Spieletest

Frauenpower in Uncharted: The Lost Legacy

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Sensationelle Ein- und Ausblicke erwarten die Spieler.

Uncharted 4 war für die meisten das beste Playstation-Spiel des vergangenen Jahres. Nun bekam es mit „The Lost Legacy“ eine ziemlich überraschende Fortsetzung. Doch wie spielt sich ein Uncharted ganz ohne Nathan Drake?

Fans müssen jetzt ganz, ganz tapfer sein. Nathan Drake ist in Rente. Vielleicht, ja sogar wahrscheinlich endgültig. Kein Wunder nach all den Schießereien, Beinahe- und Komplettabstürzen, nach all den Faustschlägen und Tiefschlägen, die der vielleicht berühmteste Schatzjäger der Playstation-Geschichte in insgesamt vier Teilen „Uncharted“ einstecken musste. Doch wenn Drake im Ruhestand ist, wen spielt man dann in „Uncharted: The Lost Legacy“, das jetzt für die PS4 erschienen ist?

Die Entwickler von „Naughty Dog“ gehen gleich mehrfach ein Risiko ein mit „The Lost Legacy“. Das beginnt schon damit, dass man sich schon schwer tut damit, zu sagen, was „The Lost Legacy“ genau ist. Für ein Uncharted 4-DLC ist es mit knapp 40 Euro deutlich zu teuer und mit knapp zehn Stunden Spielzeit auch deutlich zu umfangreich. Für einen Vollpreistitel indes fehlt es doch an Umfang und Abwechslung. So sitzt „The Lost Legacy“ zwischen allen Stühlen und macht doch alles richtig. Goldrichtig, wie man unter Schatzjägern sagen würde.

Damenwahl statt Herrenwitze

In „The Lost Legacy“ übernehmen wir die Steuerung von Chloe Frazer. Fans erinnern sich: Das war Nathan Drakes Liebschaft und Begleiterin aus „Uncharted 2“ mit dem durchaus dehnbaren Moralverständnis. Da Chloe als Charakter immer deutlich interessanter war als Drakes Dauerfreundin Elena, war es nur folgerichtig, dass man sich für sie als Hauptfigur entschied. Auch wenn viele eigentlich damit gerechnet hatten, dass Nathans Bruder Sam, der in Uncharted 4 zum Ensemble gestoßen war, dieses Mal die Hauptrolle übernehmen würde.

Weit gefehlt. Entwickler „Naughty Dog“ setzt dieses Mal auf Frauenpower. Und trifft damit die bestmögliche Entscheidung. Denn so ist „The Lost Legacy“ nicht einfach nur ein „Uncharted“-light, bei dem ein flapsiger männlicher Haudrauf durch einen anderen ausgetauscht wird, sondern findet durch den konsequenten Wechsel der Hauptdarsteller auch zu einem neuen Ton.

Glaubhafte Charakterentwicklung

Denn nicht minder überraschend wie die Wahl der Hauptdarstellerin fällt auch die Wahl ihrer Begleiterin aus: Nadine Ross. Die war als Chefin einer Söldnertruppe einer unserer Haupt-Widersacher in Uncharted 4. Und steht mit einem Mal an unserer Seite und damit im Lager der guten.

Schon allein das Ensemble verspricht also spannende Interaktionen. Ein Versprechen, das eingehalten wird. Denn die beiden Damen, die anfangs deutlich miteinander fremdeln, bringen einiges an traumatischem Ballast mit. Chloe, die Schatzjägerin, die das Verschwinden ihres Vaters immer noch nicht verkraftet hat, die verzweifelt versucht, bestmöglich zu verbergen, dass sich unter der kratzbürstigen Schale ein liebenswerter Kern verbirgt. Und Nadine, die Söldnerin, die durch die Geschehnisse in Uncharted 4 alles verloren hat und nun zu sich selbst und einem neuen Weg durchs Leben finden muss.

Auf der Jagd nach Ganeshas Stoßzahn

Man merkt schon: Der Ton ist verglichen mit Uncharted 4 noch einmal ein Stück ernster geworden. Was sich erstaunlich gut mit der Hauptgeschichte verträgt. Denn auch die schlägt dunklere Töne an. „The Lost Legacy“ spielt ausschließlich in Indien. In einem fiktiven Indien, das von einem Bürgerkrieg zerrissen wird. Mitten in all dem Leid und Chaos machen sich Chloe und Nadine auf, um nach Ganeshas Stoßzahn zu suchen. Die Story selbst ist - wie meistens in Uncharted - auch dieses Mal eher Mittel zum Zweck und dient er als Klammer für die Charakterentwicklung, Schauplatzwechsel und zur Einbettung der Rätsel.

Das alles ist dann aber auch dem von Uncharted gewohnten, für andere Hersteller nahezu unerreichbaren Niveau. Wie sich die Damen zusammenraufen, wie aus Misstrauen schließlich Freundschaft wird, hat man selten in einem Spiel so glaubwürdig, geduldig und feinfühlig dargestellt.

Eine Augen- und Ohrenweide

Technisch ist „The Lost Legacy“ ein weiteres Mal makellos. Die Grafik ist - insbesondere auf der PS 4 Pro - schlichtweg atemberaubend. Obwohl das Spiel dieses Mal ausschließlich in Indien spielt, wird auch von den Kulissen her viel abwechslung geboten und werden einige der schönsten Levels der Spielegeschichte aufgefahren. Der Ton lässt sich bis ins Detail an die heimische Anlage anpassen, Musik und deutsche Synchronisation sind auf höchstem Niveau.

Spielerisch wird indes Uncharted-Standardkost geboten. Es wird zwar deutlich weniger geballert als zu Nathan Drakes Zeiten, dennoch laufen einem immer wieder Gegnerscharen vor die Flinte. Ansonsten wird viel gehüpft und geklettert und deutlich mehr gerätselt als zuvor. Das ist jetzt nie wirklich kompliziert, aber doch angenehm fordernd im Gegensatz zu den Vorgängern.

Fazit

Kurzum lässt sich sagen, dass „Naughty Dog“ mit „Uncharted: The Lost Legacy“ die bestehende Erfolgsformel weiter verfeinert hat. Eine wirkliche Revolution ist das alles - mal abgesehen vom Wechsel der Hauptcharaktere - nicht, aber immer noch ein Riesenspaß, der die Wartezeit auf „The last of us 2“ verkürzt. „The Lost Legacy“ läuft übrigens eigenständig, man braucht kein „Uncharted 4“, um es zu starten. Wer allerdings tatsächlich „Uncharted 4“ noch nicht hat, der sollte erst dazu greifen. Es ist mittlerweile zum selben Preis wie „The Lost Legacy“ erhältlich, bietet aber deutlich mehr Umfang. 

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