Immer für den nächsten Gag bereit

Gottschalk präsentiert  Biografie in München

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Thomas Gottschalk stellt in München seine Autobiografie "Herbstblond" vor. Foto: Tobias Hase

München - Thomas Gottschalk macht, was er am besten kann - unterhalten. Zwei Stunden lang plaudert der Entertainer bei der Präsentation seiner Autobiografie aus seinem bunten Show-Leben.

Er sehe aus wie Thomas Gottschalk, habe ihm vor einiger Zeit „ein munterer Berliner“ bescheinigt, nur zehn Jahre jünger. Diese Anekdote kommt gleich zweimal vor. Gottschalk selbst erzählt sie, wenig später liest Schauspieler Jürgen Prochnow die entsprechende Passage im Buch. Sie scheint Gottschalk wichtig zu sein, und sie sagt ja auch viel aus. Man (er-)kennt ihn noch auf der Straße – und man sieht ihm die 64 nicht an. Kein Wunder, dass man sich an diesem Abend in der Münchner BMW-Welt für Momente ins Jahr, sagen wir, 2005 zurückversetzt fühlt. Die Moderatorenlegende ist gekommen, aus ihrer Autobiografie zu lesen, und auf der großen Leinwand über der Bühne läuft das Intro zu „Wetten, dass…?“. Alles wie früher, irgendwie.

Doch der Samstagabend im Fernsehen ist Geschichte, „bitte warten Sie nicht auf die erste Wette“. Und doch ist es eine Lesung wie eine Show, wie sich bald zeigen wird. „Herbstblond“ heißt das Werk – noch so ein Begriff, der Gestern und Heute zusammenbringen soll. Die Haare sind noch (fast) alle da, sie haben sich nur ein bisschen verfärbt mit den Jahren. Gottschalk ist locker wie immer, er liest sehr konzentriert, aus dem bereitstehenden Glas Wasser trinkt er keinen Schluck. Dem Mann bleibt noch immer nicht so leicht die Spucke weg. Er kann so gut schreiben, wie er reden kann, er berichtet über den Karrierestart beim Bayerischen Rundfunk, als er sich zielstrebig zur jungen Welle „Bayern 3“ durchschlug, damals ein „Gemischtwarenladen“, der erst durch Moderatoren wie Gottschalk für eine größeres Publikum attraktiv wurde. Er spricht davon, Glück gehabt zu haben und Chefs, die sein Talent zu schätzen wussten.

Zuvor, vor Journalisten, ist Gottschalk deutlicher geworden. Er erinnert an seinen Förderer Udo Reiter, dem er sein Buch gewidmet hat, erzählt von „augenzwinkernden Anschissen“, die ihn ermutigt hätten weiterzumachen, von einer Musikauswahl nach persönlichem Gusto. Er habe es geschafft, Nähe zum Hörer zu erzeugen, sagt der 64-Jährige, und es klingt sachlich. Am Ende sei aus der Einbahnstraße vom öffentlich-rechtlichen Rundfunk zum Konsumenten eine Straße mit Gegenverkehr geworden. Thomas Gottschalk, der Sonnyboy – „Ich bin ein angstfreier Mensch“, hat er zuvor im kleinen Kreis gesagt – liest vor großem Publikum launig von seinen Filmabenteuern, Streifen wie „Piratensender Powerplay“, künstlerisch anspruchslos, aber erfolgreich. Vermutlich soll dieses Kapitel dem Besuch von Freund und Kollege Michael „Bully“ Herbig den Weg bereiten. Ja, es gibt auch Gäste und Talks auf der Couch, wieder erlebt man ein Déjà-vu, der Herbstblonde als Gastgeber, der Fragen an seine Gäste am liebsten selbst beantwortet, wie damals, im ZDF.

Der richtige Mann zur richtigen Zeit am richtigen Platz gewesen zu sein – so könnte auch die Überschrift über die Seiten des Buches lauten, auf denen der Moderator auf „Wetten, dass…?“ zu sprechen kommt, ein Format, bei dem man „aus unnützen Begabungen Kapital schlagen und dabei Small Talk mit Paul McCartney und Britney Spears machen“ konnte. Wieder durfte Gottschalk tun, was er am besten kann (und kaum einer besser als er) – charmant plaudern, Sprüche reißen und seinen (musikalischen) Idolen huldigen. Alle Stars seien da gewesen – „bis auf die Queen und den Papst“. Die Analyse dieser Ära ist pointiert, die ihres Endes schonungslos. Die Zeit von Europas größter Fernsehshow sei vorbei gewesen, als es nicht mehr gelang, „den großen Deckel“ gleichermaßen über das junge wie ältere Publikum zu stülpen. Zu unterschiedlich die Geschmäcker.

Das ganz junge, das „DSDS“-Publikum, ist bei dieser Lesung in der BMW-Welt vermutlich nicht stark vertreten, dafür sicher eine große Zahl treuer ARD- und ZDF-Zuschauer, die außerdem noch etwas mit dem Namen Georg Kreisler anfangen können. Sie packt Gottschalk mit der uralten „Telefonbuchpolka“ als auflockerndem Music Act. Der irgendwie Junggebliebene als Fan von Oldies aller Art – auch das passt. Überhaupt hat sich der Hauptdarsteller seiner Lebenserinnerungen die adäquate Verstärkung mitgebracht. Das Duo Igudesman & Joo bietet zwischendurch Crossover vom Feinsten, Mozart und Heavy Metal, Klavier und ein wenig Anarchie. Es sind die Noten zu Gottschalks Philosophie, in der sich stets der Duktus klassischer Bildung und ordentlich Respektlosigkeit gemischt haben.

Am Ende kommt er aufs Alter(n) zu sprechen – klugerweise wird dieser Abschnitt nicht von ihm selbst, sondern von Jürgen Prochnow gelesen. Gottschalk sitzt auf der Couch und wird ernst, als es um die Erkenntnis geht, dass jede Generation einmal im Herbst des Lebens steht, „dabei hatten wir uns doch entschieden, ewig jung zu bleiben“. Der Rente entgegenzugehen ist im Showbusiness, unter den Augen des Publikums, besonders schwierig, doch Gottschalk scheint mit sich im Reinen zu sein. Er habe die Zeit zu wenig genossen, hat er sich dazu zuvor im Gespräch mit den Journalisten entlocken lassen. Eins sei sicher, lässt er später im großen Saal Prochnow lesen: „Ich will nicht aussteigen, bevor ich am Ziel bin.“ Eine Anspielung auf Reiters Suizid im vergangenen Jahr.

Jetzt steht die Vermarktung seiner Autobiografie auf dem Programm – und da ist Gottschalk in seinem Element. „Kann man das Buch gut sehen, ja?“, feixt er von der Bühne herunter, im Pressegespräch hatte er „einen gewissen Erfolgsdruck“ eingeräumt. Wenn „Herbstblond“ so gut nachgefragt wird wie diese Show besucht, braucht er sich, wie in den besten Zeiten von „Wetten, dass…?“, über „schlechte Quoten“ keine Sorgen zu machen.

Rudolf Ogiermann

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