Du kommst hier net rein

„Face-Check“ entscheidet über Zutritt

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Neuartiges Kamerasystem erkennt minderjährige Spieler (Symbolfoto)

Ein neuartiges Kamerasystem soll dafür sorgen, dass minderjährige oder unerwünschte Besucher keinen Eintritt mehr in Spielhallen der Gauselmann-Gruppe erhalten.

Mit einem Ampelsystem wird die Eintritts-Schranke entweder gesperrt oder freigegeben. Auch eine manuelle Kontrolle ist möglich.

Die Zeiten, in denen Spieler, die in einer Spielhallen-Kette einfach auf eine andere Spielhalle derselben Firma ausweichen konnten, sind vorbei. Die Gauselmann-Gruppe, die zahlreiche Spielhallen in ganz Deutschland betreibt, hat das „Go“ der nordrhein-westfälischen Behörden bekommen, den so genannten „Face-Check“ durchzuführen. Dabei werden Kameras im Eingangsbereich befestigt, die jeden Besucher erfassen und den Mitarbeitern an der Zugangskontrolle mittels eines Ampelsystems signalisieren, ob derjenige eintreten darf oder draußen bleiben muss. 

Wie funktioniert der Face-Check? 

Zunächst wird das Gesicht desjenigen gescannt, der eintreten möchte. Mit Hilfe von biometrischen Daten wird ein so genanntes „Template“ erstellt. Das sind Profile, die anhand von Gesichtsmerkmalen (Proportionen, Knochenbau und Mundpartie) erstellt werden. Anschließend vergleicht der Computer die Daten mit der bundesweiten Sperrdatei des Unternehmens. Leuchtet die Ampel rot, heißt das: „Du kommst hier net rein“, bei Grün darf eingetreten werden. Gelb bedeutet, dass das System jemanden erkannt hat, der eventuell noch nicht volljährig ist. Dann muss der Mitarbeiter an der Einlasskontrolle manuell überprüfen. 

Und der Datenschutz? 

Die nordrhein-westfälischen Behörden haben der Gauselmann-Gruppe strenge datenschutzrechtliche Regeln diktiert. So müssen und werden unauffällige Templates nach 30 Sekunden wieder aus dem System gelöscht. Außerdem dürfen die Daten nicht an Dritte weitergegeben werden, und es darf keine Verknüpfung mit anderen Informationen stattfinden. Erfasst werden auch nur die Gesichtsprofile. Andere Daten, wie etwa Name, Adresse, etc. werden nicht gespeichert.

Infografik zu Spielhallen in Deutschland

Vertrauliches Gespräch bei Zweifeln 

Erfreulich ist, dass das neue System auch Spieler erkennt, die zwar volljährig, aber noch keine 25 Jahre alt sind. Auch bei ihnen schaltet die Ampel auf Gelb. Diese Spieler werden dann vor Betreten der Spielhalle im Rahmen eines vertraulichen Gesprächs über die Risiken des Spielens aufgeklärt. Im Zweifelsfall entscheiden dann diese Spieler selbst, ob sie in die Spielhalle möchten oder doch lieber draußen bleiben. 

Einmal gesperrt, überall gesperrt 

Besonders stolz kann man auf die Tatsache sein, dass Spieler, die in einer der zahlreichen Filialen gesperrt wurden, in allen weiteren Filialen ebenfalls keinen Eintritt mehr erhalten. In einem Fernseh-Interview wies der Geschäftsführer der Gauselmann-Gruppe, Paul Gauselmann, jedoch darauf hin, dass derlei Sperren nichts brächten. Wer in der Spielhalle gesperrt sei, weiche eben auf das Internet aus. Da ist etwas dran. Denn unter anderem bei spielautomaten.com.de kann man auch online auf dem heimischen Sofa zocken. Das Angebot ist riesig. Wer nicht unbedingt vor Ort am Automaten spielen möchte, tut dies eben am Bildschirm daheim. 

Integration auch in Automaten möglich 

Bei dem Spielhallen-Unternehmen denkt man auch laut über eine weitere Nutzungsmöglichkeit nach: Die Integration in die Spielautomaten selbst. Auch das sei möglich, hieß es. Die Vorteile: 

  • Auch Automaten in Gaststätten zum Beispiel könnten mit dem System ausgestatten werden
  • Minderjährigen würde der Zugang zu den Automaten generell untersagt
  • Auch an diesen Automaten könnten gesperrte Spieler nicht mehr zocken

Entwickelt wurde das System von der Firma Cognitec. Zwei Jahre hat es gedauert, bis der Face-Check marktreif und einsatzfähig war. 

Strenge Jugendschutz-Vorschriften 

Grundsätzlich gilt in Deutschland: Jugendliche unter 18 Jahren dürfen nicht in Spielhallen. Auch nicht, wenn sie sich dort nur aufhalten. Das gilt auch, wenn sie in Begleitung einer sorgeberechtigten Person sind. Was die Arcade-Automaten (nur fest installierte Spiele ohne Geldgewinnmöglichkeit) angeht, sieht das Jugendschutzgesetz ähnliche Richtlinien vor, wie sie auch bei Computerspielen gelten. Eine Alterskennzeichnung ist Pflicht. Wer die Altersgrenze nicht erreicht hat, darf nicht spielen. Wie hoch die jeweilige Altersgrenze liegt, wird von Bundesland zu Bundesland anders entschieden. 

Verstößt ein Betreiber gegen die geltenden Jugendschutzvorschriften, kann er mit einer Geldbuße von bis zu 50.000 Euro bestraft werden. In schweren Fällen drohen sogar noch höhere Geldstrafen und sogar Gefängnis. 

Spielhallenschließungen sind ein Dorn im Auge 

Ein neues Gesetz, wonach Spielhallen ab Juli 2017 geschlossen werden müssen, weil sie zu dicht beieinander liegen, ist der Gauselmann-Gruppe ein Dorn im Auge. Das Unternehmen, das selbst auch Automaten herstellt, fürchtet, dass die Zahl an Geldspielautomaten drastisch zurückgehen könnte. Bis zu einem Drittel der Automaten stünden auf der Kippe. Der Glücksspielstaatsvertrag gibt nämlich vor, dass Spielhallen zum Beispiel in Baden-Württemberg zueinander einen Mindestabstand einhalten müssen. 500 Meter, weniger dürfen es nicht sein. Der Radius variiert von Bundesland zu Bundesland. Weil davon viele Spielhallen betroffen sind, soll sogar das Los entscheiden, welche Daddel-Halle schließen muss und welche bleiben darf. 

Spielangebot wird ausgiebig genutzt 

Das Geschäft mit dem Glücksspiel ist unterdessen weiterhin äußerst lukrativ. Die Branche verzeichnet hohe Umsätze. Alleine in Deutschland sind es jährlich 13 Milliarden Euro, die mit Glücksspiel erwirtschaftet werden. Damit stehen wir Deutschen aber noch nicht einmal an der Spitze der Spielfreudigen Nationen. 

  • In Asien wird das Glücksspiel immer beliebter. Ein Zuwachs von 50 Prozent war dort in den letzten Jahren zu verzeichnen. 
  • Zusammen mit dem amerikanischen Markt ist Asien damit der größte Glücksspielmarkt weltweit.

Und es sind schon längst nicht mehr nur die Spielhallen vor Ort, die auf Kunden warten. Seit Jahren ist der Boom mit den Online-Spielen nicht mehr aufzuhalten. Online-Casinos und Hersteller von Spiele-Apps dürfen sich über ein reges Kundenwachstum freuen. 

Hilfe bei Glücksspielsucht 

Es gibt zahlreiche Anlaufstellen für Menschen, die befürchten, glücksspielsüchtig zu sein. Beratungsstellen, Kliniken, Selbsthilfegruppen – all diese Einrichtungen greifen Süchtigen unter die Arme und unterstützen sie nach Kräften. Das gilt auch für Angehörige. Auch sie werden auf Wunsch betreut. Einige Beratungsstellen bieten sogar eine ambulante Entwöhnungsbehandlung an. Diese umfasst unter anderem:

  1. die Vermittlung in die stationäre Suchtbehandlung, falls dies nötig ist. Die Kosten werden vorab geklärt
  2. die Zusammenarbeit mit Selbsthilfe-Einrichtungen
  3. Geldmanagement und Unterstützung bei der Schuldenklärung 

So soll gewährleistet sein, dass Menschen erst gar nicht der Glücksspielsucht verfallen, bzw. Wege aus ihr finden, wenn sie bereits süchtig sind. 

Auch die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) bietet umfangreiche Informationen zur Glücksspielsucht und Behandlungsmöglichkeiten an. Die Nummer des kostenlosen Beratungstelefons lautet: 0800 / 1372700.

Quelle: Mannheim24

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