden am Montag in Haiti zum wiederholten Male Demonstrationen mit Barrikaden aus brennenden Autoreifen statt.

Im Februar waren bei Protesten gegen die Regierung Dutzende Menschen ums Leben gekommen. Auch im Juni kam es zu schweren Krawallen. Die Demonstranten fordern Moïse zum Rücktritt auf. Sie werfen der Regierung vor, Geld aus dem Petrocaribe-Programm veruntreut zu haben, über das Haiti jahrelang Erdöllieferungen aus Venezuela zu günstigen Konditionen erhalten hatte. Wegen Treibstoffmangels hatten Demonstranten vergangene Wochen zeitweise Port-au-Prince lahmgelegt. Am Montagabend sagte Präsident Jovenel Moïse seine geplante Teilnahme an der UN-Generaldebatte in New York ab. Am Sonntag hatte er erklärt, dass seine Teilnahme an der Vollversammlung von der erfolgreichen Amtseinführung der Regierung abhänge.

Fotojournalist im Gesicht getroffen

Bei den Angeschossenen handelte es sich Medienberichten zufolge um einen Wachmann und einen Fotojournalisten. Der Fotograf wurde nach einem Bericht des „Miami Herald“ im Gesicht getroffen, befand sich aber nicht in Lebensgefahr. Féthière sagte örtlichen Medien, Demonstranten seien in das Parlamentsgebäude gestürmt, woraufhin er sich habe verteidigen wollen. "Legitime Selbstverteidigung ist ein heiliges Recht", sagte er.

dpa/AFP

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