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Johnson massiv unter Druck: Zwei Enthüllungen sorgen für Aufregung in London - inmitten der Omikronwelle

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Von: Kathrin Reikowski

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Hat auch Premier Johnson trotz Lockdown an Zusammenkünften teilgenommen? Die Ermittlungen sind ins Stocken geraten, weil der bisher damit Beauftragte den Job abgeben musste.

London - Neue Hiobsbotschaften rund um den englischen Premier Boris Johnson und die Feiernden aus seiner Regierung: Der mit der Aufklärung der Partys beauftragte Simon Case musste am Freitag den Job aufgeben, weil er auch in seiner eigenen Abteilung Feiern trotz Lockdown toleriert haben soll. Zudem war in der vergangenen Woche bekannt geworden, dass auch der Premier an Zusammentreffen teilgenommen haben soll.

Unterdessen warnt der Premier vor einer Verschärfung der Lage durch Omikron in Großbritannien. An Weihnachten könnten der British Medical Association zufolge ohne verschärfte Maßnahmen in England 32.000 bis 130.000 Beschäftigte im Nationalen Gesundheitsdienst (NHS) fehlen, wie der Guardian am Samstag berichtete. Letzteres entspräche einem Zehntel der gesamten Belegschaft. Verschärfte Maßnahmen werden für Johnson aber immer schwerer durchsetzbar.

Premier Johnson unter Druck: Nun soll eine Beamtin aufklären

Nun soll eine Beamtin aufklären, wer in Londoner Regierungskreisen wann, wo und mit wem gefeiert hat, als das Land unter strengen Kontaktbeschränkungen und einer massiven Coronawelle ächzte. Allerdings könnte es durch den Wechsel zu Verzögerungen kommen.

Sue Gray ist im Bauministerium tätig. Sie wurde von Downing Street mit der Aufgabe betraut. „Sie wird die Fakten ermitteln und ihre Ergebnisse dem Premierminister präsentieren“, hieß es aus der Downing Street. Wann das passieren soll, ist allerdings unklar. Mit den Ergebnissen der Untersuchung ihres Vorgängers Simon Case war bereits in diesen Tagen gerechnet worden.

Boris Johnson schon während des ersten Lockdowns auf einer Gartenparty?

The Guardian und Independent berichteten am Donnerstag, dass es nicht nur rund um Weihnachten in Regierungskreisen Zusammenkünfte gegeben haben soll. Schon im Mai 2020, als sich das Land noch im ersten Lockdown befand, soll sich der Premier mit Regierungsmitarbeitern und -mitarbeiterinnen bei einer Gartenparty getroffen haben und die Kontaktbeschränkungen dabei deutlich überschritten haben. Am 15. Mai 2020 hätten etwa 20 Mitarbeiter nach einer Pressekonferenz bei alkoholischen Getränken und Pizza im Garten von Johnsons Amtssitz in der Downing Street beisammengestanden.

Laut The Guardian und Independent hat sich Johnson etwa eine Viertelstunde dort aufgehalten. Die Teams hätten sich wegen ihres Einsatzes in der Pandemie einen Drink verdient, soll er zu diesem Anlass gesagt haben. Der damalige Gesundheitsminister Matt Hancock hatte in jenen Tagen die Bevölkerung aufgerufen, möglichst zu Hause zu bleiben, sich an die Regeln zu halten und keine Risiken einzugehen. Johnsons Sprecher nennt das Zusammentreffen nicht Party, sondern „Besprechung“. An jenem Tag habe der Premierminister nach einer Pressekonferenz „einige Meetings im Garten, darunter mit dem damaligen Gesundheitsminister und dessen Team,“ gehabt.

Boris Johnson: Britische Opposition fordert unabhängige Untersuchung

Die nun ernannte Beamtin Sue Gray genießt in Westminster parteiübergreifend einen guten Ruf. Der schottische Abgeordnete Ian Blackford von der Scottish National Party (SNP) kritisierte allerdings im BBC-Interview, dass erneut eine Regierungsbeamtin beauftragt wurde und forderte eine unabhängige Untersuchung.

Die stellvertretende Vorsitzende der oppositionellen Labour-Partei, Angela Rayner, sagte, es gehe nun darum, verloren gegangenes Vertrauen wiederherzustellen. „Im Moment fragen sich die Leute: ‚Welches Ministerium hat keine Party gefeiert?‘“, sagte sie. „Es ist unglaublich enttäuschend, denn wir wissen alle, was vor sich ging, während diese Partys stattfanden. Menschen konnten ihre Lieben, die im Sterben lagen, nicht sehen und erbrachten unglaubliche Opfer.“ (dpa/kat) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA:

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