1. Ludwigshafen24
  2. Politik & Wirtschaft

Putin erlässt Gesetz: Schwere Strafen für Deserteure und Kriegsdienstverweigerer - über 700 Festnahmen heute

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Marcus Giebel, Magdalena Fürthauer, Bettina Menzel, Stephanie Munk, Andreas Schmid, Fabian Müller

Kommentare

In Russland gibt es Proteste gegen Wladimir Putins Teilmobilmachung, die Ukraine meldet erneut Gebietsgewinne. Putin verschärft die Strafen für Deserteure.

Update vom 24. September, 21.45 Uhr: Wie das Menschenrechtsportal ovd.info berichtet, sind in Russland heute 747 Menschen in insgesamt 32 Städten festgenommen worden. Dies sei die Folge des Durchgreifens der Ordnungskräfte bei Protesten gegen die von Kremlchef Wladimir Putin angeordnete Teilmobilmachung. Es handele sich nur um die namentlich bekannten Männer und Frauen, in Gewahrsam könnten noch deutlich mehr Menschen sein, hieß es. Allein für die russische Hauptstadt Moskau wurden mindestens 380 Festnahmen angegeben - und für St. Petersburg 125.

Die russische Polizei ging teils brutal gegen Teilnehmer der von den Behörden verbotenen Anti-Kriegs-Proteste vor. Aus St. Petersburg wurden in sozialen Netzwerken Videos veröffentlicht, die zeigten, wie Männer in Kampfuniform und mit Helm auf Demonstranten einknüppelten. Das Portal ovd.info berichtete unter Berufung auf Augenzeugen, dass die Sicherheitskräfte Elektroschocker einsetzten.

Ein junger Mann in Uniform schaut auf seinen Pass
Kriegseinsatz oder Gefängnis: In Russland werden die Strafen für Deserteure nach der Teilmobilmachung verschärft. © IMAGO / SNA

Putin erlässt neues Gesetz: Deserteuren drohen nun heftige Strafen - auch Kriegsdienstverweigerer betroffen

Update vom 24. September, 16.20 Uhr: Deserteuren drohen in Russland nun härtere Strafen. Eine entsprechende Gesetzesänderung setzte Wladimir Putin nach der angeordneten Teilmobilmachung für den Ukraine-Krieg in Kraft. Demnach stehen in Zeiten einer Mobilmachung oder des Kriegszustands auf Fahnenflucht bis zu 15 Jahre Haft. Wer sich freiwillig in Kriegsgefangenschaft begibt - dazu hatte die ukrainische Regierung aufgerufen - muss mit bis zu zehn Jahren Haft rechnen. Die in dieser Woche vom Parlament und vom Föderationsrat verabschiedeten und nun per Unterschrift Putins in Kraft gesetzten Änderungen wurden vom Kreml veröffentlicht.

Demnach müssen Russen im wehrpflichtigen Alter oder Reservisten künftig mit bis zu zehn Jahren Haft rechnen, wenn sie die Teilnahme an Kampfhandlungen verweigern. Die Änderungen des Strafrechts sehen zudem vor, dass Befehlsverweigerung künftig ebenfalls mit bis zu zehn Jahren Haft geahndet werden kann. Zudem wurden die Haftstrafen für Plünderungen erhöht.

Ukraine-Krieg: Russen-Demonstranten nach Putin-Protesten festgenommen: „Wir sind kein Fleisch“

Update vom 24. September, 15.25 Uhr: In Russland sind laut Bürgerrechtlern bei Anti-Mobilisierungs-Protesten erneut mehrere Menschen festgenommen worden. Unabhängige Medien zeigten am Samstagmittag Fotos und Videos von Demonstranten unter anderen aus der Stadt Chabarowsk im äußersten Osten des Landes sowie aus Nowosibirsk, Irkutsk, Tomsk und Tschita in Sibirien. Die Menschen halten demnach Plakate mit Aufschriften wie „Wir sind kein Fleisch“ in die Höhe. Auf mehreren Aufnahmen ist zu sehen, wie sie von Polizisten abgeführt werden.

Uniformierte führen eine Frau ab
Gemeinsam sind sie stark: Uniformierte führen eine Demonstrantin in Moskau ab. (Symbolfoto) © IMAGO / SNA

Update vom 24. September, 12.31 Uhr: Ukrainische Streitkräfte wehrten zuletzt offenbar zehn russische Angriffe ab. Das teilte der ukrainische Generalstab am Samstag mit. Demnach hätten ukrainische Streitkräfte auch fast 50 russische Militärstellungen getroffen. Im Laufe des vergangenen Tages feuerten die russischen Truppen offenbar fünf Raketen ab und führten 14 Luftschläge und über 60 Angriffe auf militärische und zivile Ziele der Ukraine durch.

Die Anzahl der Todesopfer der russischen Angriffe mit iranischen Shahed-136-Drohnen auf Odessa am Freitag sei gestiegen, so der Generalstab der Ukraine weiter. Demnach seien zwei Menschen getötet und zwei verletzt worden. Die Angaben ließen sich nicht unabhängig verifizieren.

Russland will offenbar mit Angriffen auf Staudämme Offensive der Ukraine aufhalten

Update vom 24. September, 11.31 Uhr: Mit Angriffen auf Staudämme versucht Russland nach Einschätzung Großbritanniens, die ukrainische Offensive im Osten des Landes aufzuhalten. Am 21. und 22. September hätten russische Truppen den Petschenihy-Staudamm am Fluss Siwerskyj Donez östlich der Großstadt Charkiw mit Kurzstreckenraketen oder ähnlichen Waffen beschossen, teilte das Verteidigungsministerium in London am Samstag unter Berufung auf Geheimdiensterkenntnisse mit. „Aufgrund der Entfernung zwischen den beschädigten Dämmen und den Kampfgebieten ist es unwahrscheinlich, dass die Angriffe zu erheblichen Störungen der ukrainischen Operationen geführt haben“, so das Ministerium weiter.

Bereits am 15. September habe es eine ähnliche Attacke auf den Karatschuniwka-Damm gegeben, der den Fluss Inhulez nahe der zentralukrainischen Stadt Krywyj Rih staut. Das britische Verteidigungsministerium ging damals ebenso wie das US-Militär davon aus, dass Russland nun vermehrt zivile Ziele angreifen werde.

Offenbar zwei Tote und drei Verletzte in Oblast Donezk

Update vom 24. September, 8.41 Uhr:  Am Freitag und in der Nacht auf Samstag wurde in verschiedenen Regionen der Ukraine Luftalarm ausgelöst, darunter etwa in Saporischschja, Charkiw und Donezk. Pavlo Kyrylenko, der Gouverneur des Donezk, meldete am Freitag zwei getötete Zivilisten und drei Verletzte aus seiner Region. Die russischen Streitkräfte hätten einen Zivilisten in Bachmut und einen weiteren in Krasnohoriwka getötet, so Kyrylenko weiter. Seit Beginn der russischen Invasion in der Ukraine wurden in der Oblast Donezk mindestens 882 Menschen getötet, wobei sich die genaue Zahl der Opfer in Mariupol und Wolnowacha zunächst nicht abschätzen ließ, wie die ukrainische Zeitung Kyiv Independent berichtete.

Indes teilten die Kriegsforscher der US-Denkfabrik Institute for the Study of War am Freitag mit, dass die Teilmobilisierung Probleme habe, die vom Kremlchef gestellten Aufgaben zu erfüllen. Russland werde aller Wahrscheinlichkeit nach nicht die Reservekräfte hervorbringen, „die Putins Pläne vorsahen“ - es sei denn, das Land behebe rasch systemische Probleme.

Exhumierung von Leichen in Isjum abgeschlossen: 425 Zivilisten, darunter fünf Kinder

Update vom 23. September, 22.25 Uhr: Die ukrainischen Behörden haben die Exhumierung der Leichen nahe der zurückeroberten Stadt Isjum abgeschlossen. Insgesamt seien 447 Leichen exhumiert worden, teilt die Staatsanwaltschaft der ostukrainischen Region Charkiw am Freitag mit. Bei den Leichen handelt es sich laut Staatsanwaltschaft um 425 Zivilisten, darunter fünf Kinder, sowie 22 ukrainische Soldaten. Nun würden alle notwendigen Schritte ergriffen, „um die Todesumstände zu klären und das russische Militär zu bestrafen“, heißt es.

Ukrainische Behörden legen über 400 Leichen in Isjum frei: Russland soll einige zuvor gefoltert haben

Update vom 23. September, 18.55 Uhr: Die ukrainischen Behörden haben laut dem Gouverneur der Region Charkiw, Oleg Synegubow, nahe der zurückeroberten Stadt Isjum insgesamt 436 Leichen exhumiert. Von ihnen würden 30 den Angaben zufolge Folterspuren aufweisen würden. Es seien Leichen mit Strick um den Hals, mit gefesselten Händen, mit gebrochenen Gliedmaßen und Schusswunden gefunden worden. Mehreren Männern seien die Genitalien amputiert worden, erklärt der Gouverneur weiter.

All dies seien „Beweise für die schrecklichen Folterungen, denen die Angreifer die Einwohner von Isjum ausgesetzt haben.“ Der Kreml bestreitet hingegen weiterhin, dass russische Truppen für die Gräueltaten verantwortlich sind und bezeichnet die Entdeckung von Massengräbern als Falschmeldungen.

Ein Forensiker untersucht eine Leiche in Isjum
Über 400 Leichen wurden in Isjum entdeckt, Forensiker untersuchen nun, welche gefoltert wurden. © IMAGO/Vudi Xhymshiti/VXimages.com

Ukraine meldet erneut Gebietsgewinne: Rückeroberung in Donezk - 400 Kinder laut Kiew getötet

Update vom 23. September, 18.00 Uhr: Während in den besetzten ukrainischen Gebieten die (Schein-)Referenden begonnen haben, kann Kiew offenbar weitere Rückeroberungen erzielen. Das teilt zumindest der ranghohe Militärvertreter Oleksij Gromow am Freitag mit. Demnach hätten die ukrainischen Truppen die Ortschaft Jazkiwka in der ostukrainischen Region Donezk zurückerobert. Außerdem sei die Kontrolle über Stellungen südlich der ebenfalls in Donezk gelegenen Stadt Bachmut zurückgewonnen worden. Gebiete in der nordöstlichen Region Charkiw konnte die Ukraine bereits im Vorfeld von den russischen Invasionstruppen zurückerobern. Währenddessen gibt Putins Mobilisierungsdekret Rätsel auf.

Rauch steigt an der Frontlinie zwischen Ukraine und Russland auf
Die Ukraine dringt immer weiter vor in das von Russland besetzte Gebiet, wie hier nahe der kürzlich zurückeroberten Stadt Kupjansk. © Kostiantyn Liberov/AP/dpa

Update vom 23. September, 14.24 Uhr: Im Ukraine-Krieg sind nach Angaben aus Kiew bereits hunderte Kinder gestorben. Laut ukrainischer Generalstaatsanwaltschaft sind seit 24. Februar 391 Kinder getötet und 771 verletzt worden. Die meisten Opfer seien im Gebiet Donezk dokumentiert, wo 400 Kinder getötet oder verletzt wurden, zitiert der Kyiv Independent die ukrainische Justiz. Die Zahlen seien nicht endgültig, sie enthielten keine Fälle in den von Russland besetzten Gebieten sowie an Orten, an denen die Gefechte andauern. Die Angaben sind nicht unabhängig bestätigt.

Ukraine-Krieg: Gefechte in Donezk und Saporischschja - sieben Tote im Donbass

Update vom 23. September, 9.48 Uhr: Bei russischen Angriffen in der Region Donezk sind sieben Menschen gestorben. Das berichtet der Kyiv Independent unter Berufung auf den örtlichen Gouverneur. In der Oblast Donezk begannen am Freitag die Referenden zur Russland-Anexxion. Ob es einen Zusammenhang mit den Abstimmungen gibt, ist unklar. Derweil starben auch in der Region Dnipropetrowsk zwei Menschen.

Update vom 23. September, 6.01 Uhr: Am späten Donnerstagabend berichtete der Gouverneur der Region Saporischschja, Oleksandr Starukh, dass etwa zehn russische Geschosse die Infrastruktur der Region Saporischschja getroffen hätten. In der Stadt und Region Saporischschja sei Luftalarm ausgelöst worden. Nähere Informationen über Schäden und Opfer lägen derzeit nicht vor, hieß es. Die Angaben ließen sich nicht unabhängig verifizieren.

In der Region liegt Europas größtes Atomkraftwerk, das von russischen Truppen besetzt ist. Zunächst wurden keine Informationen darüber bekannt, dass die Angriffe vom Donnerstagabend auch das Atomkraftwerk Saporischschja betrafen. Die Ukraine hatte zuletzt in der Nacht auf Mittwoch russische Angriffe auf das AKW gemeldet. Das Kraftwerksgelände wurde in den vergangenen Wochen immer wieder beschossen, wobei sich Russland und die Ukraine gegenseitig für die Angriffe verantwortlich machten.

ukraine-krieg-saporischschja-suedukraine-raketenangriff-raeumung
Ein Bagger räumt am Donnerstag (22. September) Trümmer vor einem Gebäude in Saporischschja in der Südostukraine. Die Schäden entstanden durch mutmaßlich russische Raketenangriffe. © -/Ukrinform/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Russland zieht bei Einberufung 120.000 Wehrpflichtige ein - offenbar nicht für Einsatz in der Ukraine

Update vom 22. September, 20.44 Uhr: In der einmal pro Halbjahr stattfindenden Einberufung hat Russland 120.000 Wehrpflichtige eingezogen. „Die zum Wehrdienst einberufenen Bürger werden nicht zur Teilnahme an der militärischen Spezialoperation in der Ukraine herangezogen“, versicherte der Chef der Mobilmachungsabteilung im Generalstab, Wladimir Zimljanski, am Donnerstag der Nachrichtenagentur Interfax zufolge. Seinen Angaben nach werden auch die Wehrpflichtigen, deren Dienstzeit nun endet, entlassen und an ihren Heimatort geschickt. In Russland dauert der reguläre Wehrdienst ein Jahr.

Die 120.000 neuen Rekruten seien weniger als im vorigen Herbst. „Aber diese Anzahl deckt den Bedarf der staatlichen Sicherheitsorgane völlig - trotz der Durchführung der militärischen Spezialoperation“, sagte Zimljanski. Die offiziellen Stellen in Moskau nennen den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine immer noch „militärische Spezialoperation“, obwohl Präsident Wladimir Putin wegen der ausbleibenden Erfolge zuletzt 300.000 Reservisten für den Kampfeinsatz im Nachbarland mobilisierte.

Putins Teilmobilmachung: Tausende Russen melden sich wohl freiwillig

Update vom 22. September, 19.26 Uhr: Rund 10.000 Menschen in Russland haben sich nach Angaben der Armee innerhalb von 24 Stunden gemeldet, um beim Militäreinsatz in der Ukraine zu dienen. Sie seien freiwillig und ohne auf Vorladungen in die Rekrutierungsbüros gekommen, sagte ein Militärsprecher am Donnerstag der russischen Nachrichtenagentur Interfax. Die Armee habe ein Callcenter eingerichtet, um Fragen zur Mobilisierung zu beantworten.

Am Mittwoch hatte Russlands Präsident Wladimir Putin eine Teilmobilmachung von Reservisten angekündigt. Davon sollen rund 300.000 Menschen mit „militärischer Erfahrung“ betroffen sein. Amateuraufnahmen in Onlinenetzwerken sollen hunderte Bürger in ganz Russland zeigen, die den Vorladungen des Militärs nachkommen. Auf Fotos aus Sibirien waren teils weinende Männer zu sehen, die ihre Angehörigen umarmten, bevor sie in einen Bus stiegen.

In einem mutmaßlich aus der zu Russland gehören Kaukasusrepublik Tschetschenien stammenden Video, das bislang nicht unabhängig überprüft werden konnte, sollen dutzende junge Männer vor einem Rekrutierungsbüro zu sehen sein. Das russische Verteidigungsministerium veröffentlichte keine Bilder der Mobilisierung. Es äußerte sich zudem nicht dazu, wie viele Menschen eine Vorladung zum Dienst in der Armee erhalten haben.

Teilmobilmachung in Russland: Tschechien gewährt Kriegsdienst-Verweigerern keine Zuflucht

Update vom 22. September, 17.14 Uhr: Tschechien gewährt Russen, die den Kriegsdienst in der Ukraine verweigern wollen, keine Zuflucht. Er verstehe, dass Russen vor den „immer verzweifelteren Entscheidungen“ ihres Präsidenten Wladimir Putin aus ihrem Land flüchteten, sagte der tschechische Außenminister Jan Lipavsky der Agentur CTK. Wer den Pflichten gegenüber seinem eigenen Staat nicht nachkommen wolle, erfülle damit aber noch nicht die Bedingungen für die Erteilung eines humanitären Visums.

Teilmobilmachung mit einer Million Reservisten? Kreml dementiert Bericht

Update vom 22. September, 15.25 Uhr: Der Kreml hat Berichte dementiert, wonach bei der Teilmobilmachung tatsächlich die Einberufung von bis zu einer Million Reservisten möglich sei. Kremlsprecher Dmitri Peskow sprach von einer Lüge, wie russische Agenturen meldeten.

Das Internetportal der in Russland inzwischen eingestellten Zeitung Nowaja Gaseta schrieb dagegen, Putin gebe dem Verteidigungsministerium freie Hand zur Mobilisierung von bis zu einer Million Mann. Dies stehe in Punkt 7 von Putins Erlass vom Mittwoch (21. Spetember). Dieser Punkt fehlte in der Veröffentlichung und war als „Nur für den Dienstgebrauch“ eingestuft.

Die aus dem Exil agierende Zeitung berief sich in ihrem Bericht auf angebliche Quellen im russischen Präsidialamt. Peskow selbst hatte am Mittwoch gesagt, dass es in dem Absatz um die Zahl der Reservisten gehe. Es gelte jedoch, dass 300.000 Mann einberufen werden sollten, wie es Verteidigungsminister Sergej Schoigu angekündigt habe. Schoigu hatte auch gesagt, es gebe 25 Millionen Reservisten in Russland.

Putins Teilmobilmachung im Ukraine-Krieg: Russen flüchten

Update vom 22. September, 11.59 Uhr: „Anscheinend verlassen viele Russen ihre Heimat: Wer Putins Weg hasst und die liberale Demokratie liebt, ist uns in Deutschland herzlich willkommen“, schrieb Bundesjustizminister Marco Buschmann (FDP) in der Nacht auf Twitter. Die Co-Vorsitzende der Linken, Janine Wissler, fordert ebenfalls eine rasche, unbürokratische Aufnahme von Russen, die nicht als Reservisten eingezogen werden wollen.

Derartige Appelle sind aber laut Pro Asyl ohne Substanz, solange es für die Betroffenen keine Möglichkeit zur Einreise in die Europäische Union gibt. „Wenn man ihnen Schutz gewähren will, muss man ein Verfahren etablieren, wie diese Menschen die europäischen Außengrenzen übertreten können“, sagte Pro-Asyl-Geschäftsführer Günter Burkhardt. Möglich wären etwa die Erteilung humanitärer Visa an von der Teilmobilmachung betroffene Russen, denen die Ausreise in Länder wie Georgien oder die Türkei gelungen sei. Burkhardt warb zugleich auch für die Aufnahme von Kriegsdienstverweigerern aus Belarus.

Ukraine-Russland-News: Nach Teilmobilmachung registriert Finnland mehr Grenzverkehr

Update vom 22. September, 11.45 Uhr: Nach Putins Ankündigung einer russischen Teilmobilisierung für den Ukraine-Krieg hat das Nachbarland Finnland mehr Verkehr an der gemeinsamen Grenze registriert. Der Grenzverkehr in Südostfinnland habe in der Nacht zugenommen und sei geschäftiger als sonst gewesen, teilte der Grenzschutz in der Region mit. Dieses Bild habe sich am Morgen fortgesetzt.

Zuvor hatte der Grenzschutz Berichte aus sozialen Medien dementiert, in denen von 35 Kilometern Stau vor der russisch-finnischen Grenze die Rede war. Die entsprechenden Videos seien früher entstanden und nun aus dem Zusammenhang gerissen worden, so die Behörde.

Russland-Ukraine-News: Duma-Chef ruft Abgeordnete auf, in den Ukraine-Krieg zu ziehen

Update vom 22. September, 11.28 Uhr: Der russische Parlamentschef Wjatscheslaw Wolodin hat die Abgeordneten der Duma zur Teilnahme an dem Krieg in der Ukraine aufgerufen. „Wer den Anforderungen der Teilmobilmachung genügt, sollte mit seiner Teilnahme bei der militärischen Spezialoperation helfen“, schrieb der Duma-Chef auf Telegram. „Es gibt keinen Schutz für die Abgeordneten.“ Der Parlamentschef reagierte damit auf die Auffassung vieler Abgeordneter, für sie gelte Putins Aufruf zur Landesverteidigung nicht.

Der Putin-Vertraute räumte nach Straßenprotesten und Berichten über eine massenhafte Flucht junger Russen aus dem Land auch ein, dass „Fragen aufkommen, die unsere Bürger beunruhigen“.

Russland-Ukraine-News: Festgenommene Demonstranten offenbar direkt zur Musterung geschickt

Update vom 22. September, 11.05 Uhr: Am Donnerstagmorgen waren noch rund 1300 Demonstranten in Russland in Gewahrsam der Polizei. Sie hatten am Mittwoch, 21. September, gegen die von Putin verkündete Teilmobilmachung protestiert.

Die Polizei verletzte nach Angaben der Organisation OVD-Info mehrere Festgenommene. In Moskau erlitt ein junger Mann eine Gehirnerschütterung, eine junge Frau verlor das Bewusstsein. 33 Minderjährige hätte die Polizei gegen das Gesetz festgenommen, außerdem neun Journalisten. Aus mehreren Polizeirevieren gab es Berichte, dass festgenommene junge Männer direkt zur Musterung für den Militärdienst vorgeladen worden seien.

In der Regel werden die Festgenommenen nach einer Nacht in Polizeigewahrsam zu Geldbußen oder Arrest verurteilt. Gegen manche werden Strafverfahren eingeleitet.

Update vom 22. September, 10.32 Uhr: Die Osteuropa-Expertin Gwendolyn Sasse sieht nach der Teilmobilmachung in Russland erste kleine Veränderungen der gesellschaftlichen Stimmung in Russland. Es gebe Proteste, Flüge aus Russland heraus seien überbucht. „Das wird sich fortsetzen“, sagte Sasse im ZDF-„Morgenmagazin“. Vor allem jüngere Männer, die sich bisher zurückgehalten hätten, dürften ihre Haltung jetzt ändern. Klar sei aber auch, dass es im Moment keine Mobilisierung „von unten“ gegen Putin gebe.

An der militärischen Situation werde die Teilmobilmachung Russlands aktuell nichts ändern, glaubt die Direktorin des Zentrums für Osteuropa- und Internationale Studien an der Berliner Humboldt-Universität. Die einzuberufenden 300.000 Reservisten müssten erst ausgebildet und ausgestattet werden.

Ukraine-Russland-News: Russen protestieren gegen Teilmobilmachung – Hunderte Festnahmen

Moskau/St. Petersburg - Die Wut gegen die von Russlands Präsident Wladimir Putin angeordnete Teilmobilmachung brachte in Russland Tausende Menschen auf die Straßen. Allein in St. Petersburg wurden nach Angaben der russischen Menschenrechtsorganisation OVD-Info mehr als 550 Demonstranten festgenommen, in der Hauptstadt Moskau waren es ebenfalls mehr als 500.

In Moskau riefen die Menschen auf einer Demonstration „Nein zum Krieg!“, obwohl es in Russland immer noch verboten ist, den Ukraine-Krieg als „Krieg“ und nicht als „militärische Spezialoperation“ zu bezeichnen. Sie forderten außerdem ein „Russland ohne Putin“.

Ukraine-Russland-News: Proteste gegen Teilmobilmachung in vielen russischen Städten

Fotos und Videos zeigen, wie russische Polizisten die meist jungen Demonstranten grob packen und in Busse schleppen. Von dort wurden die Festgenommenen in Polizeistationen gebracht. Insgesamt habe es bei spontanen Protesten in 38 russischen Städten am Mittwoch mindestens 1332 Festnahmen gegeben, erklärte die Menschenrechtsorganisation OVD-Info.

Die russische Polizei verhaftet Demonstranten in St. Petersburg, die gegen Putins Teilmobilmachung im Zuge des Ukraine-Kriegs protestieren.
Die russische Polizei verhaftet Demonstranten in St. Petersburg, die gegen Putins Teilmobilmachung im Zuge des Ukraine-Kriegs protestieren. © Olga Maltseva/AFP

Ukraine-Russland-News: Russische Mütter bangen um ihre Söhne wegen Teilmobilmachung

Die russische Anwältin Ljubow Sobol - eine der engsten Vertrauten des inhaftierten Oppositionellen Alexej Nawalny - teilte auf Twitter ein Video von protestierenden russischen Müttern, die befürchten, dass ihre Söhne jetzt in den Krieg geschickt werden. Die Frauen skandieren „Unsere Söhne sollen leben!“

Ukraine-Russland-News: Nach Putins Teilmobilmachung setzen sich russische Männer ab

Ähnlich große Proteste in Russland hatte es zuletzt in den Tagen direkt nach Beginn des Ukraine-Kriegs Ende Februar gegeben. Um der Gefahr einer Einberufung zu entgehen, setzten sich am Mittwoch außerdem auch sofort viele junge Männer aus Russland ab. Die Preise für Flugtickets schossen in die Höhe, „Land verlassen“ trendete bei Google.

In Moskau wird ein protestierender Mann von Polizisten weggetragen.
In Moskau wird ein protestierender Mann von Polizisten weggetragen. Insgesamt soll es in Russland 1300 Festnahmen von Demonstranten gegeben haben, die gegen die Teilmobilmachung auf die Straße gingen. © Alexander Nemenow/AFP

Putin ordnet Teilmobilmachung an: 300.000 Reservisten sollen in den Ukraine-Krieg

Putin hatte am Mittwoch in einer TV-Ansprache bekannt gegeben, dass er Teilmobilmachung der russischen Streitkräfte angeordnet habe. 300.000 Reservisten sollen an die Waffen und in der Ukraine kämpfen. Es wird davon ausgegangen, dass der russische Widerstand gegen Putin und den Ukraine-Krieg durch diese Entscheidung steigen wird - allerdings ist es in Russland wegen drakonischer Strafen auch ein großes Risiko, öffentlich zu protestierten, weshalb viele wohl lieber still bleiben. (smu/dpa)

Auch interessant

Kommentare