„Coronagerecht“

„Ob sich dadurch etwas ändert?“: Greta Thunberg trifft Angela Merkel - und probt besonderen Protest in Berlin

Bundeskanzlerin Angela Merkel spricht mit Greta Thunberg und Luisa Neubauer über den Klimaschutz. Die "Fridays for Future"-Aktivistinnen erwarten Taten statt Worte.

  • Im Bundeskanzleramt von Berlin erwartet Kanzlerin Angela Merkel hohen Besuch.
  • Mit Greta Thunberg und Luisa Neubauer kommen zwei führende Aktivistinnen der „Fridays for Future“-Bewegung.
  • Die Klimaschützerinnen sehen große Versäumnisse bei der deutschen und europäischen Umweltpolitik.

Update vom 21. August, 16.00 Uhr: Trotz Treffen mit Kanzlerin Angela Merkel, brütender Hitze und Schulferien: Greta Thunberg weicht von ihrer Klima-Streik-Routine nicht ab. Am Freitag hat die junge Klima-Aktivistin vor dem Brandenburger Tor in Berlin mit einer Reihe von Mitstreitern in Berlin demonstriert. Und zwar in einer Art Sitzstreik, wie Fotos zeigen, die Thunberg auf Twitter und Instagram teilte.

Normalerweise protestiert Thunberg jeden Freitag in ihrer Heimatstadt Stockholm vor dem schwedischen Parlament für einen entschlosseneren Kampf gegen die Klimakrise. Aus ihrer vor zwei Jahren begonnenen Protestaktion ist die internationale Klimabewegung Fridays for Future entstanden, die vor allem in Deutschland zahlreiche Anhänger gefunden hat.

Thunberg war in der Vergangenheit auch bei verschiedenen Klimaprotesten in anderen europäischen und amerikanischen Städten dabei, darunter in Berlin und Hamburg - dort damals vor großem Publikum. In den vergangenen Monaten hatte sie ihren „Schulstreik fürs Klima“ aber aufgrund der Coronavirus-Pandemie ausschließlich zu Hause in Stockholm abgehalten. Nun also ein Ausnahme-Termin in Deutschland.

Auch Thunbergs deutsche Mitstreiterin Luisa Neubauer sowie die Belgierinnen Anuna de Wever und Adélaïde Charliér waren dabei. Thunberg, Neubauer, de Wever und Charliér hatten sich am Donnerstag im Kanzleramt mit Merkel zu einem Meinungsaustausch über die Klimapolitik getroffen. Zentrales Thema waren dabei laut Regierungssprecher Steffen Seibert die klimapolitischen Schwerpunkte in der laufenden EU-Ratspräsidentschaft Deutschlands.

Greta Thunberg trifft Angela Merkel - „Ob sich dadurch etwas ändert?“

Update vom 21. August, 11.42 Uhr: Das vielbeachtete Treffen von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) mit prominenten Aktivistinnen von Fridays for Future (siehe Ursprungsmeldung) ist am Folgetag großes Thema in den Meinungsbeiträgen der Presse. So schreibt der Berliner Tagesspiegel, die Gefahr sei dennoch groß, dass der „Fokus auf die Ökonomie" erhalten bleibe und der Politik als Ausrede diene, den Kampf ums Klima hinten anzustellen.

Thunberg und Neubauer treffen Merkel - aber wer wird mit Klimapolitik in den Wahlkampf gehen?

„Wer, außer den Grünen*, will schon mit der Botschaft ins Bundestagswahljahr, dass Corona* ein Nichts war im Vergleich zur Klimakatastrophe?“, fragt die Zeitung. „Wer will erschöpften Wählern sagen, dass nach der Pandemie nicht das große Aufatmen kommen darf, das Zurück zum Gestern? Merkel hat ihren Gästen versprochen, sie wolle versuchen, mutiger zu sein. Die Jungen werden wohl bald wieder vors Kanzleramt ziehen müssen.“

Klimaaktivistin Greta Thunberg auf der Pressekonferenz nach dem Treffen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) im Kanzleramt in Berlin.

Presse zu Merkel-Thunberg-Treffen: „Zeichen der Katastrophe stehen an der Wand“

Die Mitteldeutsche Zeitung aus Halle ordnet den Besuch der Bewegung von Greta Thunberg im Kanzleramt als mehr als berechtigt ein: „Es gibt wohl keine jugendliche Protestbewegung, deren Anliegen je so berechtigt war wie das von ‚Fridays for Future‘*. Die Zeichen der Katastrophe stehen in diesem Sommer mal wieder unübersehbar an der Wand - die Hitze, der Mangel an Regen, die Brände, das Abschmelzen des Eises in Grönland.“ Es gehe um unsere industrielle Lebensweise - sogar um unser Existenz, so das Fazit der Zeitung.

Merkel empfängt Klima-Ativisten: „Ob sich dadurch etwas ändert?“

„Für Thunberg & Co. war das Treffen ein Image-Gewinn“, konstatiert die Pforzheimer Zeitung. Aber sie hat starke Zweifel, dass es nachwirken wird. Deutschland müsse - gerade während des EU-Ratspräsidentschaftsvorsitz - beim Klimaschutz vorangehen. „Ob sich dadurch allerdings etwas ändert? Unwahrscheinlich, zumal Merkel nur noch gut ein Jahr im Amt ist“, heißt es in dem Kommentar. Jedoch: Spätestens nach der Corona-Krise dürfte man wieder mehr FFF-Protest hören, ist sich die Zeitung sicher.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (Vordergrund) im Gespräch mit den Fridays-for-Future-Aktivistinnen Luisa Neubauer (links) und Greta Thunberg (rechts) im Kanzleramt.

Merkel trifft Klima-Aktivisten - Greta Thunberg lobt die Kanzlerin: „Sie ist mutig“

Update vom 20. August, 16.50 Uhr: Am Donnerstag haben sich vier Klimaaktivistinnen, darunter die Schwedin Greta Thunberg und die deutsche Aktivistin Luisa Neubauer, mit der Bundeskanzlerin getroffen. Vor genau zwei Jahren hatte Greta Thunberg ihren Klimastreik begonnen und damit eine globale Bewegung in Gang gesetzt.

Nach dem Treffen heute sagte die Klimaaktivistin: „Wir wollen, dass Menschen aktiv werden, es wagen, ihre Komfortzonen zu verlassen, die Zukunft wichtiger zu nehmen als die Gegenwart“ und forderte damit Politiker und Führungspersonen zu mehr Mut und Weitsicht auf. Es brauche Anführer, die die Krise wie ein Krise behandelten. Angela Merkel habe die Chance, diese Aufgabe zu übernehmen.

Auch ihre Mitstreiterin Luisa Neubauer zog positive Schlüsse nach dem Gespräch. „Wir waren dankbar für die Gelegenheit und für die Zeit“, sagt sie nach dem Gespräch laut dpa. „Es wurde sehr deutlich, dass wir von verschiedenen Perspektiven auf die Situation schauen.“ Außerdem hätten sie ihr Ziel deutlich machen können. Die Politik soll die Ziele des Pariser Klimaabkommens einhalten - „nicht mehr und nicht weniger“. Weitere O-Töne der Aktivistinnen nach dem Treffen lesen Sie im Ticker der Pressekonferenz (siehe Updates ab 13.28 Uhr)

Klimaaktivitinnen im Gespräch mit Angela Merkel: Greta Thunberg hat spezifische Forderungen

13.57 Uhr: So, das war's fürs Erste von der Pressekonferenz der Klimaaktivistinnen in Berlin nach dem Treffen mit Kanzlerin Angela Merkel.

13.50 Uhr: „Wir haben spezifische Forderungen in dem Brief gehabt. Das waren die Minimalforderungen, um die Klimaziele entsprechend dem Pariser Abkommen zu erreichen“, sagt Greta Thunberg: „Das ist aber natürlich schwierig.“

Trotzdem untermauerte sie die Forderung nach einem neuen System, dass entsprechend der Klimakrise angepasst wird. Konkret ging es dabei darum, dass es möglich sein müsse, bestehende Verträge zur Förderung der fossilen Brennstoffe zu kündigen, damit die Ziele erreicht werden. Aktuell sei dies nicht möglich, so die Schwedin.

Merkel macht Eingeständnisse an Klima-Aktivisten - Greta Thunberg über Kanzlerin: „Sie hat Potenzial“

13.43 Uhr: Nun übernimmt wieder Greta Thunberg wieder das Wort. Sie schließt sich Luisa Neubauer an und erklärt, dass man Führungspersonen brauche und jeder Bürger seine demokratischen Pflichten nachkommen müsse.

„Es war wichtig, dass wir Frau Merkel jetzt getroffen haben, weil Deutschland aktuell eine sehr große Verantwortung aufgrund der Ratspräsidentschaft im kommenden halben Jahr hat“, sagt die französische Klimaaktivistin Charlier.

Frau Merkel habe versichert, dass sie die Wissenschaft verstehe, so Luisa Neubauer. Gleichzeitig aber habe sie auch auf die politische Komplexität hingewiesen. „Aber wir brauchen auch Aktionen - und nicht nur schöne große Worte!“, so Neubauer.

Angela Merkel trifft Greta Thunberg und Luisa Neubauer: So lief die Diskussion mit den Klimaaktivistinnen

13.36 Uhr: Neubauer erklärt nun, dass sie in der Diskussion keine utopischen Ziele gefordert wurden. „Wir brauchen Führungspersönlichkeiten und wollen einfach nur, dass nach dem wissenschaftlichen Kenntnisstand gehandelt wird“, sagt die deutsche Klimaaktivistin.

13.35 Uhr: „Wir haben Frau Merkel gebeten, die Klimakrise nicht als eine herkömmliche Krise zu behandeln“, sagt Greta Thunberg. Man brauche nun Führungspersönlichkeiten, die an den Zielen für das Pariser Abkommen hart arbeiten wollen. „Frau Merkel hat das Potenzial, sie ist mutig“, so Greta.

Klima-Wandel: Merkel trifft Neubauer und Thunberg

13:31 Uhr: Luisa Neubauer ergreift nun als Erste das Wort. Sie berichtet, dass sie und Greta Thunberg heute 90 Minuten mit der Kanzlerin gesprochen haben. Dabei soll es auch Diskussion gegeben haben. So forderten sie Angela Merkel auf, offen zu kommunizieren, wenn die Klimaziele nicht erreicht werden könnten.

Update vom 20. August, 13:28 Uhr: In wenigen Minuten geht's los, Greta Thunberg und Luisa Neubauer werden gleich von ihrem Treffen mit Angela Merkel. Wir sind gespannt, was die beiden zu berichten haben.

Update vom 20. August, 12.53 Uhr: In den Reihen von Fridays For Future (FFF) in Deutschland gibt es Kritik an dem Treffen mehrerer führender Vertreterinnen der Klimaschutzbewegung an diesem Donnerstag mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). „Der Termin war überhaupt nicht abgesprochen“, sagte Konstantin Nimmerfroh von FFF Frankfurt am Main der taz. Er kritisierte, die Basisgruppen seien erst wenige Tage zuvor über das Vorhaben informiert worden.

„Wir fühlen uns überrannt“, führte Nimmerfroh aus. „Es ist schade, dass immer die gleichen Leute in der Öffentlichkeit stehen“, kritisierte in dem Blatt auch der Kieler Aktivist Ole Willerich. „Zweifellos macht Luisa gute Arbeit und hat viel Expertise“, sagte Willerich weiter. „Aber durch dieses Ungleichgewicht in der Öffentlichkeit kommen andere, vielleicht auch radikalere Positionen, nicht zur Geltung.“

Eine andere namentlich nicht genannte FFF-Aktivistin wurde von der taz mit den Worten zitiert: „Es ist kein Erfolg, mit Frau Merkel zusammenzusitzen.“ Immerhin habe die Koalition in den vergangenen Jahren „nicht annähernd etwas gemacht, das uns dem 1,5-Grad-Ziel näher bringt“.

Kanzlerin Merkel trifft Greta Thunberg und Luisa Neubauer - doch die überraschen mit eindeutiger Ansage im Vorfeld

Ursprungsmeldung vom 19. August: Berlin - Nach Ansicht der Bundesregierung befindet sich Deutschland im Kampf gegen den Klimawandel auf einem guten Weg. Man komme in seinen Bemühungen gut voran, heißt es im Klimaschutzbericht 2019, den das Bundeskabinett am Mittwoch verabschiedete.

So habe im vergangenen Jahr der Ausstoß von Treibhausgasen mit 805 Millionen Tonnen um 35,7 Prozent unter dem Niveau von 1990 gelegen. Das bewerteten Umweltverbände unterdessen zurückhaltend.

Bundeskanzlerin Angela Merkel* wird sich unterdessen am Donnerstag mit den beiden jungen Klimaaktivistinnen* Greta Thunberg* und Luisa Neubauer im Kanzleramt treffen. Die CDU*-Politikerin sagte, dass sie sich freue, „wenn der Wunsch nach diesem Gespräch besteht“, darum wolle sie sich dem „nicht verweigern.“

Kanzlerin Angela Merkel trifft Greta Thunberg und Luisa Neubauer - „Fridays for Future“-Aktivistinnen skeptisch

Die beiden Aktivistinnen der „Fridays for Future“-Bewegung* bekräftigten dagegen ihrerseits schon vor der Zusammenkunft mit der Kanzlerin ihre Kritik an der aus ihrer Sicht unzureichenden Klimaschutzpolitik Deutschlands und der EU. Auch in der Vergangenheit hatten Thunberg und Neubauer immer wieder ihren Unmut geäußert.

Schon am Mittwoch war in der britischen Zeitung Guardian ein Artikel erschienen, in dem die Umweltschützerinnen schrieben: „Wir können so viele Treffen haben, wie wir wollen, aber der Wille zum Wandel ist nirgends in Sicht.“ Man habe trotz etlicher Naturkatastrophen immer noch nicht begonnen, in der Klima- und Umweltkrise auch eine Krise zu sehen und diese entsprechend zu behandeln. „Tatsächlich haben wir zwei weitere Jahre durch politische Untätigkeit verloren.“

Greta Thunberg: Umweltministerin Schulze sieht deutsche Klimapolitik positiv - „Richtigen Lehren gezogen“

Das sieht Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD*) anders. „Wir haben im vergangenen Jahr die richtigen Lehren aus den Versäumnissen der Vergangenheit gezogen“, sagte Schulze. „Wir werden jedes Jahr überprüfen, ob wir auf dem beschlossenen Pfad sind, und bei Bedarf nachsteuern.“

Das Gespräch zwischen Merkel und den Klimaaktivistinnen ist für rund 90 Minuten angesetzt. Anschließend wollen sich Thunberg, Neubauer und ihre beiden belgischen Mitstreiterinnen Anuna de Wever und Adélaïde Charlier öffentlich dazu äußern.

Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) plant eine Offensive zum Klimaschutz. Die deutsche Wirtschaft soll umgekrempelt und die politische Landschaft auf Jahrzehnte verändert werden. (kh) *merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerkes

Video: Greta Thunberg bekommt millionenschwer dotierten Preis für Menschlichkeit

Rubriklistenbild: © Kay Nietfeld/dpa

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