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„Call of Duty: Modern Warfare“ im Test - CoD so hart wie noch nie

„Call of Duty: Modern Warfare“ im Test: Ein großartiges Spiel, das aber aufgrund einiger Szenen nicht für sensible Gemüter geeignet ist.


Das neue Call of Duty „Modern Warfare“ bringt uns wieder in die Gegenwart zurück. Und beschert uns - endlich! - ein Wiedersehen mit Captain Price und seinen Männern. Im Gegensatz zum Vorgänger-Spiel „Black Ops 4“, das auf einen Story-Modus verzichtete, bekommen wir in Modern Warfare wieder eine Kampagne. Und was für eine!

Die extremen Darstellungen der Gräuel von Krieg und Terrorismus sorgen gleich nach dem Release des Spiels für kontroverse Diskussionen? Musste das sein? Waterboarding-Folter? Mord an Zivilisten? Kinder, die zur Waffe greifen müssen? Ja, das musste sein. Auch wenn „Call of Duty: Modern Warfare“ als Shooter in erster Linie unterhalten will, gelingt es dem Spiel so intensiv wie kaum einem anderen, die grausame Realität des Krieges darzustellen. 

Wie Zeid Reiek, Gameplay Director bei Infinity Ward, in einem Interview betont, sollen die drastischen Szenen dazu beitragen, dass die Spieler Mitgefühl mit den Menschen in einem Kriegsgebiet bekommen. Im Fokus der Story stehen zunächst das Mädchen Farah Karim und Bruder Hadir aus dem fiktiven Land Urzikstan. Beide werden später den Widerstand gegen die russischen Besatzer und die Terroristengruppe Al-Qatala anführen. In Rückblenden erleben wir, wie russische Soldaten das Dorf der Kinder bombardieren, mit Giftgas angreifen und anschließend wahllos Menschen und Tiere abschlachten. Auch Farahs und Hadirs Eltern fallen dem Massaker zum Opfer. Nach Jahren in russischer Gefangenschaft, bei der sie gefoltert werden, gelingt den Geschwistern der Ausbruch aus dem Gefängnis. 

Die Spielszenen, in denen sich etwa Farah vor dem russischen Soldaten verstecken muss, der ihren Vater getötet hat, wirken teils zu lange. Aber tatsächlich kann man sich mit zunehmender Dauer der belastenden Szenen immer besser in ein Kind hineindenken, in deren Leben die brutale Realität des Krieges hereinbricht. 

Ansonsten bedient „Call of Duty: Modern Warfare“ sich wieder ausgiebig bei Hollywood-Kriegsfilmen. War ja in der Vergangenheit nicht anders, als Szenarien aus „Der Soldat James Ryan“ oder „Duel - Enemy at the Gates“ kopiert wurden. Dieses Mal müssen Blockbuster wie „13 Hours: The Secret Soldiers of Benghazi“, „Zero Dark Thirty“ oder „American Sniper“ herhalten. Wenn etwa Captain Price und seine Mannen eine amerikanische Botschaft gegen die Übermacht eines Islamisten-Mobs verteidigen müssen. Aber bekanntlich funktioniert CoD am besten, wenn der Spieler epische Momente aus Kriegsfilmen nachspielen kann. So auch in diesem Game.

Zur Story: Captain Price und sein Team werden in den Kriegsschauplatz Urzikstan hineingezogen, wo sich Russen, Islamisten und Freiheitskämpfer gegenüberstehen. Die Folgen des Konfliktes reichen bis nach Europa, genauer gesagt: Nach London. Am Picadilly Circus kommt es zu einem Terroranschlag, bei dem man als Elitesoldat ein Massaker der Terroristen verhindern muss. 

Ansonsten bringt „Call of Duty: Modern Warfare“ das typische CoD-Feeling zurück: Sehr intensive Gefechte wie aus einem Hollywood-Blockbuster, verbesserte Grafik, großartiger Sound und ein WTF-Moment nach dem anderen machen das Spiel einzigartig. 

„Call of Duty: Modern Warfare“ Trailer Multiplayer


„Call of Duty: Modern Warfare“: Neue Multiplayer-Maps

Beim Mehrspielermodus wollten die Entwicker nach eigenem Bekunden neue Wege gehen. Allerdings spielen sich die Modi genauso traditionell wie alle anderen. Immerhin sind die drei neuen Mulitplayer-Maps „Crash“, „Shipment“ und „Vacant“ geboten.

Bemerkenswert ist der neue Spielmodus „Gunfight“, bei dem auf beiden Seiten jeweils nur zwei Spieler beteiligt sind. Dabei sind die Karten extrem klein und die Matches manchmal schon nach Sekunden vorbei. Was für ein richtig intensives Spielerlebnis sorgt.

Den Modus „Groundwar“ kann man als „Call of Dutys“ Antwort auf „Battlefield“ sehen. Auf diesen Karten treffen jeweils 32 Spieler pro Seite aufeinander, also sehr viel mehr als bei  den gewohnten Fünf-gegen-Fünf-Spielen bei CoD. In „Groundwar“ kann man auf den riesigen Karten auch Kampfhubschrauber und Panzer steuern. Allerdings sind im Vergleich zu „Battlefield“ keine Zerstörungen an Häusern oder anderen Objekten möglich. Schade!

Auch der Modus „Cyberwar“ ist ziemlich cool. Bei der Weiterentwicklung des CoD-Modus „Suchen & Zerstören“ – müssen Spieler beider Seiten eine Bombe finden und diese zur Explosion bringen oder die Gegenseite vernichten. Das Besondere dabei: Gefallene Teammitglieder können wiederbelebt werden, was in den Gefechten manchmal zu dramatischen Wendungen führt.

Gibt es bei „Call of Duty: Modern Warfare“ auch etwas zu kritisieren? Ja! Bei allem Verständnis für die Fokussierung auf die Gräuel des Krieges fehlen in diesem Spiel ein paar echte Blockbuster-Momente, die den CoD-Spielen immer eine besondere Note verpassten. Man denke an die unerwartete Atombomben-Explosion im ersten „Modern Warfare“ des Jahres 2007. Oder an die Nuklearrakete im All, die im darauffolgenden Teil so ganz nebenbei die ISS zerlegte. 

Auch wird der eine oder andere wieder über di sehr linearen Missionen - Stcihwort: “Schlauchlevel“ - meckern. Aber hey: Das war und ist CoD. Sollte man 12 Jahre nach dem ersten „Modern Warfare“ eigentlich kapiert haben. Und halt dann einen anderen Shooter spielen, wenn man mit diesem Prinzip nichts anfangen kann.

„Call of Duty: Modern Warfare“: Das Fazit

„Call of Duty: Modern Warfare“ist kein Aufguss des ersten Teils aus dem Jahr 2007. Sondern ein komplett eigenständiges Spiel, in dem sich dramatische und bedrückende Momente abwechseln. Als Shooter funktioniert das Spiel sowohl im Story- als auch im Multiplayer-Modus hervorragend. Für Shooter-Fans gibt es eine klare Kaufempfehlung. In Kinderhände gehört das Spiel aber keinesfalls!

Für PS4, PC und Xbox One. USK: Ab 18 Jahren. Preis: ab 55 Euro.

fro

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