Nervosität steigt

Corona-Ärger bei Geheim-Gesprächen: Merkel-Vertrauter mit klarer Ansage an Länder

Monate nach Ausbruch der Corona-Pandemie bekommt Deutschland das Sars-CoV-2-Problem nicht in den Griff. Aus Merkels Kanzleramt soll nun eine klare Ansage an die Länder gekommen sein.

  • Die aktuelle Corona-Entwicklung in Deutschland verheißt nichts Gutes - die Bundesregierung wird nervös.
  • In einem Gespräch zwischen Kanzleramt und Bundesländern wurde der Ernst der Lage klargemacht.
  • Angeblich zweifelt die Regierung an der Richtigkeit des getrennten Vorgehens der einzelnen Länder.

Berlin - Zwischenzeitlich sah es so aus, als würde Deutschland das Problem Corona in den Griff bekommen: Maßnahmen wurden ergriffen, die Infektionszahlen sanken, ja selbst Bars und Restaurants wiedermittlerweile wieder geöffnet - und es kann Fußball gespielt werden. Doch die Anzeichen für die befürchtete "zweite Welle"* verdichten sich.

Der Herbst steht vor der Tür und just schnellen die Infektionszahlen des Coronavirus Sars-CoV-2 rapide in die Höhe. Das betrifft andere Länder noch mehr als Deutschland, doch angesichts des bevorstehenden Temperaturumschwungs* schlägt die Bundesregierung Alarm. Was man sich in den vergangenen Monaten mühsam erkämpft hat, droht wieder verloren zu gehen.

Corona in Deutschland: „Diffuses Ausbruchsgeschehen" bereitet Merkels Regierung Sorgen

Im Bundeskanzleramt in Berlin gibt es angeblich Zweifel an der unterschiedlichen Handhabung der Bundesländer bei der Bekämpfung von Corona. Am Montag machte dies Kanzleramtschef Helge Braun in einer Telefonschalte den Vertretern der Staatskanzleien der Länder deutlich. Wie Bild berichtet, habe sich der 47-Jährige besorgt gezeigt, angesichts der aktuellen Lage in Deutschland.

Angela Merkel und Kanzleramtschef Helge Braun machen die steigenden Corona-Zahlen in Deutschland zu schaffen.

Demnach hätten Angela Merkel* und Co. damit gerechnet, dass nach Beendigung der Urlaubssaison zwangsläufig die Infektionszahlen zurückgehen müssten. Dies sei jedoch nicht geschehen, obwohl es weniger Rückkehrer aus Risikogebieten gebe. Außerdem falle die Erkrankung Covid-19 durch ein „diffuses Ausbruchsgeschehen“ auf und entstehe nicht mehr hauptsächlich durch Corona-Hotspots. Passt sich das Virus etwa aktuellen Bedingungen an? Medizinisch gesehen ein Prozess, der nicht überraschend kommen würde und sich auch positiv auswirken kann.

Corona: Merkel-Regierung appelliert für einheitliches Vorgehen - und stößt auf taube Ohren?

Zwar habe Deutschland im Vergleich zu einigen EU-Nachbarländern noch keinen Ernstfall erreicht, doch befürchtet Berlin auch hierzulande eine Überbelastung der Gesundheitsbehörden. Anzeichen für eine solche Entwicklung gibt es durchaus: So beklagte Hamburg in der Schalte, dass die Nachverfolgung bei Corona-Infizierten für Probleme sorge, weil beim Besuch von Lokalitäten nun 50 statt fünf Kontakte ermittelt werden müssten.

Sowohl die Regierung als auch der Stadtstaat Berlin setzen sich für eine Herabsenkung der beschlossenen Obergrenze in Form der Sieben-Tage-Inzidenz* von 50 ein. Worum es der Bundesregierung hauptsächlich geht: Dass die Länder gemeinsam festlegen, welche Corona-Maßnahmen ab dem jeweiligen Grenzwert gelten sollen. Wie Helge Braun mitteilte, würde das von den lokalen Behörden Druck nehmen. Jedoch: Wie die Bild ausführt, seien die Länder von einer Einigung diesbezüglich weit entfernt.

Bayern möchte in den Corona-Hotspots die Regeln verschärfen, wenn der Inzidenz-Wert die kritische Hürde* von 50 Neuinfektionen pro 100.000 Bürger erreicht. Das hat auch Ministerpräsident Markus Söder nach einer Kabinettssitzung mitgeteilt. Bedeutet: Kommunen können die Maskenpflicht ausweiten, Kontaktbeschränkungen verschärft werden.

Corona-Maßnahmen: Kanzleramt warnt Bevölkerung vor Herbst- und Wintersaison

Die Anzeichen stehen derzeit weiterhin auf Alleingang der Bundesländer - und das ist nach Ansicht der Regierung in Berlin nicht die richtige Vorgehensweise, um die Bevölkerung vor Corona zu schützen.

Am Dienstag richtete Kanzleramtschef Braun (CDU) im ZDF aufgrund der steigenden Corona-Infektionszahlen auch einen Appell an die Bürger: "Jetzt ist Disziplin in der Bevölkerung gefragt“, sagte er im “Morgenmagazin“ über die anstehende kalte Jahreszeit in Herbst und Winter. Es sei nicht die richtige Zeit, um Öffnungssignale zu senden. Gerade die Obergrenze bei Veranstaltungen sei sehr wichtig.

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Rubriklistenbild: © Michael Kappeler/dpa

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