Pay-TV-Chaos im Fussball:

Welche Abos brauche ich, um alle Spiele sehen zu können?

+
Wo kann ich welches Spiel sehen? Die Pay-TV-Chaos sorgt bei vielen für Verwirrung.

Bundesliga, zweite Liga, Champions League, Europa League und DFB-Pokal: Wer all diese Fußball-Wettbewerbe live und in Farbe verfolgen möchte, braucht nicht nur viele TV-Sender, sondern vor allem jede Menge Abos von Streamingdiensten. Spätestens seit dieser Saison herrscht in Sachen Pay-TV Chaos pur.

Zu verdanken haben Fußballfans dieses Chaos der neuen Verteilung der Übertragungsrechte auf verschiedene Anbieter. Was auf der einen Seite immerhin dazu führt, Monopol-Stellungen zu verhindern, verwirrt auf der anderen Seite den Fußball-Fan. Viele Anhänger blicken längst nicht mehr durch und fragen sich: Welche Abonnements muss ich abschließen, um alle Spiele sehen zu können? Und warum muss ich mir diese Frage überhaupt stellen, wenn ich nach der Arbeit einfach nur gemütlich ein gutes Fußballspiel verfolgen möchte?

Bereits zu Beginn der Bundesliga-Saison 2018/19 gab es kritische Stimmen zu vernehmen, die mit der neuen Aufsplitterung der Fußball-TV-Rechte überfordert sind. Nicht nur Fans gingen auf die Barrikaden, sondern auch unter den Profis wurde das Durcheinander offen kritisiert. So erklärte Mario Gomez nach einer Partie des VfB Stuttgart: „Ich komm' nicht mehr mit, was man bestellen muss, um ein Spiel zu sehen. Ich finde es sehr, sehr schade für die Fans, dass es nicht nur ein Paket gibt, das man sich bestellt und dann alle Bundesligaspiele und alle Champions-League-Spiele sieht“, so der Mann, der bereits 78-mal im Trikot der deutschen Fußball-Nationalmannschaft auflief.

Videobeweis & Spieltag-Split: Wie viel Innovationen verträgt der Fußball?

Mit diesen ehrlichen Worten sprach der Stürmer vielen Fans aus der Seele, die bereits in den vergangenen Jahren Schwierigkeiten hatten, den ständigen Neuerungen in Sachen Pay-TV zu folgen. Seit dieser Spielzeit, die im Sommer 2018 begann, ist es noch komplizierter geworden. Als wäre der Videobeweis nicht schon genug Innovation für die als traditionsbewusst bekannten Fußball-Romantiker gewesen, müssen sie inzwischen mit verschiedenen Streamingdiensten und Anstoßzeiten leben. Letztere wirken auf den ersten Blick so konfus, dass der eine oder andere Anhänger schon mal zu spät den Fernseher anschaltet und dadurch möglicherweise wichtige Tore seines Lieblingsvereins verpasst.

Grundsätzlich sind vor allem die Fans langjähriger Bundesligaklubs an die typischen 15:30-Uhr-Startzeiten gewöhnt. Das Privatfernsehen bzw. die Bezahlformate haben die Art, wie Fußball geschaut und vor allem übertragen wird, seit ihrer Entstehung mitgeprägt - und werden dies auch weiter tun. Eine Tendenz ist hierbei nicht von der Hand zu weisen: Fußball wird immer mehr zum Spektakel. Und eben jenes Spektakel soll bestenfalls immer und überall verfügbar sein. Dies hatte in den letzten Jahren zufolge, dass nunmehr zu unkonventionellen Uhrzeiten der Ball läuft, aber weniger Spiele gleichzeitig laufen.

Aufgrund der sukzessiven Zersplitterung der Spieltage kann von Kontinuität der Liga heute keine Rede mehr sein. Wobei fairerweise festzuhalten sei, dass im Vergleich zu den Vertretern der englischen Premier League die Deutsche Fußball Liga (DFL) bemüht ist, die Kommerzialisierung mit den Interessen der Fußballanhänger in Einklang zu bringen. Der Trend, einen Spieltag auf möglichst viele Tage und verschiedene Anstoßzeiten aufzuteilen, schwappte in den vergangenen Jahren vom Mutterland des Fußballs nach Deutschland über.

Der Hintergrund ist klar: Je mehr Spiele exklusiv und ohne Parallelpartien live im Pay-TV zu sehen sind, desto mehr Geld fließt – und davon profitieren letztlich auch die Klubs. Allerdings besteht die Gefahr, dass die mächtigen Strippenzieher im Hintergrund den Bogen überspannen. Geht die Transparenz verloren und werden die Abo-Kosten zu hoch, schaltet der eine oder andere Fan ab – mit der Folge, dass das Produkt „Fußball“ am Ende entwertet wird.

Abo-Check: Hier gibt’s die Bundesliga im Pay-TV

Viele Fußballfans werden sich noch an die 90er zurückerinnern, als jeden Samstag um 15:30 Uhr ein Bundesligaspiel live auf dem Abo-Sender Premiere gezeigt wurde. Diese Form der Übertragung war in Deutschland ein völliges Novum. Voller Faszination (aber häufig nicht bereit, um diesen Dienst zu bezahlen) schauten sich Klein und Groß die 15-minütige Vorberichterstattung an, ehe der Sender das Live-Bild zum Anpfiff verschlüsselte. Mehr Möglichkeiten, die Beletage des deutschen Fußballs exklusiv zu sehen, gab es damals nicht. Heute ist das anders: Alle 306 Spiele flattern über die volle Länge über den Bildschirm – lediglich drei im Free-TV. Die Rechte für das Eröffnungsspiel der Hin- und Rückrunde hat sich das ZDF ebenso gesichert wie die letzte Hinrunden-Begegnung am 17. Spieltag. Möchte man alle anderen (303) Spiele live sehen, benötigt der Zuschauer zwei Abos. Auf Eurosport wird das jeweilige Freitagsspiel (Anpfiff: 20:30 Uhr) exklusiv übertragen, empfangbar über den Eurosport Player oder ein Abonnement beim Eurosport-Partner Amazon Prime. Der Jahres-Pass schlägt aktuell mit 49,99 Euro zu Buche.

Am Samstag übernimmt dann Sky – die klassischen 15:30-Uhr-Spiele können als Einzelspiele und in der Konferenz verfolgt werden. Auch das Topspiel am frühen Samstagabend (Anpfiff: 20:30) hat sich der Pay-TV-Sender aus Unterföhring auf die Fahne geschrieben. Bei Sky lassen sich die verschiedensten Pakete zu unterschiedlichen Preisen buchen, wobei der Preis für das Premium-Produkt Bundesliga im vergangenen Jahr noch einmal stieg. Unübersichtlicher wird es dann am Sonntag, wenn aufgrund von internationalen Spielen unter der Woche bis zu drei Partien (selten der Fall) ausgetragen werden. Die Faustregel: Wird regulär um 15:30 Uhr und 18 Uhr angepfiffen, sind die Zuschauer bei Sky an der richtigen Adresse, während um 13:30 Uhr Eurosport auf der Matte steht.

Sky oder DAZN: Wo kann ich die Champions League verfolgen?

Chaos pur: Eurosport-Player, Sky, DAZN oder doch das Free-TV? 

Hält sich das Chaos in Bezug auf die Bundesliga noch in Grenzen (ab 2019/20 ändert sich das, weil dann auch DAZN einsteigen wird), blicken in Bezug auf die Champions League jetzt bereits viele Fans nicht mehr durch. Sky und DAZN teilen sich die Übertragungsrechte. Was zunächst logisch klingt, entpuppt sich als hochkomplizierte Angelegenheit, wenn es ins Detail geht. Insgesamt zeigt der Pay-TV-Sender Sky 34 Spiele in voller Länge, exklusive weiterer 40 Konferenzen. Alle anderen 138 Partien der Königsklasse entfallen auf DAZN.

Stellt sich die Frage: Braucht man wirklich beide Anbieter, um sich in der Welt der Champions League zu Hause zu fühlen? Vermutlich ja, wie einige BVB-Fans zum Achtelfinal-Start im Februar 2019 feststellen mussten. Wer nur im Besitz eines Sky-Paketes war, konnte das Hinspiel der Dortmunder bei Tottenham Hotspur (0:3) nur in der Konferenz verfolgen. Die kompletten 90 Minuten liefen an diesem Abend auf DAZN. Immerhin: Letzterer Anbieter ist dem Abo-Preis von monatlich 9,99 Euro trotz der Aufwertung durch Anteile an der Champions League (sowie durch die komplette Europa League) treu geblieben. Obendrauf gibt es noch einen Gratis-Monat und im Gegensatz zu anderen Pay-TV-Sendern die Möglichkeit, monatlich zu kündigen.

Christian Heidel, Sportvorstand von Schalke 04 sprach vermutlich vielen aus der Fan-Seele, als er sich zu der Partie Tottenham-Dortmund äußerte: „Für die Zuschauer ist es sehr kompliziert geworden. Ich saß vor dem Fernseher und wollte bei Sky das Dortmund-Spiel schauen. Plötzlich wurde umgeschaltet auf Amsterdam gegen Madrid. Da habe ich eine Zeit gebraucht, um zu verstehen, dass das ganze Spiel bei DAZN gezeigt wird“

2. Bundesliga: Abschied aus dem Free-TV

Die zweite Liga ist inzwischen übrigens komplett aus dem Free-TV verschwunden. Das Montagsspiel auf SPORT1 hat ausgedient. Die Spiele aus dem Unterhaus des deutschen Fußballs werden ebenso von Sky übertragen wie die Partien des DFB-Pokals. Immerhin: Pro Runde darf die ARD ein Spitzenspiel ausstrahlen, auch das Finale in Berlin im Mai gibt es im öffentlich-rechtlichen Fernsehen zu sehen. Auch wenn mit diesen Maßnahmen der Wettbewerb befeuert wird und Sky nicht mehr als Alleinherrscher im Bezahlfernsehen fungieren kann, ist die Aufregung groß. Der Kritikpunkt vieler Fußballfans: Zu viel Chaos und zu viele Abos, die zusammengenommen ziemlich in den Geldbeutel gehen.

Die Umsatzzahlen sprechen für die Verteilung auf mehrere Pay-TV-Anbieter

Wie gering die Akzeptanz ist, beweisen die Argumente die der Vorstands-Vorsitzende des FC Bayern, Karl-Heinz Rummenigge, in einem Interview auf den Tisch legte:

„Die werden aber bei einem Zuschauerrückgang von 84 Prozent in Deutschland nicht mehr ausreichend bedient. Der Mix aus Pay- und Free-TV muss stimmen, sonst besteht die Gefahr, dass sich die Champions League mittelfristig selbst einen Schaden beim Sponsoring zufügt“ 

Dagegen sprechen die Zahlen, die aus dem Wirtschaftsreport der DFL hervorgehen. Demnach verzeichnete die Bundesliga und 2. Bundesliga in der vergangenen Saison einen Umsatzrekord von 4,42 Milliarden Euro. DFL-Chef Christian Seifert begründete den Anstieg der Zahlen auch mit Blick auf die drei Pay-TV-Anbieter: „Der deutsche Profifußball hat sich unverändert positiv entwickelt. Dazu tragen wesentlich die Erlöse aus den aktuellen Medienverträgen bei, die sich erstmals in den Bilanzen niederschlagen.“

Fazit:

Die Zersplitterung der Spieltage und die vielen verschiedenen Rechteinhaber werden auf Sicht vielen Fußballfans den Spaß am Spiel verderben. Mehr Transparenz und faire Konditionen werden auf Dauer nötig sein, um das gut funktionierende Produkt „Fußball“ nicht ernsthaft zu beschädigen. Wenn von Fans erwartet wird, dass sie mehr Abos abschließen müssen, als dass sie Trikots ihres Lieblingsklubs im Kleiderschrank hängen haben, könnte der Pay-TV-Hype schnell kippen. Interessant bleibt zudem auch der digitale Fortschritt in der Hinsicht. Wie weit wird das reine Fernsehen mit der voranschreitenden Übernahme von Streamingdiesntleistern mithalten können? Das Problem scheint weitaus größer: Wie kommerziell will der „Volkssport“ Fußball eigentlich noch werden?

Mehr zum Thema

Kommentare