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Impfaktion in Ludwigshafen und Worms: Warum sind Hunderte Dosen übriggeblieben?

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Von: Eliran Kendi

Zusätzlichen Impftermine im Impfzentrum Worms (9. Juni 2021).
„Johnson & Johnson“-Restdosen für alle freigegeben: Zusätzlicher Impftermin im Impfzentrum Worms (9. Juni 2021). © LUDWIGSHAFEN24/Katja Becher

Ludwigshafen/Worms - Nach der dreitägigen Sonderimpfaktion in Brennpunktvierteln ziehen die Verantwortlichen eine positive Bilanz. Doch die Nachfrage fällt geringer aus als erwartet – viele Dosen bleiben zunächst ungenutzt.  

Lange haben Ludwigshafen und Worms als Inzidenz-Sorgenkinder in Rheinland-Pfalz gegolten. Daher hat das Land beiden Städten insgesamt 5.500 Dosen des Impfstoffs von Johnson & Johnson zur Verfügung gestellt. Dieses Vakzin hat gegenüber anderen Impfstoffen einen besonderen Vorteil: Für eine umfassende Schutzwirkung ist lediglich eine Injektion nötig. Ein Umstand, der die Verwendung von Johnson & Johnson für eine Sonderimpf-Aktionen in Brennpunktvierteln begünstigt – so auch in Ludwigshafen und Worms. Doch während die Verantwortlichen die Bilanz der Maßnahme als Erfolg feiern, steht zugleich fest: Hunderte Dosen können nicht verimpft werden.

Impfaktion in Ludwigshafen und Worms – ein voller Erfolg?

Mit insgesamt fast 4.000 Impfungen in Ludwigshafen und Worms sei die Sonderaktion nach Ansicht von Landesimpfkoordinator Daniel Stich eine erfolgreiche Initiative. „Dank dieser Schwerpunktaktion konnten wir nochmals die Impfquote deutlich erhöhen. Gerade in Städten, die zuletzt noch hohe Ansteckungszahlen hatten, ist das eine deutliche Hilfe“, sagt Stich am Dienstag (8. Juni) in Mainz.

Insgesamt sollen einer Mitteilung zufolge 1.773 Menschen in Ludwigshafen geimpft worden sein. Obgleich Worms weniger als die Hälfte der Einwohner der Chemiestadt zählt, werden hier am vergangenen Wochenende 2.140 Menschen geimpft – wie kann das sein?

Impfaktion in Ludwigshafen: Verschwörungserzählungen verhindern höhere Impfquote

Während in den Impfzentren aufgrund des Mangels an Dosen weiterhin eingeschränkter Betrieb herrscht, bleibt nach der Sonderaktion in Rheinland-Pfalz Impfstoff liegen. „Auch wenn nicht in allen Quartieren die betroffene Bevölkerung mobilisiert werden konnte, hat doch eine große Zahl von Bürgerinnen und Bürgern eine Schutzimpfung erhalten“, zitiert die Deutsche Presse-Agentur Stich. Gründe für die mangelnde „Mobilisierung“ nennt er nicht.

Demgegenüber wird der Ortsvorsteher des Stadtteils Nord-West Osman Gürsoy (SPD) konkreter: Mal wieder sind es Verschwörungserzählungen und Desinformation, die einer effektiven Eindämmung des Coronavirus im Weg stehen.

Im Stadtteil kursieren zum Thema Impfen allerlei Gerüchte, sagt Gürsoy gegenüber dem SWR. Mehrere Bewohner im Stadteil hätten dem Ortsvorsteher gesagt, dass sie die Corona-Impfung ablehnen. Dabei äußerten sie die Befürchtung, das Männer davon impotent werden könnten, und Frauen unfruchtbar. Oft habe er nur einen Bruchteil der Bewohner überzeugen können, berichtet Gürsoy.  

Dessen ungeachtet wertet Gürsoy auf einer Pressekonferenz (6. Juni) mit Sozialdezernentin Beate Steeg (SPD) die Initiative als „gute und wichtige Aktion“. Beide stimmen überein, dass im Kampf gegen das Coronavirus jede Impfung zählt. Die etwa 1.500 noch nicht genutzten Impfdosen sollen sicher gelagert und in den kommenden Tagen vor Ort verabreicht werden.

Impfaktion in Worms verlängert: Alle Einwohner können teilnehmen

Auch für den Wormser Oberbürgermeister Adolf Kessel ist die Aktion ein „riesiger Erfolg“. „Die zusätzlichen Impfdosen haben unserer Stadt sehr gut getan“, sagt er. Auch in der Domstadt konzentriert sich die Aktion auf Menschen aus prekären Wohnverhältnissen. Dabei werden sie per Flugblatt zur Impfaktion aufgerufen. Doch auch hier bleiben nach der Aktion am Sonntag (6. Juni) rund 800 Impfdosen übrig.

Lange Schlange vor dem Impfzentrum in Worms. Nachdem hunderte Dosen Johnson & Johnson übriggeblieben sind, werden diese am 9. Juni für alle freigegeben.
Lange Schlange vor dem Impfzentrum in Worms. Nachdem hunderte Dosen Johnson & Johnson übriggeblieben sind, werden diese am 9. Juni für alle freigegeben. © LUDWIGSHAFEN24/Katja Becher

Aus diesem Grund geht die Sonderaktion in die „Verlängerung“; aber mit einem entscheidenden Unterschied: Diesmal können sich alle Volljährigen mit Wohnsitz in Worms um die übrig gebliebenen Impfdosen bemühen!

Die zusätzlichen Impftermine im Impfzentrum, Mainzer Straße 52:

„Keine der zusätzlich gelieferten Impfdosen wird übrig bleiben“, verdeutlicht Adolf Kessel auf der Website der Stadt. (esk mit dpa)

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